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Carsharing leicht gemacht

Interview mit Edgar Scholler, Gründer GETAWAY

Wirtschaftsforum: Herr Scholler, Ihre Idee ist es private Autos per Carsharing zu vermieten. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen und was erhoffen Sie sich davon?

Edgar Scholler: Beruflich im Ausland lebend, war ich oft ohne mein eigenes Auto in Hamburg, Berlin oder meiner Heimatstadt Magdeburg zu Besuch. Konventionelle Carsharing-Angebote haben eine limitierte Verfügbarkeit und stark eingegrenzte Geschäftsgebiete. Selbst auf der Suche nach einem Mietauto ist mir der Wahnsinn aufgefallen, an wie vielen parkenden Privatautos ich vorbeiging, wie viel ruhendes Blech die Innenstädte verstopft. Autos, die wie mein eigenes, ungenutzt Geld kosten und Platz verschwenden.

Die Idee für einen technologiebasierten on-Demand Fuhrpark aus Privatautos war geboren. Nur wenige Wochen später zog ich nach Berlin zurück und gründete GETAWAY.

„Konventionelle Carsharing-Angebote haben eine limitierte Verfügbarkeit und stark eingegrenzte Geschäftsgebiete.“ Edgar SchollerGründer GETAWAY

Wirtschaftsforum: Sind Privatpersonen denn nicht eher besorgt, ihr Auto an Fremde zu verleihen und welche Sicherheiten bieten Sie den Verleihern?

Edgar Scholler: Das ist eine gängige Vermutung, die wir in der Form nicht bestätigen können. Der Wille ist grundsätzlich da. Eine europaweite Ford-Studie1 hat aufgedeckt, dass 48% der Deutschen bereit sind, ihr Auto gegen Entgelt zu verleihen (n=10.000, 2016). Vor GETAWAY gab es nur keine Lösung, die die Skepsis der Autobesitzer ausreichend bedient. Ich selbst kann als leidenschaftlicher Autobesitzer jedes mulmige Gefühl nachvollziehen. Ein ruhiges Gewissen beim Verleihen des eigenen Autos ist für uns daher stets Prämisse. So kann nur GETAWAY durch den Einsatz innovativer Technologie auf das Auto “aufpassen”, während es vermietet wird. Des Weiteren sorgen unsere Fuhrpark-Services dafür, dass der Autobesitzer praktisch keinen Betreuungsaufwand mehr hat. Unser einzigartiges Versicherungsprodukt bietet einen beispiellosen Premium-Rundumschutz. Die überwältigende Resonanz auf GETAWAY innerhalb kürzester Zeit scheint uns Recht zu geben.

Wirtschaftsforum: Wieviel Geld kann man im Monat durch den Verleih seines Privatwagens verdienen?

Edgar Scholler: Zum Beispiel 100€ pro Woche. Letztlich hängt es von der Verfügbarkeit, Begehrlichkeit und vom Preis ab, den der Autobesitzer pro Kilometer bestimmt. Nehmen wir für einen aktuellen Golf beispielsweise 40 Cent pro Kilometer an, ergibt das nach bereits 250 Kilometern, also etwa nur einer halben Tankfüllung, 100 Euro Mieteinnahmen. Extraeinnahmen, die die monatlichen Versicherungskosten, die Leasingrate oder den nächsten Werkstattbesuch kompensieren könnten oder den Kauf eines Elektroautos erschwinglich werden ließen. Ich habe Autobesitzern zum Teil über 850€ im Monat überweisen dürfen.

„Die Potentiale aus privatem Carsharing lassen sich gänzlich ohne Investitionen in zusätzliche Infrastrukturen, wie dem Bau und Erhalt von teuren Carsharing-Stationen, nutzen und gleichzeitig verbleibt der Großteil aller Einnahmen bei den Autobesitzern vor Ort.“ Edgar SchollerGründer GETAWAY

Wirtschaftsforum: Wie gut funktioniert Ihr Konzept in ländlichen Regionen?

Edgar Scholler: Konventionelle Carsharing-Angebote haben eine limitierte Verfügbarkeit und stark eingegrenzte Geschäftsgebiete. Weil wir konsequent auf bestehende Ressourcen setzen und keine eigenen Autos stellen, kann GETAWAY das spontane Carsharing-Erlebnis erstmals auch in Stadtrandgebieten, kleineren Kommunen oder gar auf dem Land anbieten. Regionen, in denen es sich für die Etablierten einfach nicht rechnet. Und gerade hier ist man, aus Mangel an Alternativen, auf mehr Mobilitätsangebote angewiesen.

Auch finanziell lohnt es sich für die Kommunen, genauer hinzuschauen. Die Potentiale aus privatem Carsharing lassen sich gänzlich ohne Investitionen in zusätzliche Infrastrukturen, wie dem Bau und Erhalt von teuren Carsharing-Stationen, nutzen und gleichzeitig verbleibt der Großteil aller Einnahmen bei den Autobesitzern vor Ort. Bei fortschreitender Konzentration der Angebote auf wenige Anbieter ist auch gesellschaftlicher Vorausblick gefordert. Wohingegen die Förderung großer Carsharing-Direktanbieter das Abhängigkeitsverhältnis vom autolosen Nutzer zum Anbieter verschärft, helfen Peer-to-Peer Plattformen, den Zugang zur Mobilität nachhaltig zu demokratisieren. Sie ermöglichen es privaten Autobesitzern, die Mobilitätswende aktiv mitzugestalten und daran zu partizipieren.

„Nur mit der Gewissheit, jederzeit eines nutzen zu können, wenn es darauf ankommt, werden Autobesitzer langfristig auf ein eigenes Auto verzichten.“ Edgar SchollerGründer GETAWAY

Wirtschaftsforum: Zum Abschluss eine private Frage: Welches Auto würden Sie denn gerne einmal selbst durch Carsharing fahren dürfen?

Edgar Scholler: Ich persönlich habe gar kein spezielles Modell vor Augen. Mir ist es wichtiger, eine ausreichend große Auswahl jederzeit verfügbar zu haben. Nur mit der Gewissheit, jederzeit eines nutzen zu können, wenn es darauf ankommt, werden Autobesitzer langfristig auf ein eigenes Auto verzichten. Unser Ziel ist ein spontan verfügbarer Fuhrpark, der das genau passende Gefährt für jede Situation bietet. Egal ob ein Kleintransporter für den Matratzenkauf, ein schickes Cabrio für die spontane Spritztour ins Grüne, oder ein Familienauto für den Ausflug an den See. Wir möchten für jede Situation und jeden Geldbeutel den passenden PKW spontan und in unmittelbarer Nähe zur Verfügung stellen.

Interview: Sarah Urquhart

REFERENZEN:
1 - Europaweite Umfrage „Share Economy“ n=10.000, 2016
http://www.presseportal.de/pm/6955/3331705

 

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https://get-a-way.com/

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