Wo aus Häusern Lebens(t)räume werden

Interview mit Vera Thomann, Geschäftsführerin der Doser + Partner Baugesellschaft mbH

Wirtschaftsforum: Frau Thomann, seit über 36 Jahren tritt Doser + Partner an, Lebens(t)räume mit Bestand zu entwickeln – an welcher Stelle engagieren Sie sich dabei genau?

Vera Thomann: Grundsätzlich umfasst unser Leistungsspektrum drei zentrale Säulen, beginnend mit der Haltung von Bestandsimmobilien und der klassischen Mietwohnverwaltung, worauf in den letzten Jahren auch klar unser Fokus lag. Denn aufgrund der allgemeinen He­rausforderungen im Markt waren der Weiterentwicklung unseres Projektgeschäfts und unserer Tätigkeit als Bauträger gewisse Grenzen gesetzt. Schon während der Coronapandemie bekamen wir große Verwerfungen zu spüren, etwa als Glas- und Stahlpreise bisweilen nur noch tagesaktuell galten, was in einem laufenden Bauvorhaben natürlich die Kalkulation deutlich erschwerte. Die immer höheren energetischen Anforderungen verteuern Neubauvorhaben neben den ohnehin gestiegenen Kapitalkosten natürlich noch einmal zusätzlich.

Wirtschaftsforum: Wie sondieren Sie Objekte, die für Doser + Partner interessant sein könnten?

Vera Thomann: Wir bewegen uns vornehmlich in einem Spektrum mit Volumina von circa 5 bis 15 Millionen EUR – also einer Größenordnung, die für die meisten institutionellen Anleger zu klein, für private Investoren dagegen vielleicht eine Nummer zu groß ist. Anschließend sanieren und modernisieren wir die entsprechenden Mehrfamilienhäuser sukzessive – meist, wenn die jeweiligen Einheiten frei werden – und teilen sie gegebenenfalls auf, bevor wir sie weiterverkaufen oder fortlaufend in unserem eigenen Bestand halten.

Wirtschaftsforum: Wie reagieren die Menschen vor Ort, wenn Doser + Partner auf den Plan tritt?

Vera Thomann: Meist sind die Mieter sehr froh über unser Engagement. Nicht selten erleben wir, dass in den jeweiligen Objekten vor der Übernahme durch uns Zustände entstanden sind, die so eigentlich nie hätten eintreten dürfen: etwa undichte Dächer, die nur behelfsmäßig abgedichtet worden sind, oder grassierende Schimmelprobleme, die lange Zeit nicht systematisch behoben wurden. Wir sind in der Bodensee­region bekannt als verlässlicher Partner, weil wir stets den Anspruch haben, schnell zu reagieren und unsere Mieter sowie Immobilien professionell zu betreuen. Denn es ist uns allen auch ein persönliches Anliegen, einen bedeutsamen Beitrag dazu zu leisten, dass Menschen nicht nur ein Dach über dem Kopf haben, sondern auch ein komfortables Zuhause finden, in dem sie sich wohlfühlen können.

Wirtschaftsforum: Welche Werte bilden dafür das Fundament?

Vera Thomann: Verlässlichkeit und Transparenz sind aus meiner Erfahrung essenziell. Wir kommunizieren immer klar und offen, auch wenn einmal etwas nicht geht. Wir legen großen Wert darauf, dass Zusagen bei uns gelten – unser Handschlag zählt. Darauf baut sicherlich auch unser langjähriger Erfolg auf – genauso wie auf dem Engagement unserer Mitarbeiter, die wir nicht nur mit Leistungen wie einer privaten Betriebsrente und Krankenzusatzversicherung, sondern auch mit schönen Firmenevents und einer angenehmen Atmosphäre im Unternehmen überzeugen wollen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Digitalisierung in Ihrem Tagesgeschäft?

Vera Thomann: Das ist für uns in vielerlei Hinsicht ein Riesenthema – denn gerade die anfallenden Verwaltungsabläufe wie die Nebenkostenabrechnung konnten so bereits massiv vereinfacht werden. Auch die digitale Begehung von Wohnungen eröffnet uns viele spannende Möglichkeiten, ebenso wie entsprechende Vermessungslösungen: Denn wenn wir ein neues Objekt erwerben, stehen uns vielfach gar keine oder nur unzureichende Pläne zur Verfügung. Ein entsprechendes Vermessungsunternehmen kann uns oft schon innerhalb eines Tages einen Grundriss erstellen, auf dessen Basis wir dann die jeweilige Wohnung auch virtuell begehen können, was gerade bei der Planung von Sanierungsarbeiten enorm hilfreich ist.

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie in die Zukunft?

Vera Thomann: Gerade bei uns in der Bodenseeregion sehen wir uns mit einem extrem hohen Bedarf an Wohnraum konfrontiert. Diese Nachfrage möchten wir auch künftig mit qualitativ hochwertigen Immobilien bedienen.Trotz des angekündigten Bauturbos würden sich alle Marktteilnehmer jedoch noch deutlich mehr Schwung für den Wohnungsbau wünschen. Gerade die bürokratischen Anforderungen bremsen uns dabei aber oft aus. Natürlich haben Umwelt- und Naturschutz unbestreitbar ihre Berechtigung – aber bisweilen fehlt es doch an der Verhältnismäßigkeit, wenn bei der Entstehung von dringend benötigtem Wohnraum mit Behörden nach wie vor über Molche und Fledermauseinflugschneisen diskutiert werden muss. Trotz dieser Schwierigkeiten wird sich aber auch Doser + Partner weiterhin dafür einsetzen, attraktive Lebens(t)räume entstehen zu lassen. Dazu ist in unserem Bestandsimmobiliengeschäft in den letzten Jahren auch das Thema Nachverdichtung noch stärker auf die Agenda gerückt, etwa durch die Schließung von Baulücken oder die Erweiterung bestehender Gebäude um ein bis zwei Stockwerke. Diesen Fokus möchten wir in der Zukunft ausbauen.

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