Fachkräfte im Visier der Zielfahnder

Interview mit Stefan Koop, Geschäftsführender Gesellschafter der Delta Management Consultants GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Koop, wie lange sind Sie schon in der Personalberatung tätig?

Stefan Koop: Ich bin seit 32 Jahren Headhunter. Von Hause aus bin ich Ingenieur, was in unserer Branche nicht so oft vorkommt. Hier bei Delta Management konzentriere ich mich auf drei wichtige Branchenfelder. Erstens sind es mittelständische Industrieunternehmen, für die wir sehr intensiv auf Suche gehen. Die Medienbranche ist der zweite Bereich und schließlich arbeiten wir intensiv für Unternehmen der öffentlichen Beteiligung. Hier fokussieren wir unsere Aktivitäten vor allem auf Unternehmen der öffentlichen Hand sowie Städte und Kommunen auf die Suche nach Geschäftsführern und Vorständen.

Wirtschaftsforum: Was sind die Haupttrends, die Sie beobachten?

Stefan Koop: Uns spielen aktuell zwei Kernthemen in die Hände. Zum einen steht ein Generationswechsel an, der durch den Abgang der geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge verursacht wird. Zum anderen müssen wir uns mit der immer geringer werdenden Wechselbereitschaft der Menschen auseinandersetzen. Für die Unternehmen wird es zunehmend schwieriger, mit ihren Bordmitteln eine genügend große Anzahl an kompetenten Personen für eine bestimmte Aufgabe zu interessieren. Wir hingegen können das sehr gut und das lässt uns sehr positiv in die Zukunft blicken.

Wirtschaftsforum: Das Thema Generationswechsel wird gerade in den mittelständischen Familienunternehmen heiß diskutiert.

Stefan Koop: Das stimmt. Aber nicht nur dort. Auch die Großkonzerne und die Unternehmen der öffentlichen Hand stehen vor einer großen Herausforderung. Plötzlich merken sie, dass in den nächsten Jahren ein Großteil ihres Personals wegfallen wird. Dies ist zum Teil auch auf den Abbau von Personalreserven zurückzuführen. Früher gab es Stellvertreterebenen für das Heranziehen zukünftiger Führungskräfte. Diese wurden jedoch im Laufe der Jahre auf dem Altar der Kosteneffizienz und des Shareholder Value geopfert. Nun fehlt diesen Unternehmen die Fähigkeit, geeignete Bewerber:innen (w/m/d) auf dem Arbeitsmarkt zu finden.

Wirtschaftsforum: Wie können Sie diesen Unternehmen helfen?

Stefan Koop: Der richtige Headhunter ist ein Zielfahnder. Wir arbeiten mit einem Kandidatenprofil und suchen gezielt nach der richtigen Person. Aber das Raster, nach dem wir suchen, ist nicht mehr das gleiche. Es ist nicht mehr offensichtlich, wo sich diese Personen verstecken. Die Jobtitel haben sich geändert. Der Personalleiter heißt inzwischen Head of Human Resources oder Vice President of People and Culture, um nur ein Beispiel zu nennen. Hier kommt unser großer Erfahrungsschatz ins Spiel.

Wirtschaftsforum: Stichwort Nachwuchstalente: Wieso sind sie scheinbar Mangelware?

Stefan Koop: Da muss man der Politik etwas ins Buch hineinschreiben. Man weiß schon seit zehn Jahren, was auf dem Arbeitsmarkt passiert: Laut Studien des Bertelsmann Instituts werden uns in den kommenden Jahren sieben Millionen Arbeitskräfte fehlen. Damit wird ein Wirtschaftsstandort wie Deutschland ein Stückchen gefährdet. Trotzdem reagiert die Politik zu langsam und zu wenig koordiniert. Wir brauchen einen Plan, der auch zügig umgesetzt wird, um diese Lücke zu schließen.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihrer Meinung nach mögliche Lösungsansätze?

Stefan Koop: Was wir dringend brauchen, ist eine gezielte Zuwanderung, die qualifizierten Fachkräften den Weg zu uns ebnet und sie ausreichend bei der erfolgreichen Integration unterstützt. Ich kann das Beispiel einer Ärztin aus Mexiko nennen, die schon nach drei Monaten fließend Deutsch sprach, jedoch drei Jahre auf die Anerkennung ihrer ausländischen Qualifikationen warten musste. Da besteht dringender Handlungsbedarf. Auch die Rahmenbedingungen für die einheimischen Talente müssen verbessert werden. Eine Million top ausgebildeter Frauen sind derzeit nicht erwerbstätig, weil unser System ihnen zu viele Steine in den Weg legt. Wir sind einfach zu unflexibel und müssen kreativer werden. Initiativen wie Jobsharing, alternative Leistungsanreize oder angepasste Arbeitszeiten müssen möglich gemacht werden. Nur so kann Deutschland als Wirtschaftsstandort erfolgreich bleiben.

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