„Zähneputzen als kleine Auszeit“

Interview mit Ludwig Popp, Country Manager Deutschland der Curaden Germany GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Popp, Sie beschreiben Curaden als Unternehmen mit einer klaren Vision zur Förderung der Mund- und Zahngesundheit. Worauf stützt sich dieser Anspruch?

Ludwig Popp: Wir sind fest davon überzeugt, dass lebenslang gesunde Zähne möglich sind, wenn man weiß, wie die richtige Pflege funktioniert. Ein Kernproblem ist, dass heute noch sehr viele Menschen nicht korrekt putzen. Wer keine Zahnzwischenraumbürsten verwendet, reinigt nur etwa 70% der Zahnoberflächen. Unsere Mission ist deshalb stark auf Aufklärung ausgerichtet. Wir möchten vermitteln, wie gute Zahnpflege tatsächlich funktioniert – von der Praxis bis zu den Konsumenten.

Wirtschaftsforum: Sie setzen dabei stark auf Schulung. Welche Rolle spielt dieser Ansatz?

Ludwig Popp: Eine sehr große. Unser Fokus liegt darauf, Dental Professionals auszubilden – Zahnärzte, Studierende und Praxispersonal. Sie erreichen die Patienten am glaubwürdigsten. Wir unterstützen mit Tipps, Trainings und Materialien. Gleichzeitig versuchen wir, auch Endverbraucher direkt zu erreichen, etwa über Live Events. Auf Festivals waren wir mit Zahnputzstationen präsent, um den Menschen vor Ort zu zeigen, wie sie ihre Mundpflege verbessern können. Uns geht es nicht darum, Muster zu verteilen, sondern ins Gespräch zu kommen und Wissen zu vermitteln.

Wirtschaftsforum: Ein neuer Bestandteil Ihres Sortiments ist Perio plus zero. Was zeichnet dieses Produkt aus?

Ludwig Popp: In der medizinischen Mundpflege gilt Chlorhexidin, kurz CHX, seit Jahrzehnten als Goldstandard. Es ist wirksam, hat aber Nebenwirkungen wie Geschmacksirritationen, Verfärbungen und zunehmend auch Resistenzen. Wir glauben an eine Zukunft ohne Chlorhexidin und haben mit Perio plus zero eine Lösung entwickelt, die wie ein CHX-Produkt wirkt, aber ohne dessen Nachteile auskommt. Sie ist medizinisch wirksam, enthält kein Chlorhexidin und hat einen angenehmen Geschmack. Die Resonanz der Zahnärzte, bei denen wir Produkte zuerst einführen, ist bislang sehr positiv.

Wirtschaftsforum: Curaden wächst seit Jahren. Welche Faktoren tragen dazu bei?

Ludwig Popp: Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen und können langfristig denken, ohne auf kurzfristige Markterwartungen reagieren zu müssen. Dieses Jahr hat der Generationswechsel zur neuen Geschäftsführerin Christine Breitschmid stattgefunden. Unsere Strategie ist konsequent auf unsere Vision ausgerichtet, und das schafft Glaubwürdigkeit. Zudem besteht ein großer gesellschaftlicher Bedarf: Rund jeder Zweite leidet an Zahnzwischenraumerkrankungen. Viele Probleme wären vermeidbar. Diese Botschaft treibt uns an.

Wirtschaftsforum: Sie beschäftigen sich auch mit der Bedeutung der Zahnpflege für die Allgemeingesundheit. Wo sehen Sie die Zusammenhänge?

Ludwig Popp: Sie sind erheblich. Mangelnde Mundpflege zählt zu den Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Studien verbinden Parodontitis außerdem mit einem erhöhten Risiko für Alzheimer. Bei Diabetespatienten oder in der Schwangerschaft ist die Pflege besonders wichtig. Viele dieser Zusammenhänge sind noch wenig bekannt, und genau hier besteht ein enormes Aufklärungspotenzial. Wir möchten nicht nur Produkte verkaufen, sondern als Partner auftreten, der Wissen vermittelt.

Wirtschaftsforum: Wie kann man Menschen nachhaltig zu guter Zahnpflege motivieren?

Ludwig Popp: Vieles beginnt im Kindesalter, zu Hause, im Kindergarten, in der Schule. Aber auch Erwachsene brauchen Anleitung. Unser Ansatz ist, positive Rituale zu vermitteln. Zähneputzen sollte nicht als Pflicht empfunden werden, sondern als kleine Auszeit, in der man etwas unmittelbar Gutes für seine Gesundheit tut. Wer versteht, welchen Einfluss Mundpflege auf Lebensqualität und Gesamtgesundheit hat, entwickelt ein anderes Bewusstsein dafür.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie für die kommenden Jahre?

Ludwig Popp: Wir wollen weiter wachsen, im Umsatz und vor allem in der Relevanz. Unser Anspruch ist, eine der großen Marken in der Mund- und Zahnpflege zu werden. Entscheidend ist die Sortimentstiefe: Mit einer Zahnbürste allein erreicht man keine umfassende Mundgesundheit. Wir entwickeln daher Lösungen für alle relevanten Pflegebereiche und möchten diese Breite im Markt deutlich sichtbar machen.

Wirtschaftsforum: Und was motiviert Sie persönlich an Ihrer Aufgabe?

Ludwig Popp: Ich identifiziere mich vollständig mit unserer Mission. Wenn mich jemand fragt, was ich beruflich mache, antworte ich manchmal scherzhaft, ich würde Zahnbürsten verkaufen. Die Reaktion zeigt oft, wie wenig Gedanken sich viele über Zahnpflege machen. Die Auswirkungen auf Lebensqualität und Gesundheit sind erheblich. Zu vermitteln, dass Zähneputzen kein lästiger Akt ist, sondern ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Gesundheit, das treibt mich an.

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