Wenn Sicherheit im Detail steckt

Interview mit Clas Schmitz, Geschäftsführer der Pfaudler interseal GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schmitz, warum spielt Dichtungstechnik insbesondere in der Pharma- und Chemieindustrie eine solch zen­trale Rolle?

Clas Schmitz: In diesen Industrien geht es um hochsensible Prozesse, bei denen selbst kleinste Verunreinigungen gravierende Folgen haben können – im schlimmsten Fall für ganze Produktionschargen und die Patientensicherheit. Dichtungen sind dabei ein entscheidendes Bauteil, weil sie bewegliche Systeme wie Rührwerke zuverlässig abdichten müssen. Klassische Lösungen arbeiten häufig mit Sperrmedien wie Ölen oder Flüssigkeiten, die in das Produkt gelangen können. Genau hier setzt unsere Technologie an: Wir vermeiden diese potenziellen Kontaminationsquellen. Grundsätzlich gilt das auch für andere Branchen, zum Beispiel die Lebensmittelindustrie. Dort sind die Anforderungen ebenfalls hoch und streng reguliert, werden aber oft anders bewertet als in der Pharmaindustrie, wo jede Abweichung unmittelbar kritisch ist.

Wirtschaftsforum: Ihr Unternehmen gilt als weltweit führend in diesem Bereich. Wie hat sich diese Position entwickelt?

Clas Schmitz: Die Grundlage wurde 1983 gelegt, als mein Vater interseal gründete – mit der Idee, eine Alternative zur klassischen Gleitringdichtung zu schaffen. Ich bin 2000 eingestiegen, damals waren wir ein Zwei-Mann-Unternehmen. In den folgenden Jahren haben wir Produkte standardisiert, Strukturen aufgebaut und Märkte erschlossen. 2009 kam mit der Swarovski-Familie ein strategischer Partner hinzu, der uns neue Möglichkeiten eröffnete, insbesondere bei der Internationalisierung. 2017 wurden wir Teil der Pfaudler-Gruppe – ein entscheidender Schritt in der Entwicklung vom familiengeprägten Unternehmen hin zu einer internationalen Struktur.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Gruppenzugehörigkeit für Ihr Unternehmen?

Clas Schmitz: Eine sehr große. Wir profitieren von einem internationalen Netzwerk, von etablierten Vertriebskanälen und vor allem von globalen Servicestrukturen. Service ist in der Dichtungstechnik ein entscheidender Faktor, weil jede Dichtung einem Verschleiß unterliegt. Dank der Zugehörigkeit zur Pfaudler-Gruppe können wir unsere Kunden weltweit begleiten und durch lokale Servicepunkte sehr schnell unterstützen – im Idealfall rund um die Uhr. Gleichzeitig haben wir unsere unternehmerische Eigenständigkeit und Kultur bewahrt, was für uns sehr wichtig ist.

Wirtschaftsforum: Was macht Ihre Lösungen technologisch so besonders, und wie gelingt es Ihnen, diese in einem eher konservativen Markt zu etablieren?

Clas Schmitz: Wir entwickeln Dichtungslösungen für anspruchsvolle Anwendungen, wobei je nach Prozess unterschiedliche Technologien zum Einsatz kommen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf unserer trockenlaufenden Wellendichtung dry9000®, die produktseitige Einflüsse minimiert und gleichzeitig Energieeinsatz und Systemkomplexität reduziert. Gleichzeitig ist diese Dichtung in der Lage, die typischen Taumelbewegungen von Wellen zuverlässig aufzunehmen – technisch eine große Herausforderung. Damit wird aus einem oft unterschätzten Bauteil ein echter Erfolgsfaktor. Die Etablierung im Markt erfordert besondere Sorgfalt. Unsere Kunden tragen enorme Verantwortung, etwa in der Insulin- oder Blutplasma-Produktion. Deshalb braucht es intensive technische Beratung, Vertrauen und oft einen langen Atem. Wenn sich die Vorteile in der Praxis zeigen, sprechen sich erfolgreiche Anwendungen schnell herum.

Wirtschaftsforum: Neben Qualität und Sicherheit gewinnt auch Nachhaltigkeit an Bedeutung. Welche Rolle spielt Ihre Technologie hier?

Clas Schmitz: Eine größere, als man zunächst vermuten würde. Klassische Dichtungssysteme benötigen zusätzliche Aggregate wie Pumpen oder Temperiersysteme, die Energie verbrauchen. Unsere Technologie kommt ohne diese aus, wodurch Energiebedarf und CO2-Fußabdruck beim Betreiber sinken. Nachhaltigkeit ist bei uns kein Zusatzargument, sondern ein technischer Effekt unserer Lösungen. In Zeiten steigender Energiepreise gewinnt dieser Aspekt weiter an Bedeutung.

Wirtschaftsforum: Wohin geht die Reise in den kommenden Jahren?

Clas Schmitz: Unser Ziel ist es, die Marktdurchdringung weiter zu erhöhen und die Vorteile unserer Technologie breiter nutzbar zu machen. Dafür setzen wir auf eine gezielte Produktdiversifizierung, um auch preissensiblere Anwendungen anzusprechen. Gleichzeitig erschließen wir neue Branchen wie die Lebensmittelindustrie, auch wenn dort die Einstiegshürden für High-End-Lösungen höher sind. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau unseres Teams. Wir brauchen motivierte Fachkräfte, die bereit sind, sich in diese komplexe Technologie einzuarbeiten. Zudem werden wir künstliche Intelligenz nutzen, um Prozesse effizienter zu gestalten und Wissen schneller verfügbar zu machen – auch wenn die technische Expertise des Menschen weiterhin entscheidend bleibt.

 

Die Grafik zeigt innovative Dichtungstechnologie: Die trockenlaufende Wellendichtung dry9000® wurde für anspruchsvolle Anwendungen entwickelt, in denen höchste Anforderungen an Prozesssicherheit und Produktreinheit gelten; sie minimiert durch den Verzicht auf zusätzliche Sperrmedien produktseitige Einflüsse und trägt bei reduziertem Energiebedarf sowie geringerer Systemkomplexität zu stabilen, effizienten und sicheren Produktionsprozessen bei

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