Der Berater im Vordergrund

Interview mit Hans Heinrich Meller, Generalbevollmächtigter der FiNUM.Private Finance AG

Hans Heinrich Meller ist einer der Menschen, die sich ihren eigenen Lebensweg gesteckt haben. Aufgewachsen auf dem elterlichen Bauernhof hat er ursprünglich Landwirtschaft gelernt, sich aber dann für eine Bankenlehre entschieden. „Das hat mir einfach Spaß gemacht“, offenbart er.

Hans Heinrich Meller ging dann 1991 zur Vermögensberatungsgesellschaft der Dresdener Bank, damals das erste Private Banking innerhalb einer Großbank. „Als dieser Bereich aufgegeben wurde, haben wir es eben selbst gemacht“, erklärt er. „Die JDC Group hat uns übernommen und wir haben uns in FiNUM umfirmiert.“

Er selbst war von Anfang an dabei, immer in Führungspositionen. Inzwischen ist der 58-jährige als Generalbevollmächtigter tätig. „Mein landwirtschaftlicher Hintergrund hat mir dabei oft geholfen“, verrät er. „Dadurch konnte ich zu einigen Kunden direkt eine Vertrauensbasis aufbauen.“

Grenzenlose Freiheit

Grundvoraussetzung für Vertrauen ist Unabhängigkeit – und zwar im Sinne von Freiheit – von Absatz- und Verkaufsvorgaben. Da die Firma keine eigenen Produkte anbietet, haben die Kunden mit einem FiNUM-Berater einen Finanzarchitekten an der Hand, der als Generalist alle Produkte völlig neutral am Markt besorgen kann.

„Das geht bis hin zur kompletten Beratungsmandantierung“, erläutert Hans Heinrich Meller. „Wir haben im Versicherungsbereich Zugriff auf jede Versicherung, bei den Wertpapieren auf jede Aktie.“

Für die Kunden gibt es keinerlei Einstiegshürden, Berater und Kunden entscheiden selbst, ob sie Partner werden wollen. „Mindestens plus 100.000 EUR im Jahr und ein freies Vermögen von 250.000 EUR machen jedoch Sinn“, gibt Hans Heinrich Meller zu.

Vorteile für Berater

Auch auf Seiten der Berater hat das Arrangement viele Vorteile, denn er kann freier agieren und verdient deutlich mehr, manchmal sogar das Doppelte. Insgesamt sind 103 Mitarbeiter für FiNUM tätig, die aktiv für eine Milliarde EUR Assets under Management verantwortlich sind, hinzu kommt ein erweitertes Betreuungsvolumen von drei Milliarden Assets under Administration über die Family-Office-Services. Jeder einzelne Berater ist sorgfältig ausgesucht worden.

„Die einzige Möglichkeit, nachhaltig Renditen zu erzielen, liegt heutzutage in Sachwerten, also Aktieninvestments.“ Hans Heinrich MellerGeneralbevollmächtigter
Hans Heinrich Meller

Vor dreieinhalb Jahren hat FiNUM eine Wachstumsstrategie erstellt, in deren Rahmen aktiv um Berater geworben wurde. „Das ist der härteste Job, den ich je in meinem Leben gemacht habe“, meint Hans Heinrich Meller. „Wir haben 500 persönliche Gespräche geführt. Daraus sind dann 30 Berater gekommen.“

Gewöhnlich sind diese Berater eher 50+, denn sie müssen bereits einen festen Kundenstamm haben, den sie dann in ihre Selbstständigkeit mitnehmen können. Hans Heinrich Meller spürt, dass sich der Markt dreht. „Die Banken bieten einfach keinen sicheren Arbeitsplatz mehr“, stellt er fest. „Wir haben zum Beispiel jüngst das gesamte Team der Sparkasse Augsburg gewonnen. In fünf Jahren werden wir mindestens fünfzig Berater mehr sein.“

Ohne Alternativen

Selbstständige Berater sind denselben Regulierungen wie Banken unterworfen. „Es ist aufwändiger geworden und nicht unbedingt besser für den Kunden“, meint Hans Heinrich Meller. „Die Banken nutzen das Thema, um nur noch strukturierte Produkte anzubieten. Wir bieten immer noch eine breite Plattform an.“

Zudem macht die Zinssituation es den klassischen Banken schwer. „Die werden es nicht schaffen, ihre Kostenstrukturen aufrecht zu erhalten“, prophezeit Hans Heinrich Meller. „Personal und Zweigstellen werden abgebaut. Wir haben für 100 Berater ein Backoffice von zehn Leuten. Unseren Bereich der freien Vermögensberatung sehe ich als absolut zukunftsorientiert.“

Er sieht bezüglich Investitionen eine klare Richtung im Markt. „Der Zinsmarkt ist tot“, stellt er fest. „Die meisten Banken machen das Verwahrendgeldthema ab dem ersten Euro. Ich bin sicher, dass es da eine Verschiebung geben wird.“

Er macht für den schlechten Ruf der Aktien vor allem negative Erfahrungen der Anleger in der Vergangenheit verantwortlich, weist aber darauf hin, dass sich die Lage inzwischen geändert hat, und Aktien zur einzigen Alternative geworden sind.

„Ich kann es nur jedem Arbeitnehmer oder Selbstständigen empfehlen“, meint er. „Als ehemaliger Landwirt empfehle ich: Kleinvieh macht auch Mist. Schließen Sie einen Sparvertrag über beispielsweise 100 EUR monatlich ab. So haben Sie über den Zinsenzins-Effekt im Alter eine gute Chance, Ihre Rente signifikant aufzubessern.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Finanzen

„Wir wollen mit dem Kunden  verdienen, nicht an ihm!“

Interview mit Jörg Wiechmann, Vorstandsvorsitzender der TOP Vermögensverwaltung AG

„Wir wollen mit dem Kunden verdienen, nicht an ihm!“

Seit über 30 Jahren steht die TOP Vermögensverwaltung mit ihren drei Aktien- und Anleihefonds für ein nachhaltiges, aktives Asset Management. Ziel: den Anlegern insbesondere in Krisenzeiten ein sicheres Gefühl geben.…

„Wir wollen unternehmerische Handlungsfähigkeit sichern!“

Interview mit Alina Nauen, Geschäftsführerin der torq.partners Finance GmbH

„Wir wollen unternehmerische Handlungsfähigkeit sichern!“

Sowohl Start-ups als auch mittelständische Unternehmen benötigen bei der Erschließung neuer Kapitalquellen, etwa durch Venture Capital-Investoren, oftmals Unterstützung bei der Professionalisierung ihrer Finance-Strukturen: An dieser Stelle kann torq.partners auf jahrelange…

Wenn Rechnungen sich selbst ­bezahlen

Interview mit Axel Rebien, CEO der Serrala Group GmbH

Wenn Rechnungen sich selbst ­bezahlen

Während CFOs noch vor wenigen Jahren mühsam Excel-Tabellen für Liquiditätsplanung füllten, übernehmen heute KI-Agenten die Arbeit. Sie arbeiten autonom, in Echtzeit und, anders als jeder Mensch, fehlerfrei. Das Hamburger Unternehmen…

Spannendes aus der Region Berlin

Verwaltung braucht Bewegung

Interview mit Ralph Naumann, Geschäftsführer der IMTB Consulting GmbH

Verwaltung braucht Bewegung

Fachkräftemangel, Digitalisierung und KI erhöhen den Veränderungsdruck auf die öffentliche Verwaltung. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an moderne, effiziente und verlässliche Strukturen. Doch Modernisierung bedeutet mehr, als bestehende Abläufe einfach digital…

Schritt für Schritt weg vom Fossilen

Interview mit Martin Popp, Geschäftsführer der ViGo Bioenergy GmbH

Schritt für Schritt weg vom Fossilen

Manchmal zeigt sich gerade in der Krise, ob eine Strategie wirklich trägt. Während explodierende Gaspreise viele Marktteilnehmer verunsicherten, hielt die ViGo Bioenergy GmbH aus Berlin am Potenzial von Biomethan fest…

„Wachstum und Kultur sind kein Widerspruch!“

Interview mit Dr. Sven Fürth, CEO der netgo group GmbH

„Wachstum und Kultur sind kein Widerspruch!“

Digitalisierung ist heute weit mehr als Technologie – sie entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Die netgo group mit Sitz in Berlin ist darauf spezialisiert, Kunden auf diesem…

Das könnte Sie auch interessieren

Aus Betroffenen Beteiligte machen

Interview mit Florian Wollner, Geschäftsführer der enve print services GmbH

Aus Betroffenen Beteiligte machen

enve print services aus dem Großraum Augsburg tritt seit vielen Jahren als schlagkräftiger Verpackungspartner für die Brillenindustrie auf. Im Zuge der Übernahme durch VENDO aus Österreich wird sich die grundlegende…

„Die Medikamente kommen aus der Steckdose“

Interview mit Dennis Meyer-Philippi, Co-Founder der tantum sana® GmbH

„Die Medikamente kommen aus der Steckdose“

Als seine Großmutter pflegebedürftig wurde, erlebte Dennis Meyer-Philippi aus nächster Nähe, wie schnell die Medikamentenversorgung zu Hause zur Belastungsprobe wird. Daraus entstand maja sana®: ein digitaler Tablettenspender, der die häusliche…

„Wir haben den Photovoltaik-Investmentmarkt digitalisiert“

Interview mit Andreas Köhler, General Director bei der MTS Solar Portal L.L.C

„Wir haben den Photovoltaik-Investmentmarkt digitalisiert“

Die Energiewende braucht Kapital, Projekte und die richtigen Partner. Genau hier setzt die Milk the Sun an. Das Unternehmen betreibt einen internationalen Marktplatz für Solar­investments und bringt Projektentwickler, Investoren und…

TOP