Ein Ort der Ruhe

Interview mit Dr. Jens Wohltorf, Geschäftsführer der Blacklane GmbH

Wirtschaftsforum: Welche Werte sind Ihnen in Bezug auf Ihre Unternehmenskultur besonders wichtig?

Dr. Jens Wohltorf: Unser Anspruch und Ziel ist es, unseren Gästen ein entspanntes Reiseerlebnis zu ermöglichen. Daher gelten für unsere Mitarbeiter in der Zentrale genauso wie für unsere Chauffeure auf der Straße einige zentrale Werte:

  • Jederzeit nach Verbesserungen streben
  • ‘Go the extra mile’
  • Respekt und Integrität leben
  • Zuverlässigkeit
  • Achtsamkeit – gegenüber unseren Kunden, unseren Fahrern und untereinander.

Wirtschaftsforum: Was war für Sie die erste ‘Initialzündung’, Ihr persönlicher Antrieb für Ihre Unternehmensgründung?

Dr. Jens Wohltorf: In meinem vorherigen Berufsleben war ich als Unternehmensberater tätig und viel auf Reisen. Damals war es häufig mit erheblichem Aufwand verbunden, in einer Stadt, die man noch nicht kannte, einen geeigneten Fahrdienst für eine Abholung am Flughafen etc. zu finden und diesen zu buchen. Teilweise schrieb man zig E-Mails hin und her, bis endlich alles geklärt war. Als mich mein Freund und späterer Mitbegründer Frank Steuer dann einmal in den USA besuchte, entstand die Idee: eine Plattform und eine Marke, über die man weltweit professionelle Fahrdienste buchen kann, die den Reisestress reduziert und hochwertige, aber dennoch preiswerte Dienstleistungen anbietet.

Wirtschaftsforum: Die allgemeine Definition für Start-ups – innovatives Geschäftsmodell, kürzer als zehn Jahre am Markt, signifikantes Mitarbeiter- beziehungsweise Umsatzwachstum – trifft auch auf Ihr Unternehmen zu. Möchten Sie noch weitere ergänzen, die Ihr Unternehmen vom Rest der Gründerszene unterscheiden?

Dr. Jens Wohltorf: Ich denke, aus einer Business-Perspektive betrachtet ist für uns charakteristisch, dass wir für eine ‘konstruktive Disruption’ unseres Marktes stehen. Ein etablierter Markt wurde nicht zerstört, sondern Schritt für Schritt verändert und so profitieren viele Seiten: Professionelle Chauffeurdienste weltweit können ihre Auslastung verbessern und ihren Umsatz steigern, Fahrdienste können zu attraktiven Preisen angeboten und so einem größerem Publikum zugänglich gemacht werden und nicht zuletzt erhalten die Vielreisenden dieser Welt ein Mobilitätsangebot, das weltweit konstant hochwertige Chauffeurdienste anbietet.

Wirtschaftsforum: Sie hatten in Ihrer bisherigen Laufbahn als Unternehmer und Firmengründer Erfolge und Misserfolge. Wie haben Letztere Sie als Gründer persönlich geprägt und was haben Sie daraus für die Zukunft gelernt?

Dr. Jens Wohltorf: Wir haben in den vergangenen Jahren mindestens so viel falsch wie richtig gemacht. Insgesamt ist die Einstellung zu Misserfolgen das Entscheidende, denn wir können aus Fehlern viel schneller lernen als aus Erfolgen. Es ist wichtig, eine Fehlerkultur zu prägen, Fehler schnell zu machen und sogar zu ‘feiern’. Denn nur wo gehobelt wird, fallen auch Späne. Diese Einstellung ist eine der zentralen Eigenschaften, die uns von großen Konzernen unterscheidet und uns so schnell macht – und daraus kann man für alle möglichen Lebenslagen lernen.

Wirtschaftsforum: Welche für Sie entscheidenden und/oder auch überraschenden Ereignisse haben Ihre bisherige Unternehmensentwicklung begleitet und geprägt?

Dr. Jens Wohltorf: Für mich sind das drei strategische Entscheidungen, die wir im Laufe der letzten Jahre getroffen haben:

  • Unsere ‘Mission 100’ zwischen 2013 und 2014, als wir in nur 100 Tagen 100 neue Städte in unser Angebot aufgenommen haben.
  • Die Entscheidung, uns auf die Bedürfnisse von Reisenden zu konzentrieren und kein allgemeiner Mobilitätsanbieter zu sein.
  • Die Übernahme von Solve, einem US-amerikanischen Start-up, im vergangenen Jahr und die damit einhergehende Entscheidung, unser Portfolio zu erweitern und dem vielbeschäftigten Reisenden die Hürden auf der Reise systematisch aus dem Weg zu räumen.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie den wichtigsten Erfolg in Ihrer bisherigen unternehmerischen Entwicklung und welche kleinen ‘Stellschrauben’ würden Sie gerne zukünftig noch drehen, um Ihr Geschäftsmodell weiterhin noch auszubauen?

Dr. Jens Wohltorf: Unser Fahrplan für die Zukunft ist ziemlich klar: Wir wollen für Menschen, die sehr viel reisen, der Dienstleister sein, der den damit verbundenen Reisestress reduziert und ihnen das gute Gefühl bietet, dass alle Details der Reise schon geregelt sind. Daher haben wir zum Beispiel kürzlich unser Portfolio um einen Airport Concierge Service, der „Blacklane PASS “ heißt, erweitert. Damit schließen wir die Reisekette immer weiter: Sie fahren mit Blacklane zum Flughafen, dort holt Sie jemand am Wagen ab, kümmert sich um Ihren Check-in, bringt Sie zur Fastlane-Security und letztlich direkt zur Flugzeugtür. Und an Ihrem Ankunftsort werden Sie wiederum direkt am Flugzeug abgeholt und bei einer effizienten Einreise unterstützt. Man muss aber ganz klar sagen: Bei diesen Projekten handelt es sich nicht um kleine Stellschrauben, sondern um wirklich dicke Bretter.

Wirtschaftsforum: Ihre Branche ist in stetigem Wandel. Wenn Sie in die Zukunft blicken, wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf bis zehn Jahren?

Dr. Jens Wohltorf: Blacklane wird kontinuierlich und zielgerichtet den Weg weiter gehen, den Stress aus der Reisekette zu nehmen und dem Reisenden einen Ort der Ruhe zu bescheren. Dieser Anspruch ist zwar sehr individuell und persönlich, aber vieles davon lässt sich technologisch hervorragend unterstützen. Die menschliche Komponente wird dabei jedoch nie verloren gehen und sogar an Bedeutung gewinnen. Blacklane wird so zu einem persönlichen Assistenten mit Hunderttausenden an Crew-Mitgliedern, die für den Reisenden bereitstehen und ihn bei der Bewältigung seiner Aufgaben bestmöglich, individuell und persönlich unterstützen.

Wirtschaftsforum: Welches Thema, das wir bisher nicht angesprochen haben und auf das Sie gerne noch in Bezug auf sich selbst, Ihr Team oder Ihr Unternehmen eingehen möchten, liegt Ihnen am Herzen?

Dr. Jens Wohltorf: Bei Blacklane arbeiten mehr als 300 Menschen aus fast 60 Ländern. Diese Vielfalt gehört fest zu unserer Unternehmenskultur und prägt sie. Im vergangenen Jahr habe ich miterlebt, wie schwierig es für neue Mitarbeiter, die aus dem Ausland zu uns kommen, sein kann, auch nur eine geeignete Wohnung in Berlin zu finden. Ich denke, wir sollten immer darauf bedacht sein, dass wir, auch als Gesellschaft insgesamt, Menschen aus andern Ländern und Kulturen willkommen heißen. Nicht nur angesichts des allgegenwärtigen Fachkräftemangels gefährden wir sonst unseren zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg.

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