Gut im Futter

Interview

„Die Futterindustrie ist sehr dynamisch“, meint Pieter Wolleswinkel. Der Tierarzt, der 2007 auf Tierernährung umgesattelt hat, ist seit Juli 2014 Geschäftsführer von ForFarmers. Ihm obliegt die operative und strategische Leitung der Firma. „Man muss jeden Tag wettbewerbsfähig im Markt sein.“

Ein ganzheitlicher Ansatz

Pieter Wolleswinkel geht es in seinem Job um Entwicklung, aber auch um das Tierwohl. „Man muss immer wieder verstehen und verändern“, betont er. „ForFarmers ist ein Unternehmen mit einer langen Geschichte, aber auch eines, das immer unkonservativ gewesen ist. In den letzten fünf Jahren hat das keiner so gemacht wie wir. Wir haben keine Angst, den strategischen Schritt zu machen.“

Obschon die Kernkompetenz des Unternehmens im Mischfutterbereich lag, hat die Firma in den letzten Jahren nicht nur Spezialmischungen, sondern auch Innovationen auf den Markt gebracht. „Wir wollen breite Lösungen zum Kunden bringen“, erläutert Pieter Wolleswinkel. „Daher haben wir das Portfolio erweitert, gemäß unserem Slogan ‘the total feed business’. Wir wollen, dass die Landwirtschaft die besten Ergebnisse erzielt. Nicht nur auf der Basis des Preises, sondern durch technische Unterstützung unserer Außendienstler und durch die Produktqualität. Das kann aber nur zusammen gesehen werden.“ Jährlich hat das Unternehmen einen Absatz von 1,4 Millionen Tonnen Mischfutter in Deutschland.

Für Rind, Schwein und Geflügel

ForFarmers ist in drei Bereichen aktiv. „Wir suchen uns die Segmente, in denen wir uns technisch differenzieren können“, betont Pieter Wolleswinkel. „Milchroboterbetriebe mit Rindern, Sauen- und Ferkelzüchter, die ihre Ergebnisse auch verbessern wollen, sowie der Geflügelbereich. Wir sind die richtige Anlaufstelle für professionelle Landwirte, die sich weiterentwickeln wollen.“

Mit individuellen Konzepten

Für Milchbauern bietet die Firma zwei Fütterungskonzepte: Vita für die optimale Aufzucht von Kälbern und Feed2Milk für eine gesunde und nachhaltige Milchproduktion. Abgerundet wird das Angebot durch das Beratungsteam. Geflügelbauern erhalten unter dem Titel Agroscoop technische Analysen und die richtige Beratung.

„Dabei geht es nicht so sehr um Produkte, sondern um begleitende Unterstützung“, erläutert Pieter Wolleswinkel. Schweinezüchtern hat die Firma unter dem Titel Home-MiXXing ein Fütterungskonzept für Eigenmischer geschaffen, das die individuelle Anpassung erlaubt. „Im Augenblick liegt unser Fokus auf einem neuen Ferkelprogramm“, verrät Pieter Wolleswinkel. „Wir arbeiten mit strategischen Partnern zusammen, um noch besser und schneller die richtige Innovation auf den Markt zu bringen.“

Ein neuer Blickwinkel

ForFarmers ist ein internationales Unternehmen, das seit dem Kauf der Anlage in Langförden im Jahr 2006 auf dem deutschen Markt aktiv ist. Dank weiterer Übernahmen in den Jahren 2007 und 2012 verfügt die Firma inzwischen über acht Werke in Deutschland mit 350 Mitarbeitern. Der gesamte Konzern, der 2013 einen Jahresumsatz von 2,6 Milliarden EUR verzeichnen konnte, beschäftigt 2.200 Angestellte.

Pieter Wolleswinkel weist darauf hin, dass es nur wenige internationale Futterfirmen in Deutschland gibt. „Das ist ein ganz klarer Vorteil für uns. Wir können die Innovation von mehreren Ländern anbieten. Aber es ist auch wichtig, genau hinzugucken, wie es in Deutschland geht. Es wäre ein Fehler, es einfach so zu machen, wie in anderen Ländern, aber wir finden auch andere Lösungen, als die lokalen Unternehmen.“

Kommunikation mit Kunden

ForFarmers ist gerne bereit, sein Wissen mit den Kunden zu teilen. Das eigene Magazin Futterpost erscheint viermal im Jahr. Auch auf Messen wie der Eurotier 2014 und der Agrartage in Münster ist das Unternehmen präsent. Zudem bietet es regelmäßig Workshops an.

„In dieser Woche hatten wir vier Workshops im Westen Deutschlands für Milchroboterbetriebe für 160 Teilnehmer“, offenbart Pieter Wolleswinkel. Neue Kommunikationskanäle wie E-Newsletter und die eigene Webseite werden gleichsam intensiv genutzt. „Die digitale Welt hat die Kommunikation verändert“, bemerkt Pieter Wolleswinkel. „Die Landwirte fangen an, Social Media zu nutzen und ihre Bestellungen per Whatsapp aufzugeben. Da gehen wir mit, ganz klar. Als großer Konzern können wir hier eine leitende Rolle einnehmen.“

Zielorientiertes Arbeiten

Intern legt ForFarmers großen Wert auf Fachkompetenz. „Wir investieren viel in unsere Mitarbeiter, schulen und fördern, damit sie zufrieden sind“, betont Pieter Wolleswinkel. „Wir erwarten von ihnen vor allem Ambition, dass sie zielorientiert arbeiten, sich auf die Ergebnisse fokussieren und jeden Tag die Leistung verbessern. Dafür bieten wir nicht nur einen Job, sondern eine Laufbahn.“

Soziale Verantwortlichkeit findet sich auf jeder Ebene der Firma. Auch der Umweltgedanke spielt eine wichtige Rolle. „Wir glauben, dass wir als Unternehmer in eine strategische Richtung mitgehen und langfristig Vorteile daraus haben, wenn die Produkte die richtige Herkunft haben“, sagt Pieter Wolleswinkel. So verringert die Firma jedes Jahr die Höhe der Energienutzung und den Spritverbrauch des großen Fuhrparks.

Stetiges Wachstum

In naher Zukunft plant ForFarmers, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen und sich zu vergrößern. „Wir schauen uns gerade weitere potenzielle Übernahmen an“, verrät Pieter Wolleswinkel. „Und wir wollen unser Tagesgeschäft verbessern und eine stärkere Position im Markt erreichen.“ Dieser verändert sich gerade für das Unternehmen sehr positiv. „Die Landwirte werden immer größer“, stellt Pieter Wolleswinkel fest. „Das ist ein Vorteil für uns, denn dadurch wächst auch die Nachfrage nach professioneller Unterstützung.“

Aber es gibt auch Aspekte, die selbst für ein Unternehmen wie ForFarmers eine Herausforderung darstellen. „Der Markt entwickelt sich sehr schnell“, meint Pieter Wolleswinkel. „Die Nutzung von Rohwaren, neue Maßnahmen, Umwelt und so weiter. Deswegen müssen wir sehr offen und flexibel aufgestellt sein. Es ist eine harte, aber schöne Herausforderung.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Zwischen Verbrenner-Aus und  Technologieoffenheit

Interview mit Rudolf Becker, Geschäftsführer und Marvin Becker, Betriebsleiter der IVP IAVF-Volke Prüfzentrum für Antriebssysteme GmbH

Zwischen Verbrenner-Aus und Technologieoffenheit

Die Automobilindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel: Elektrifizierung, neue Emissionsvorgaben und politische Unsicherheiten prägen die Entwicklung. Für Prüfdienstleister bedeutet das nicht nur neue Anforderungen, sondern auch strategische Neuausrichtungen. Die…

„Wir wollen mit dem Kunden  verdienen, nicht an ihm!“

Interview mit Jörg Wiechmann, Vorstandsvorsitzender der TOP Vermögensverwaltung AG

„Wir wollen mit dem Kunden verdienen, nicht an ihm!“

Seit über 30 Jahren steht die TOP Vermögensverwaltung mit ihren drei Aktien- und Anleihefonds für ein nachhaltiges, aktives Asset Management. Ziel: den Anlegern insbesondere in Krisenzeiten ein sicheres Gefühl geben.…

„Wir wollen unternehmerische Handlungsfähigkeit sichern!“

Interview mit Alina Nauen, Geschäftsführerin der torq.partners Finance GmbH

„Wir wollen unternehmerische Handlungsfähigkeit sichern!“

Sowohl Start-ups als auch mittelständische Unternehmen benötigen bei der Erschließung neuer Kapitalquellen, etwa durch Venture Capital-Investoren, oftmals Unterstützung bei der Professionalisierung ihrer Finance-Strukturen: An dieser Stelle kann torq.partners auf jahrelange…

Spannendes aus der Region Landkreis Vechta

Vom Einmannbetrieb zur ­Serienfertigung

Interview mit Günter Peters, Geschäftsführer der Peters Maschinenbau GmbH & Co. KG

Vom Einmannbetrieb zur ­Serienfertigung

Fachkräftemangel, steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und der Trend zur Automatisierung stellen die industrielle Fertigung vor neue Aufgaben. Die Peters Maschinenbau GmbH & Co. KG reagiert darauf mit hoher Fertigungstiefe, digitalen…

Beton nach Maß

Interview mit Stephan Radtke, kaufmännischer Geschäftsführer der DUHA Betonfertigteile GmbH

Beton nach Maß

Beton ist vielseitig einsetzbar, formbar, stabil, langlebig, druckfest und auf lange Sicht wirtschaftlich. Gleichzeitig ist seine Herstellung energieintensiv und verursacht nicht unerhebliche Mengen an CO2-Emissionen. Die DUHA Betonfertigteile GmbH aus…

Mehr Sicherheit für die Landwirtschaft

Interview mit Harald Frilling Geschäftsführer über die ISW Versicherungsmakler GmbH

Mehr Sicherheit für die Landwirtschaft

Die Landwirtschaft gehört zu den wirtschaftlich und politisch am stärksten regulierten Branchen in Deutschland. Steigende Anforderungen, volatile Märkte und zunehmende Risiken stellen Betriebe wie Dienstleister gleichermaßen vor Herausforderungen. Umso wichtiger…

Das könnte Sie auch interessieren

Café-Kultur trifft Backstube

Interview mit Gürol Gür, Geschäftsführer der Schanzenbäckerei GmbH

Café-Kultur trifft Backstube

Das Bäckerhandwerk steht unter hohem Veränderungsdruck: Hohe Energie- und Rohstoffkosten, steigende Löhne, Ansprüche an Sortiment und Service sowie der Fachkräftemangel zwingen Betriebe dazu, ihre Strukturen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig bleibt der…

Die Formel für flüssigen Erfolg

Interview mit Guido Kühne, Geschäftsführer der Refresco Deutschland GmbH

Die Formel für flüssigen Erfolg

Der deutsche Getränkemarkt gilt als anspruchsvoll: hoher Kostendruck, steigende Anforderungen an Effizienz und Nachhaltigkeit, zugleich ein intensiver Wettbewerb. Dass sich in diesem Umfeld dennoch Wachstum erzielen lässt, zeigt die Refresco…

„Inzwischen sind wir nicht nur eine Marke, sondern ein Qualitätssiegel!“

Interview mit Roman Kowalew, Senior Brand Manager der DOVGAN GmbH

„Inzwischen sind wir nicht nur eine Marke, sondern ein Qualitätssiegel!“

Ethnowochen stehen in deutschen Supermärkten und Discountern hoch im Kurs: Osteuropäische Produkte haben es den Verbrauchern inzwischen besonders angetan – die Paradedisziplin der DOVGAN GmbH, die seit fast 30 Jahren…

TOP