Digitale Transformation braucht klare Definition

Interview mit Carsten Börner, CEO der enowa AG

Wirtschaftsforum: Herr Börner, was sind die Themen, mit denen sich Unternehmen im Zuge der DT auseinandersetzen müssen?

Carsten Börner: Digitale Transformation ist ein geflügeltes Wort, aber viele Unternehmen können nicht wirklich definieren, was sie darunter verstehen und was sie sich davon versprechen – oft wird dabei nur an Automatisierung gedacht. Natürlich sind für Unternehmen alle SAP-Themen entscheidend, aber mit der Implementierung von Software und der Optimierung von Prozessen allein ist es nicht getan. Man muss die Menschen mitnehmen.

Wirtschaftsforum: Wie meinen Sie das, und wo kommt enowa dabei ins Spiel?

Carsten Börner: Unser Motto ist ‚Enjoy Innovation‘. Man braucht Innovation, um überleben zu können, aber sie ist kein Selbstzweck, sondern für den Menschen da. Wir beraten und unterstützen als Partner von SAP unsere Kunden bei der Implementierung der notwendigen Software. Aber wir lassen sie mit den damit verbundenen Umstrukturierungsprozessen eben auch nicht allein, sondern nehmen sie mit, indem wir zusätzlich Leistungen wie Digitales Training und Weiterbildung, Change-Management und Kommunikationsdesign anbieten. Unsere Aufgabe ist es, in einem Unternehmen alle Parteien und deren oftmals unterschiedliche Vorstellungen an einen Tisch zu bringen und die Erwartungen den tatsächlichen Notwendigkeiten gegenüberzustellen.

Wirtschaftsforum: Sie haben enowa 2002 gegründet und zunächst hauptsächlich Industrieunternehmen beraten. Inzwischen sind Sie auch für die Versicherungsbranche tätig – was macht diesen Bereich für Sie interessant?

Carsten Börner: Der Industriebereich ist mit 60% des Geschäftsvolumens noch immer unser Kernbereich, in dem wir sehr viel Erfahrung und den großen Vorteil haben, industrielles und technologisches Know-how zu vereinen. Die großen Versicherer haben hingegen meist eigene IT-Systeme, aber der Grad der Digitalisierung ist noch nicht so hoch. Die Notwendigkeit technischen Fortschritts ist daher groß, und auch hier treibt IT die Veränderungen voran.

Carsten Börner
„Hinsichtlich der Internationalisierung bieten wir dasselbe wie die Großen, nur schneller und unmittelbarer.“ Carsten BörnerCEO

Wirtschaftsforum: Seit 2003 ist enowa in den USA, seit 2010 auch in China vertreten. Welche Meilensteine gab es auf dem Weg dorthin?

Carsten Börner: Mit der Beteiligung an der insert GmbH 2006 konnten wir zusätzliche SAP-Expertise gewinnen; 2010 übernahmen wir mit der nobisCum AG einen führenden Beratungsdienstleister im Komposit-Versicherungsbereich und mit der DATI Hamburg GmbH kam 2015 Know-how im Personen- und Schadensversicherungsbereich hinzu. Seitdem sind all diese Unternehmen unter dem Dach der enowa AG vereint.

Wirtschaftsforum: In welcher Position sehen Sie sich heute im internationalen Markt?

Carsten Börner: Im Markt gibt es fünf, sechs große Anbieter und sehr viele kleine; mit 10 bis 15% jährlichem Wachstum halten wir eine mittlere Position und sind mit 200 Mitarbeitern in Europa und 100 in den USA auch ein mittelständisches Unternehmen. Hinsichtlich der Internationalisierung bieten wir dasselbe wie die Großen, nur schneller und unmittelbarer. Mittelständisch sind wir, was Struktur und Organisation betrifft: kurze Wege, hohe Spezialisierung.

Wirtschaftsforum: Sagen Sie uns zum Schluss noch, was Sie als Grundlage für den Erfolg von enowa betrachten?

Carsten Börner: Das ist ganz einfach: Die richtigen Menschen auf den richtigen Positionen. Denn digital wird analog entschieden.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Café-Kultur trifft Backstube

Interview mit Gürol Gür, Geschäftsführer der Schanzenbäckerei GmbH

Café-Kultur trifft Backstube

Das Bäckerhandwerk steht unter hohem Veränderungsdruck: Hohe Energie- und Rohstoffkosten, steigende Löhne, Ansprüche an Sortiment und Service sowie der Fachkräftemangel zwingen Betriebe dazu, ihre Strukturen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig bleibt der…

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Interview mit Dr.-Ing. Ansgar Kaupp, CEO und Partner der EyeC GmbH

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Fehlerhafte Verpackungen können Millionen kosten – durch Rückrufe, Lieferengpässe oder regulatorische Folgen. Genau hier setzt die EyeC GmbH mit intelligenten Inspektionssystemen an, die Druckbilder, Barcodes und selbst Brailleschrift zuverlässig prüfen.…

Hightech-Medizin, die Hoffnung macht

Interview mit Ciril Faia, CEO Curium International

Hightech-Medizin, die Hoffnung macht

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Laut Robert-Koch-Institut erkranken in Deutschland jährlich knapp 80.000 Männer neu daran. Bei einer Früherkennung sind die Heilungschancen sehr gut. In Deutschland hat Curium…

Spannendes aus der Region Landkreis Würzburg

„Wir gehen mit dem Geld der Bauherren um, als wäre es unser eigenes“

Interview mit Ralph Donnermann, Gründer und Inhaber der Donnermann & Partner GmbH

„Wir gehen mit dem Geld der Bauherren um, als wäre es unser eigenes“

Seit 30 Jahren will Ralph Donnermann mit seinem Team stets die preisgünstigste Lösung für die Gewerbeimmobilien seiner Kunden finden, zu denen namhafte Einkaufsverbände und Industrieunternehmen in ganz Deutschland zählen. Mit…

Nachhaltig bauen, klar führen

Interview mit Wolfgang Rosentritt, Geschäftsführer ROSENTRITT

Nachhaltig bauen, klar führen

Der Immobilienmarkt in Deutschland erlebt derzeit seine wohl tiefgreifendste Transformation seit Jahrzehnten: gestiegene Zinsen, Baukosten auf Rekordniveau und Käufer, die sich zurückhalten. Während viele Entwickler Projekte pausieren, geht ROSENTRITT einen…

Maßangefertigte Premium-Teppiche für die ganze Welt

Interview mit Thomas Paulig, Geschäftsführer und Theresa Paulig, Geschäftsführerin der Paulig Teppichweberei GmbH

Maßangefertigte Premium-Teppiche für die ganze Welt

Wer an individuell angefertigte Premium-Teppiche denkt, dem soll zuerst der Name Paulig einfallen. Dank einer fast 300 Jahre währenden Unternehmenstradition ist das im deutschsprachigen Raum schon vielfach der Fall: Nun…

Das könnte Sie auch interessieren

Von Rügen in die Welt: Breit­band für ländliche Regionen

Interview mit Rolf Hoffmann, geschäftsführender Gesellschafter der Kabel + Satellit Bergen Kommunikationstechnik GmbH

Von Rügen in die Welt: Breit­band für ländliche Regionen

Die Kabel + Satellit Bergen Kommunikationstechnik GmbH auf der Insel Rügen ist ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Entwicklung von Kommunikationsinfrastruktur in Deutschland. Mit einem klaren Fokus auf technologische Innovation und…

Den Schmerz bei der IT-Qualitätsprüfung lindern

Interview mit Stefan Gogoll, CEO der aqua cloud GmbH

Den Schmerz bei der IT-Qualitätsprüfung lindern

„No pain, no gain“ – dieses bekannte Sprichwort aus dem Sport gilt nicht nur für das Training, sondern auch für den Geschäftsalltag. Stefan Gogoll, CEO der aqua cloud GmbH, hat…

Im Herzen Mensch, im Kopf Cloud

Interview mit Jens Dreger, Mitglied Management Team teccle group

Im Herzen Mensch, im Kopf Cloud

Die Digitalisierung ist längst kein abstraktes Zukunftsthema mehr, sondern tägliche Realität – und Herausforderung – für Unternehmen jeder Größe. IT muss funktionieren, sicher sein und sich der stetigen Veränderung anpassen.…

TOP