Ideen, die kleben bleiben

Interview mit Bernhard Sürth, Managing Director Dymax Europe und Virginia Hogan, Global Business Development Senior Manager der Dymax Corporation

Wirtschaftsforum: Frau Hogan, Dymax gilt im Markt als Experte für innovative lichthärtende Materialien – und noch deutlich mehr. 

Virginia Hogan: Wir sehen uns tatsächlich nicht in erster Linie als Hersteller von Klebesystemen, sondern vielmehr als versierter Anbieter von Komplettlösungen. Insofern entwickeln wir nicht nur spezifische Produkte für die individuellen Herausforderungen unserer Kunden, sondern wir durchdenken gleichermaßen intensiv ihre konkreten Prozesse und diffizilen Anforderungen. 

Wirtschaftsforum: Ihre Lösungen kommen dabei in verschiedensten Bereichen zum Einsatz. 

Virginia Hogan: Dort sind sie zwar unersetzlich, stehen aber bei den Produktentwicklern oder den späteren Anwendern oftmals nicht im Fokus der Aufmerksamkeit. Denken Sie etwa an eine medizinische Spritze, deren Nadel sicher mit der Kanüle verbunden werden muss, oder an ein modernes Auto, das im Regelfall mit über 100 verschiedenen Sensoren ausgestattet ist, die vielfach mit komplexen Klebstofflösungen an die einzelnen Komponenten angebracht werden. Ähnlich hohe Anforderungen herrschen in der Luftfahrtindustrie, wo etwa bei der Wartung von Flugzeugen sensible Teile des Rumpfes abgedeckt werden müssen, damit sie bei bestimmten Behandlungsverfahren ausgespart bleiben – auch die dazu verwendeten Maskierungsmaterialien stammen aus unserer Produktion. 

Wirtschaftsforum: Wie gelingt es Ihrem Unternehmen, diese enorme Branchenvielfalt im Tagesgeschäft so effektiv zu bespielen? 

Virginia Hogan: In meiner Funktion im Business Development beschäftige ich mich damit, zukünftige Anforderungen unserer Zielbranchen frühzeitig zu identifizieren. Da die Entwicklung neuer Materialien aufgrund umfangreicher Prüf- und Zulassungsverfahren ein bis zwei Jahre dauern kann, müssen wir bereits heute Lösungen für die Anforderungen von morgen entwickeln. Glücklicherweise sind wir bestens mit den einzelnen Branchen vernetzt – der Luft- und Raumfahrtindustrie, der Energiewirtschaft, der Medizintechnik sowie dem ständig wachsenden Markt für Rechenzentren –, um frühzeitig die Pain Points unserer Kunden zu identifizieren. Dabei steht für uns immer die Frage im Mittelpunkt, wie wir unsere Kunden dabei unterstützen können, ihre Fertigungsprozesse noch effizienter zu gestalten. Gleichzeitig stellen wir höchste Ansprüche an uns selbst. So haben wir uns bereits einmal dafür entschuldigt, dass der Aushärtungsprozess bei einem bestimmten Klebeverfahren geschlagene 15 Sekunden dauern würde. Unser Kunde hat dann nur gelacht und gesagt, dass man bei einem alternativen Prozess von mehreren Stunden ausgegangen wäre. 

Wirtschaftsforum: Wie treten Sie in den einzelnen Märkten auf? 

Virginia Hogan: Wir müssen flexibel sein und mit allen Marktteilnehmern zusammenarbeiten, sei es in etablierten Zielmärkten wie der Automobil- und Elektronikindustrie oder in jungen Branchen wie der Elektromobilität vor 15 Jahren. 
Damals haben sich dort noch viel mehr Unternehmen engagiert; inzwischen hat jedoch eine deutliche Konsolidierung stattgefunden. Gut möglich, dass das auch bei Flugtaxifirmen und den Betreibern von Rechenzentren der Fall sein wird, mit denen wir heute schon zusammenarbeiten. 

Wirtschaftsforum: Wo liegen derweil die aktuellen Prioritäten von Dymax in Europa? 

Bernhard Sürth: Grundsätzlich sieht sich Dymax als global agierendes Familienunternehmen. Gleichzeitig ist die ganze Welt von intensiven makroökonomischen Verwerfungen betroffen. Ein wichtiger Grund für unsere erwiesene Resilienz liegt dabei in unseren tiefen weltumspannenden Supply Chains, worauf wir schon in der Coronapandemie nachhaltig aufbauen konnten. Damals standen viele Wettbewerber mit einer geringeren Fertigungstiefe vor Lieferproblemen, während die Situation für uns noch gut beherrschbar war. Doch unsere Kunden profitieren noch viel weitreichender von unserem globalen Footprint, denn viele von ihnen sind ebenfalls weltweit aktiv und betreiben Entwicklungs- und Fertigungsstandorte in verschiedensten Regionen. Dymax begleitet sie buchstäblich überall: von der Ausarbeitung einer neuen Lösung bis hin zu ihrer Implementierung und dem anschließenden Support – als Teil eines Netzwerks, in dem sich jeder mit jedem austauschen kann. So entsteht nicht nur ein ungeheuer effektiver Wissensaustausch, sondern eine wirklich starke, produktive Dynamik. 

Wirtschaftsforum: Welche Impulse haben Sie dabei in letzter Zeit umgesetzt? 

Bernhard Sürth: In Deutschland haben wir unsere Fertigungskapazitäten noch einmal deutlich erweitert und unsere Produktionsflächen in diesem Zuge nahezu verdoppelt. So wollen wir uns mit einer noch stärkeren Präsenz in Europa noch stringenter auf die lokalen Anforderungen unserer Kunden einstellen können. Das ist auch vor dem Hintergrund der strengen regulatorischen Anforderungen bedeutsam, die vor allem für die Medizintechnik gelten, ein Marktfeld, in dem wir in Europa besonders stark sind. Aber auch in anderen Weltregionen sehen wir großes Wachstums­potenzial: So haben wir kürzlich ein neues Distributionszentrum in Mexiko eröffnet, von dem aus wir auch den zentralamerikanischen Markt stärker bedienen können. 

Wirtschaftsforum: Was fasziniert Sie persönlich an Dymax? 

Virginia Hogan: Ich bin schon seit 24 Jahren im Unternehmen tätig und habe in dieser Zeit ein beeindruckendes Wachstum miterlebt. Warum ich nie gewechselt bin? Vermutlich, weil ich die Möglichkeit hatte, fünf oder sechs verschiedene Rollen zu übernehmen und mich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Besonders stolz bin ich darauf, dass mir die Eigentümer das Vertrauen geschenkt haben, ein völlig neues Segment innerhalb unserer Luft- und Raumfahrtabteilung aufzubauen. Daraus ist ein erfolgreiches Geschäftsfeld entstanden, das bis heute einen wichtigen Beitrag zu unserem Wachstum leistet. 

Bernhard Sürth: Mich motiviert vor allem die Möglichkeit, ein erfolgreiches, familiengeführtes Unternehmen weiterzuentwickeln. Für mich ist Dymax ein Unternehmen, dessen Erfolg auf technischem Know-how, starken Produkten und deren Anwendung beim Kunden basiert. Mein persönlicher Antrieb ist es, die passenden Strukturen zu schaffen, um dieses Wachstum nachhaltig zu unterstützen. Das reicht von Prozessen über die Lieferkette bis hin zu einer professionellen Organisation. Besonders spannend finde ich es, organisatorische Veränderungen voranzutreiben und zu sehen, wie daraus nachhaltige Verbesserungen in der Leistungsfähigkeit des Unternehmens, unseren Prozessen und den relevanten Kennzahlen entstehen.

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