Der perfekte Berater per Mausklick

Interview mit Christoph Hardt – Geschäftsführer der COMATCH GmbH

Wirtschaftsforum: Welche Werte sind Ihnen in Bezug auf Ihre Unternehmenskultur besonders wichtig?

Christoph Hardt: Unser Versprechen gegenüber unseren Kunden lautet, den perfekten Berater für sie zu finden. Dabei legen wir großen Wert auf Qualität, Schnelligkeit und den persönlichen Kontakt. Diese Werte versuchen wir jeden Tag zu leben und in unserer Kultur zu verankern. Um die Qualität zu gewährleisten, durchläuft jeder Bewerber einen mehrstufigen Auswahlprozess. Nur 50% von ihnen erfüllen unsere Anforderungen und werden überhaupt in den Pool aufgenommen. Wir wollen unseren Kunden schnell helfen - oft brennt es und das Projekt müsste eigentlich gestern starten - und schicken ihnen innerhalb von 48 Stunden erste Kandidatenvorschläge zu. Der Kontakt zu unseren Kunden und Beratern liegt uns sehr am Herzen. Wir gehen auf ihre persönlichen Bedürfnisse und Stärken ein und tauschen uns ständig mit ihnen aus, um unseren Service und die Abläufe immer weiter zu verbessern.

Wirtschaftsforum: Start-Ups und tolle Grundgedanken gibt es viele. Was macht für Sie eine richtig gute unternehmerische Idee aus?

Christoph Hardt: Bei einer richtig guten unternehmerischen Idee ist das Nutzenversprechen, die Value Proposition, klar definiert. Welches Kundenproblem löse ich durch meine Idee besser als die Konkurrenz das tut? Außerdem zeichnet sich eine richtig gute Idee dann aus, wenn sie innovativ ist, einen möglichst großen Markt bedient, und starke Wachstumschancen bietet. Unser Geschäftsmodell, die Vermittlung von freiberuflichen Managementberatern und Industrieexperten an Unternehmen, die externe Unterstützung für Projekte benötigen, wurde super vom Markt angenommen. Mit einem Wachstum von 422% wurden wir im Gründerszene Wachstumsranking 2017 unter die Top 10 der am schnellsten wachsenden Digitalunternehmen Deutschlands gewählt.

Dr. Christoph Hardt
„Bei einer richtig guten unternehmerischen Idee ist das Nutzenversprechen, die Value Proposition, klar definiert.“ Dr. Christoph Hardt

Wirtschaftsforum: Was war für Sie die erste „Initialzündung“, Ihr persönlicher Antrieb für Ihre Unternehmensgründung?

Christoph Hardt: Ich wollte schon zu Schulzeiten gründen und habe das über die Jahre hinweg mehr oder weniger intensiv verfolgt. Nach acht Jahren in der Beratung wurde mir eines Tages klar, dass der Zeitpunkt für die Selbstständigkeit gekommen war. Ich dachte: Jetzt oder nie. Das Problem war damals: Ich hatte keine Idee. Bis die große Idee kam, wollte ich selbstständig für ein paar Projekte arbeiten. Auf der Suche nach einem Marktplatz, der mich bei der Projektakquise unterstützt, merkte ich, dass dieser für Managementberater gar nicht existierte. Bei der weiteren Recherche stellten mein Mitbegründer Jan Schächtele und ich fest, dass viele Berater unserer Generation freiberuflich arbeiten oder arbeiten wollen und vor dem gleichen Problem stehen. Firmen wiederum denken selten an Freiberufler bei der Beraterwahl, obwohl die Expertise hochwertig ist und die Kosten tendenziell geringer. Mit COMATCH haben wir einen Marktplatz geschaffen, der beide Seiten zusammenbringt.

Wirtschaftsforum: Die drei allgemeinen Definitionen für Start-Ups - „Innovatives Geschäftsmodell, jünger als 10 Jahre am Markt, signifikantes Mitarbeiter- bzw. Umsatzwachstum“ - treffen auch auf Ihr Unternehmen zu. Möchten Sie noch Weitere ergänzen, die Sie bzw. Ihr Unternehmen von dem Rest der Gründer-Szene unterscheidet?

Christoph Hardt: Wir fragen die Mitarbeiter natürlich regelmäßig, was ihnen an COMATCH besonders gefällt und die Antworten zeigen: Uns zeichnet ein gesunder und starker Teamspirit aus. Gemeinsame Events, regelmäßige Workshops zu unserer Unternehmenskultur oder Status Meetings zu aktuellen Entwicklungen fördern den Zusammenhalt und motivieren die Mitarbeiter. Es gibt natürlich Hierarchien, aber sie dienen der Struktur, nicht des Selbstzwecks. Es gibt für jeden genügend Spielraum, um sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Die Meinung eines Werkstudenten wird genauso gehört und geprüft wie die der Geschäftsführung. Alles in allem eine lockere und professionelle Arbeitsumgebung, bei der wir offen und ehrlich miteinander umgehen und uns gegenseitig Feedback geben. Die Feedbackkultur leben wir auch im Umgang mit unseren Kunden und Beratern. Für jedes Projekt gibt es einen persönlichen Ansprechpartner und regelmäßig Rückmeldungen zum Projektfortschritt.

Wirtschaftsforum: Welche für Sie entscheidenden und/oder auch überraschenden Ereignisse haben Ihre bisherige Unternehmensentwicklung begleitet und geprägt?

Christoph Hardt: Menschen kennen zu lernen, die mich und uns in der Anfangsphase und auch jetzt noch vorbehaltlos unterstützen und Eckpfeiler des Erfolgs sind. Dazu zählen Christoph, unser erster finanzieller Unterstützer; Fiprox, unser erster Klient; Matthias, unser erster Berater auf Projekt und unsere ersten Teammitglieder: Dirk, Lena und Antonia.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie den wichtigsten Erfolg in Ihrer bisherigen, unternehmerischen Entwicklung und welche kleinen „Stellschrauben“ würden Sie gerne zukünftig noch drehen, um Ihr Geschäftsmodell weiterhin noch auszubauen?  

Christoph Hardt: Im März 2015 ging unsere Plattform live, zu diesem Zeitpunkt waren wir zu fünft, inklusive Praktikant. Heute, knapp drei Jahre später, haben wir ein buntes Team von fast 100 Mitarbeitern. Über 30% davon sind internationale Kollegen. Immer internationaler wird es auch wenn wir auf unseren Beraterpool schauen. Mittlerweile zählen wir dort 5000 Berater aus 60 Nationen, die 90 Sprachen sprechen. Neben der DACH-Region, mit der wir am Markt gestartet sind, haben wir uns in Benelux, den nordischen Ländern, Frankreich, dem Mittleren Osten und seit neuestem auch in UK bereits einen Namen gemacht. Wir sehen großes Potenzial, diese Position zukünftig auszubauen und wollen uns in Europa weitere neue Märkte erschließen. Dass über 50% der DAX30 Unternehmen mit uns zusammenarbeiten, macht uns sehr stolz. Vor allem der persönliche Kontakt und die individuelle Betreuung durch einen Ansprechpartner für unsere Kunden und Beratern sehe ich als ein Geheimnis unseres Erfolges. Die hohe Weiterempfehlungsrate von 94% bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Dr. Christoph Hardt
„Vor allem der persönliche Kontakt und die individuelle Betreuung durch einen Ansprechpartner für unsere Kunden und Beratern sehe ich als ein Geheimnis unseres Erfolges. Die hohe Weiterempfehlungsrate von 94% bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Dr. Christoph Hardt

Wirtschaftsforum: Welche Produkt- bzw. Dienstleistungen stehen aktuell bei Ihnen besonders im Fokus?

Christoph Hardt: Neue Berater und Klienten zu gewinnen, steht nach wie vor bei uns im Fokus. Aktuell stellen wir unser Team noch internationaler auf. Neben Niederlassungen in der DACH-Region sind wir auch in Kopenhagen, Amsterdam, Paris, Dubai und seit kurzem in London vertreten. Unser globales Key Account Team konzentriert sich zum Beispiel auch auf verschiedene vertikale Märkte bzw. Industrien, die wir künftig noch stärker besetzen wollen. In Zukunft wollen wir nicht nur einzelne Berater vermitteln, sondern auch ganze Expertenteams für unsere Klienten zusammenstellen. Wir optimieren in diesem Zusammenhang auch die Prozesse rund um das Auswahlverfahren. Eine volle Automatisierung ist unser Ziel. Dies schafft wiederum freie Kapazitäten, die wir zum Beispiel für noch bessere Betreuung unserer Berater brauchen oder auch für die Integration neuer Mitarbeiter brauchen. Denn unser schnelles Wachstum wollen und müssen wir gut managen.

Wirtschaftsforum: Ihre Branche ist in stetigem Wandel. Wenn Sie in die Zukunft blicken könnten, wo sehen Sie Ihr Unternehmen in 5-10 Jahren? 

Christoph Hardt: COMATCH hat sich als führender Marktplatz in der Vermittlung von hochqualifizierten Arbeitskräften in Europa etabliert – die meisten Berater kennen uns. Neben der Vermittlung einzelner externer Experten stellen wir komplette Teams zusammen, die für ein Projekt für Unternehmen arbeiten.

Wirtschaftsforum: Welches Thema liegt Ihnen am Herzen, welches wir bisher nicht angesprochen haben und welches Sie gerne noch über sich, Ihr Team oder Ihr Unternehmen vorstellen möchten? 

Christoph Hardt: Die Arbeitswelt befindet sich in einem stetigen Wandel. Firmen bauen immer mehr auf externe Projekte und Projektteams, Stichwort Flash-Organisationen. Ein Team an unabhängigen Experten wird für ein Projekt zusammengestellt, setzt dieses um und geht dann wieder auseinander. Unabhängig zu sein ist die neue Normalität und die Zahl der Freiberufler wird wachsen. Bereits heute haben freiberufliche Berater mehr Verantwortung, verdienen mehr und arbeiten weniger als angestellte Berater. Ich glaube, dass die Arbeitswelt in Zukunft wesentlich flexibler sein wird und wünsche mir, dass die Politik noch stärker unterscheidet zwischen Selbständigkeit, die aus der Not geboren ist und solcher, die aus freien Stücken gewählt wird. Ich beobachte, dass die Nachfrage nach freiberuflichen Spezialisten steigt. Immer mehr Unternehmer holen sich Freiberufler ins Haus und wir sorgen dafür, dass Entscheider nicht selbst lange nach einem Berater suchen müssen. Ich kann nur jedem ans Herzen legen, sich vor der Hilfe von außen nicht zu scheuen und es auszuprobieren.

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