„Talente erkennen und entwickeln“

Interview mit Wilma Koolen-Hermkens, Geschäftsführerin der De Beer Breidenbach GmbH & Co. KG und De Beer Beoplast GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Koolen-Hermkens, erzählen Sie uns doch zunächst etwas über die Entwicklung der Firma.

Wilma Koolen-Hermkens: Gegründet wurde das Unternehmen vor fast 70 Jahren von Friedrich-Wilhelm Breidenbach, der sich auf den Werkzeugformenbau konzentrierte. Sein Sohn hat es 2006, da es keinen Nachfolger in der Familie gab, an einen seiner größten Kunden verkauft, die niederländische De Beer-Gruppe. Zu dieser Zeit hatte sich Breidenbach in der Sanitärtechnik stark entwickelt, bereits mit dem Fokus auf weiche Kunststoffe.

In diesem Bereich sind wir heute auch für die Spielzeugindustrie tätig. Neben den Weichkunststoffen arbeiten wir auch mit Spezialkunststoffen, das sind Hightechmaterialien, die in der Automobilindustrie verwendet werden. In beiden Bereichen haben wir eine große Expertise aufgebaut. Das Geschäftsfeld Sanitärtechnik ist mit 50% noch immer am größten. Hier sind wir marktführend und beliefern alle großen Sanitärhersteller. Deutschland- und wahrscheinlich europaweit sind wir einer der größten Verarbeiter von TPEs.

Wirtschaftsforum: Wie schlägt sich das in den Zahlen nieder?

Wilma Koolen-Hermkens: Die Firma, die übrigens im Juni dieses Jahres von F.W. Breidenbach in De Beer Breidenbach umfirmierte, hat sich in den letzten Jahren sehr stabil entwickelt, von acht Millionen EUR Umsatz in 2016 auf zwölf Millionen EUR 2019 und von 68 Mitarbeitern auf fast 90. Wir planen derzeit einen Neubau in Linsengericht, der nächstes oder übernächstes Jahr fertig sein soll. Mit ihm werden wir für die nächsten 20 Jahre gut aufgestellt sein. Dieser Standort wird absolut CO2-neutral sein. Nachhaltigkeit ist für unser Unternehmen ein ganz wesentlicher Aspekt.

Wirtschaftsforum: Waren Sie schon immer in der Kunststoffbranche zuhause?

Wilma Koolen-Hermkens: Nein, nicht direkt. Bevor ich 2017 als angestellte Geschäftsführerin zu Breidenbach kam, war ich 25 Jahre Geschäftsführerin in der Halbleiterbranche in Deutschland und den Niederlanden. Ich war auch in einem Unternehmen, das eine Tochter hatte, die im Spritzgussbereich tätig war. Das Thema war mir also nicht unbekannt.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie Ihre Aufgaben als Geschäftsführerin?

Wilma Koolen-Hermkens: Meine Aufgaben sind strategischer und operativer Art. Als deutsches Unternehmen können wir die Strategie mitbestimmen. Ich bin aber auch stark in das Kundenmanagement involviert. Ich habe sozusagen den Hubschrauber-View. Als gebürtige Niederländerin verstehe ich die Entscheidungskultur der Eigentümer. Seit 2002 bin ich in Deutschland und war in verschiedenen Bundesländern. Ich habe eine gewisse Sensibilität für die Kulturen. Das macht es mir leicht, Brücken zwischen den deutschen Produktionsstätten und dem niederländischen Hauptquartier zu bauen. Ich habe das Bewusstsein, als Team zu agieren, eingebracht, und dass der Kunde immer die Nummer 1 ist. 

Wirtschaftsforum: Wo möchten Sie De Beer Breidenbach hinführen?

Wilma Koolen-Hermkens: Unser Ziel ist ein zweistelliges Wachstum. Daneben wollen wir den Nachhaltigkeitsgedanken weiterverfolgen und den Mitarbeitern angenehme Arbeitsplätze bieten. Ich sehe uns in drei bis fünf Jahren als der anerkannte Experte für weiche Kunststoffe in der DACH-Region. Als ich ins Unternehmen kam, war es ein bisschen eingeschlafen. Für mich war es eine tolle Motivation, zu schauen, welche Talente es in der Belegschaft gibt, und diese gemeinsam zu entwickeln.

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