„Ohne Mikrodosierung könnte kein Smartphone gebaut werden“

Interview mit Kaoru Okuyama Geschäftsführer der Musashi Engineering Europe GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Okuyama, seit 1978 tritt Musashi Engineering als Experte für Mikrodosierungsverfahren im Markt auf – in welchen Anwendungsfeldern kommt Ihre Technologie zum Einsatz? 

Kaoru Okuyama: Wir bewegen uns in einer hochspezifischen Nische, die zugleich jedoch vielfache Einsatzzwecke kennt: Einer der wichtigsten und wachstumsstärksten liegt beispielsweise in der Herstellung von Smartphones – denn diese bestehen aus derart vielen höchst filigranen Einzelteilen, dass sie nicht durch Schrauben miteinander verbunden werden können. Um sie dennoch stabil zusammenzufügen, muss man einen Spezialkleber auf die entsprechenden Komponenten auftragen, und zwar in einer Größenordnung von wenigen Nanolitern – einem Millionstel eines Milliliters! Dazu sind wahre ingenieurwissenschaftliche Meisterleistungen erforderlich, in die hochspezifische Fachkenntnisse aus der Physik, Chemie und Elektrotechnik einfließen. Bei derart diffizilen, filigranen Verfahren unterstützen wir unsere Kunden nun schon seit über 40 Jahren und konnten dank unseres umfassenden Know-how zu einem der drei wichtigsten Player in der Mikrodosierung weltweit avancieren. 

Wirtschaftsforum: Die Smartphone-Herstellung erfolgt fast ausschließlich in asiatischen Ländern – in welchen Anwendungsfeldern kommt Ihre Technologie in Europa zum Einsatz? 

Kaoru Okuyama: Hierzulande sind wir sehr stark im Automotive-Segment vertreten und können vor allem bei den vielfältigen He-rausforderungen unterstützen, die bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen auftreten: etwa durch die zunehmende Verschmelzung des Motorsteuergeräts mit anderen Steuergeräten hin zu einem holistischen System, das verlässlich vor der Wärme geschützt werden muss, die die Batterie erzeugt. Die hierbei verbauten Einheiten sind ebenfalls sehr klein, sodass auch in diesem Kontext Spezialkleber zur Verbindung der einzelnen Komponenten eingesetzt werden muss, der nur über Mikrodosierungsverfahren aufgetragen werden kann. Gleiches gilt für die umfangreiche Sensortechnik, mit der moderne Fahrzeuge gemeinhin ausgestattet sind – etwa Bremssensoren, Abstandsmesser oder Kameras für die LiDAR-Systeme. Auch diese Bauteile sind viel zu klein und fili-gran, als dass sie miteinander verschraubt werden könnten. Gleichzeitig steigt die schiere Anzahl der in den Fahrzeugen verbauten Sensoren massiv an, weshalb die großen Tier-1- und Tier-2-Hersteller längst zu einer diffizil austarierten Massenproduktion übergegangen sind: Somit ist die Verlässlichkeit unserer Mikrodosierungssysteme in diesem Kontext besonders entscheidend, um auch unter diesen komplexen Rahmenbedingungen nahtlose Fertigungsprozesse zu ermöglichen. 
 

Wirtschaftsforum: Und jenseits des Automotive-Segments? 

Kaoru Okuyama: Musashi Engineering unterstützt besonders gern bei komplexen Produkt-anforderungen – etwa bei der Herstellung und dem Einbau von Leiterplatten. Werden diese in Anlagen verbaut, die starken Vibrationen oder hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sind, müssen sie mithilfe einer Spezialbeschichtung vor diesen abträglichen äußeren Einwirkungen geschützt werden. Diese kann wiederum nur durch Mikrodosierungsverfahren aufgetragen werden. Ein starkes Wachstumsfeld für unser Unternehmen stellt zudem das Medtech-Segment dar, wo unsere Technologie bei der Herstellung von Blutdruckmessgeräten, Smart Watches, künstlichen Gelenken oder auch Herzschrittmachern eingesetzt wird – höchst sensiblen Produkten also, die mitunter in den menschlichen Körper eingepflanzt werden, wo sie fehlerfrei ihren Dienst verrichten müssen. Dazu ist auch bei unseren Verfahren allerhöchste Präzision erforderlich, die wir verlässlich garantieren können. 
 

Wirtschaftsforum: Es heißt, Musashi Engineering habe schon vor 40 Jahren eine wichtige Rolle beim Siegeszug des Walkmans gespielt. 

Kaoru Okuyama: Wir haben kontinuierlich zur technologischen Innovation im Bereich der Miniaturisierung beigetragen – etwa bei Halbleiter-ICs oder Konsumgütern wie tragbaren Playern, Smartphones und Ähnlichem. Als mittelständisches japanisches Unternehmen hängen wir das aber nicht so gern an die große Glocke. Wir bleiben lieber im Hintergrund und treiben dort konsequent Innovationen in allen Anwendungsfeldern voran, in denen unsere Technologie zum Einsatz kommt: Der Walkman hat die Musikindustrie revolutioniert, und das Smartphone hat radikal verändert, wie Menschen auf der ganzen Welt arbeiten, miteinander kommunizieren und Informationen aufnehmen. Wir freuen uns, an diesen Entwicklungen Anteil haben zu dürfen. 

Wirtschaftsforum: Ist der deutsche Markt für ein japanisches Unternehmen besonders schwierig? 

Kaoru Okuyama: Ganz im Gegenteil: Denn Deutschland und Japan zeichnen sich beide durch eine starke Ingenieurkultur und eine große Achtung vor hochtechnologischen Errungenschaften aus. Es kommt nicht von ungefähr, dass viele japanische Unternehmen tief in die Wertschöpfungsketten ihrer deutschen Kunden integriert sind – und Gleiches gilt für deutsche Player in meiner japanischen Heimat. 

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