„Am Nachholbedarf bei Digitalisierung partizipieren“

Interview mit Adriano Beti, CEO Kilchenmann International

Wirtschaftsforum: Herr Beti, welche Meilensteine würden Sie in der Geschichte von Kilchenmann besonders hervorheben?

Adriano Beti: Gegründet wurde das Unternehmen 1933 in Bern als einfaches Radio- und TV-Geschäft. Im Laufe der Jahre hat es sich immer wieder neu firmiert und war im B2C-Geschäft sehr erfolgreich. Bis 2000 war die Kilchenmann AG komplett in Familienhand. Dann wurde sie mit einem Management-Buy-out an Mitarbeiter übergeben. Fortan stand vermehrt das B2B-Geschäft im Fokus. Schon damals war aufgrund des großen Interesses der Verbraucher am Onlinehandel absehbar, dass die traditionellen Geschäfte nicht mithalten können würden. Das hat sich inzwischen bestätigt. Heute sind wir ein Gesamtdienstleister für Kommunikations- und Medientechnik – der größte in der Schweiz. In Deutschland haben wir eine Tochtergesellschaft. Anfang 2020 erfolgte der zweite Management-Buy-out, an dem auch ich beteiligt war.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich das Unternehmen wirtschaftlich entwickelt, und welche Entwicklung erwarten Sie weiterhin?

Adriano Beti: Unser Umsatz ist, abgesehen von kurzen Phasen während der Finanz- und der Coronakrise, stetig gewachsen. Derzeit liegt er bei circa 70 Millionen EUR. Wir gehen auch weiterhin von einer ähnlich guten Entwicklung aus. International nehmen die Bedürfnisse zu. Es gibt einen großen Nachholbedarf bei der Digitalisierung und ich bin überzeugt, dass wir daran partizipieren können. Gerade die Coronazeit hat gezeigt, welche Möglichkeiten Lösungen wie Videokonferenzen oder Meeting-Raum-Installationen bieten.

Wirtschaftsforum: Welche Impulse konnten Sie dem Unternehmen bereits geben? Haben Sie dabei so etwas wie ein Steckenpferd?

Adriano Beti: Ich bin im Dezember 2019 ins Unternehmen gekommen, um das operative Geschäft zu übernehmen. Seitdem haben wir eine internationale Einheit gegründet und das Geschäft entlang der Customer Journey aufgebaut. Mein Steckenpferd ist die Dienstleistung an sich. Wir agieren immer mehr als Life-cycle-orientiertes Unternehmen und richten unsere Prozesse so aus, dass wir unsere Kunden bestmöglich unterstützen können.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihr Produktportfolio aus?

Adriano Beti: Einen großen Anteil macht nach wie vor das Projektgeschäft aus, also klassische Installationen von Medienräumen und Infrastrukturen und die Ausstattung von Auditorien. Daneben führen wir viele Business-Events durch und unterstützen unsere Kunden bei Videoübertragungen, Streaming, Telefonkonferenzen oder Generalversammlungen, vor Ort und auch hybrid. Dafür haben wir letztes Jahr eine virtuelle Welt gebaut. Das ist eine Plattform, die dem Kunden einen einfachen Einstieg in die virtuelle Welt ermöglicht. In Zukunft wird die Entwicklung immer mehr in Richtung Dienstleistung gehen. Wir wollen mehr in der Entwicklung tätig sein und werden unsere Betreuungs- und Wartungsdienstleistungen weiter ausbauen.

Wirtschaftsforum: Warum, denken Sie, ist Kilchenmann seit so langer Zeit so erfolgreich?

Adriano Beti: Unser Name steht für Qualität und Zuverlässigkeit, und beides stellen wir jeden Tag wieder unter Beweis. Verantwortlich dafür sind unsere 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; sie sind das Fundament unseres Erfolgs. Für die Zukunft wird es wichtig sein, sie mitzunehmen auf die Reise der Digitalisierung. Das wird sicherlich eine Herausforderung sein.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie aktuell die Branchenentwicklung?

Adriano Beti: Wir sehen ein steigendes Bedürfnis an Qualität. Am Anfang der Coronazeit, als viel improvisiert wurde, wurden viele Fehler verziehen. Heute sind die Qualitätsansprüche wieder auf dem früheren Level. Das wird uns helfen, unseren Weg weiterzugehen.

Wirtschaftsforum: Ein Unternehmen ist ja nur so gut wie seine Kultur. Was, würden Sie sagen, charakterisiert Ihre Unternehmenskultur?

Adriano Beti: Unsere Kultur ist geprägt von unseren fünf Werten: Vertrauen, Transparenz/Einbindung, Courage, Wertschätzung, Authentizität. Wir gehen offen miteinander um, thematisieren Probleme, wenn sie entstehen, und versuchen, sie gemeinsam zu lösen. Neue Themen wie Digitalisierung und Globalisierung bringen neue Anforderungen mit sich. Die Herausforderungen der Internationalisierung sind heute nicht mehr vergleichbar mit denen, die wir bisher auf dem Schweizer Markt gesehen haben. Es sind sehr viele Gespräche erforderlich, um dafür Verständnis zu schaffen.

Wirtschaftsforum: Was ist Ihr persönlicher Antrieb für Ihre Arbeit, woraus ziehen Sie Ihre Motivation?

Adriano Beti: Ich habe bei einem Management-Buy-out mitgemacht, weil ich ein Unternehmer bin. Meine Kollegen und ich wollen gemeinsam gestalten. Unser Ziel ist, noch besser zu werden. Es geht uns darum, Dinge anders zu sehen und auch anders anzugehen. Das ist für mich eine große persönliche Motivation.

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