Transporte digital vorausgedacht

Interview mit Thomas Becker, Geschäftsführer der DAKO GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Becker, was ist das Kerngeschäft von DAKO?

Thomas Becker: Unser Fokus liegt auf dem Tachografendaten-Management. Das Gesetz fordert die Archivierung und Auswertung der Daten aus dem Tachografen. Das bilden wir mit unserer Plattform ab. Darüber hinaus bieten wir Hardware für das Fahrzeug und die Telematikeinheiten, die das Ganze automatisieren. Wichtige Themen sind außerdem Ortung und Spritverbrauch.

Wirtschaftsforum: Welchen Mehrwert oder besonderen Nutzen bietet Ihre Lösung im Vergleich zu dem anderer Anbieter?

Thomas Becker: Wir bieten eine ganzheitliche Lösung, die nicht nur Daten rund um den Tachografen erfasst, sondern auch weitere Fuhrparkdaten. Das ist ein echter Mehrwert für unsere Kunden. Was unsere Plattform betrifft, waren wir 2006 einer der ersten Anbieter in unserem Segment. Unsere Lösung kann in andere Systeme integriert werden. Wir haben im Laufe der Zeit ein sehr gutes Partnernetzwerk aufgebaut.

Wirtschaftsforum: Welche Trends stellen Sie am Markt aktuell fest?

Thomas Becker: Vollintegration und Digitalisierung sind wichtige Themen, in denen die Anforderungen der Kunden signifikant steigen. Sie möchten die Plattform nicht mehr nur als Arbeitsportal anwenden, sondern sie über Schnittstellen an das ERP-System andocken. Die Integrierbarkeit des Komplettprozesses wird also wichtiger. Insbesondere bei Großkunden ist die nahtlose Integration in die Prozesslandschaften ein wichtiges Thema. Vor dem Hintergrund der rasant steigenden Energiepreise steht auch der Spritverbrauch ganz oben auf der Agenda. Hier ist Transparenz gefordert und man will sehen, wie viel Sprit ein Fahrer verbraucht. Das war vor einigen Jahren schon einmal ein großes Thema. Dann kam der Fahrermangel und der Spritverbrauch pro Fahrer trat zeitweise in den Hintergrund. Nun drängen beide Problembereiche umso stärker wieder ins Bewusstsein der Unternehmen.

Wirtschaftsforum: Beim Thema Energie geht es ja auch um Nachhaltigkeit. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für DAKO?

Thomas Becker: Wir bieten digitale Lösungen – diese zielen darauf, bisher analoge und händische Prozesse neu zu organisieren und so ressourcensparender und damit auch nachhaltiger zu arbeiten. Darüber hinaus sind wir ISO 14001-zertifiziert und unterziehen uns regelmäßigen Monitorings. Zudem beschäftigen wir uns mit dem Energieverbrauch unseres Rechenzentrums. Wir engagieren uns in Forschungsprojekten zur kooperativen Logistik. Hier geht es um Optimierung durch das Teilen logistischer Touren und Warenlieferungen. Das ist ein starker Hebel für Einsparungen. Auf unserer Plattform sind bislang acht Milliarden Kilometer ‘gefahren’ worden. Selbst wenn wir hier nur ein Tausendstel einsparen können, haben wir ein sehr gutes Umweltergebnis geschaffen.

Wirtschaftsforum: Wer sind heute die Kunden von DAKO und woher kommen sie?

Thomas Becker: Unsere Lösung wird von großen wie kleineren Logistik- und Transportunternehmen genutzt. Unsere Referenzliste ist lang und es stehen sehr viele renommierte Unternehmen aus der Transport- und Logistikbranche darauf. Unser Fokus liegt auf Deutschland und dem DACH-Raum. Aber wir arbeiten mit Partnern in ganz Europa zusammen. Außerhalb der DACH-Region sind wir stark in Dänemark und auch in den Niederlanden vertreten. Aufgrund der allgemeinen Unsicherheit verfolgen wir zurzeit nur eine dezente Internationalisierungsstrategie. Im vergangenen Jahr haben wir in Schweden eine eigene Niederlassung gegründet, von der aus wir den skandinavischen Markt bearbeiten werden.

Wirtschaftsforum: Was haben Sie sich für das Jahr 2023 vorgenommen?

Thomas Becker: Erst einmal werden wir für unsere Mitarbeiter Pakete für den Herbst schnüren, falls die Situation rund um die Pandemie und auch die Preise eskalieren. Die Neuerungen, die uns 2023 erwarten, haben wir bereits auf der diesjährigen IAA vorstellen können. DAKO startet in ein neues, modular aufgebautes Produktkonzept, dessen erste Komponente, DAKO Fleet, umfassende digitale Lösungen für Verkehrsleiter und Fuhrparkmanager bieten wird. Auch im Bereich der Hardware möchten wir spannende und einfach zu handhabende Tools für den modernen Transportalltag neu auf den Markt bringen. Was mögliche Investitionen angeht, halten wir uns erst einmal zurück.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie langfristig mit DAKO?

Thomas Becker: Wir werden weiter digitalisieren, um Prozesse zu verbessern. Wir werden die Digitalisierungsoptionen für das Tagesgeschäft unserer Kunden stetig erweitern, um ihnen noch mehr ökonomische und ökologische Vorteile zu bieten. Wir möchten die Abläufe End-to-end abdecken und mehr Transparenz in die Prozesskette bringen. Früher haben wir ein jährliches Wachstum von rund 30% angestrebt. Die Zeiten haben sich geändert und damit auch unsere Ziele. Wir möchten gesund und resilient bleiben. Unser Wachstum muss gesund und nachhaltig sein.

Mehr zum Thema

Gebäudereinigung im Wandel

Interview mit Thomas Zenz, Geschäftsführer und Benjamin Oepke, Geschäftsführer der Stuttgarter Gebäudereinigung Venter GmbH & Co.KG

Gebäudereinigung im Wandel

Thomas Zenz und Benjamin Oepke treten im Sommer 2026 die Nachfolge in der Geschäftsführung der Stuttgarter Gebäudereinigung Venter GmbH & Co. KG an – in einer Zeit, in der auch…

Hamburger Mittelstand, globaler Maßstab

Interview mit Benjamin Barnack, Geschäftsführer der hey contact heroes GmbH

Hamburger Mittelstand, globaler Maßstab

Die Arbeitswelt hat sich verändert – und mit ihr der Kundenservice. Während viele Unternehmen noch darüber diskutieren, wie viel KI sinnvoll ist, verbindet die hey contact heroes GmbH längst globale…

Einzigartige Erlebnisse auf hoher See

Interview mit Christian Mühleck, Geschäftsführer der OceanEvent GmbH

Einzigartige Erlebnisse auf hoher See

Ob Konferenz, Incentive, Produktpräsentation oder private Feier: Die Suche nach außergewöhnlichen Eventformaten führt Unternehmen und anspruchsvolle Privatkunden immer häufiger aufs Wasser. Denn ein exklusiv gechartertes Schiff schafft eine besondere Mischung…

Spannendes aus der Region Jena

Vom Einzelunternehmen zum Verbund

Interview mit Karsten Drews, Geschäftsführer der HBS Elektrobau (Holding) GmbH

Vom Einzelunternehmen zum Verbund

Aus der Not eine Tugend machten die Verantwortlichen der HBS Elektrobau (Holding) GmbH, als sie nicht mehr genügend Beschäftigte hatten. Das Unternehmen aus dem thüringischen Oettersdorf begann mit dem Zukauf…

Ein starker Partner  für Handwerk und Technik

Interview mit Bernhard Furcht, Geschäftsführer der ASI Anlagen, Service, Instandhaltung GmbH

Ein starker Partner für Handwerk und Technik

Dienstleistungen in der Haustechnik, dem Facility Management und dem Anlagenservice sind unerlässlich für den reibungslosen Betrieb moderner Gebäude und Industrieanlagen. Dabei stehen Effizienz, Nachhaltigkeit und die Gewährleistung von Betriebssicherheit im…

Freiheit durch Sicherheit: „Unlock your freedom to move“

Interview mit Carlos Rocholl, Geschäftsführer der ISEO Deutschland GmbH

Freiheit durch Sicherheit: „Unlock your freedom to move“

Mit einem klaren Fokus auf Innovation und Internationalität hat sich die ISEO Deutschland GmbH zu einem bedeutenden Akteur im Bereich Sicherheit und Zutrittskontrolle entwickelt. Geschäftsführer Carlos Rocholl gewährt einen Einblick…

Das könnte Sie auch interessieren

Digitales Rückgrat des ­Autohandels

Interview mit Wolfgang Frank Pelousek, Geschäftsführer der VAPS GmbH

Digitales Rückgrat des ­Autohandels

Die VAPS GmbH in Isernhagen bei Hannover sorgt dafür, dass Autohäuser digital handlungsfähig bleiben – von der ‘Nabelschnur’ zum Hersteller bis zu Cloud-Services. In einem Markt mit sinkenden Margen werden…

Anders denken und überzeugen

Interview mit Anke Tennigkeit, Vorstand der innovIT AG

Anders denken und überzeugen

Die Bedeutung von Rechenzen­tren wächst kontinuierlich, da sie die Grundlage für digitale Infrastrukturen und datengetriebene Anwendungen bilden. Besonders modulare Rechenzentren, die eine flexible, skalierbare und schnelle Bereitstellung von IT-Kapazitäten ermöglichen,…

Von Rügen in die Welt: Breit­band für ländliche Regionen

Interview mit Rolf Hoffmann, geschäftsführender Gesellschafter der Kabel + Satellit Bergen Kommunikationstechnik GmbH

Von Rügen in die Welt: Breit­band für ländliche Regionen

Die Kabel + Satellit Bergen Kommunikationstechnik GmbH auf der Insel Rügen ist ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Entwicklung von Kommunikationsinfrastruktur in Deutschland. Mit einem klaren Fokus auf technologische Innovation und…

TOP