Stabilität für die Neurochirurgie

Interview mit Matthias Schüle, Geschäftsführer der Black Forest Medical GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schüle, mit sicheren, innovativen und zuverlässigen Lösungen zur Schädelstabilisierung macht sich die Black Forest Medical GmbH auf in die neue Welt der Neurochirurgie – welche Produkte stehen dabei im Zentrum Ihres Portfolios?

Matthias Schüle: Wir haben uns stark der Nische der Kopfhalterungssysteme verschrieben, die dafür sorgen, dass der Patientenkopf während eines neurochirurgischen Eingriffs sicher gelagert und fixiert wird – auf entsprechende Lösungen entfällt der weit überwiegende Teil unseres Produktspektrums. Darüber hi­naus bieten wir Retraktoren an, die an den Kopfhalterungssystemen befestigt und bei bestimmten operativen Verfahren zum Weghalten von Hirngewebe eingesetzt werden. Im Einzelnen unterscheiden sich unsere Produkte dabei anhand der jeweiligen technologischen Anforderungen – von Metallsystemen bis hin zu hochfesten Kunststoffen, wie sie etwa im Zusammenspiel mit bildgebenden Systemen genutzt werden.

Wirtschaftsforum: Black Forest Medical stellt in dieser Nische den klaren Anspruch der Innovationsführerschaft an sich – mit welchen Weiterentwicklungen beschäftigen Sie sich derzeit?

Matthias Schüle: Im Rahmen verschiedener Forschungs- und Entwicklungsprojekte arbeitet unser stark aufgestelltes Entwicklungsteam kontinuierlich daran, die zentrale Funktion der kranialen Stabilisation noch sicherer, präziser und effektiver zu machen. Mit der nächsten Generation unserer Schädelfixierungssysteme verfolgen wir den Anspruch, den heutigen Standard of Care weiterzuentwickeln und zu übertreffen. Dabei verstehen wir uns nicht nur als Hersteller mechanischer Medizinprodukte, sondern zunehmend auch als wichtiger Befähiger zukünftiger Technologien im OP-Saal. Unsere Systeme nehmen häufig eine zentrale Schnittstellenfunktion ein: Sie verbinden den Patientenkopf unter anderem mit bildgestützter Navigation und robotischen Anwendungen. Je präziser und zuverlässiger der Patientenkopf fixiert ist, desto besser können auch diese Technologien ihr Potenzial entfalten. Perspektivisch sehen wir insbesondere in der Digitalisierung und Konnektivität zusätzliche Nutzenpotenziale für klinische Anwender. Noch mag die umfassende Digitalisierung unserer mechanischen Systeme nach Zukunftsmusik klingen – für uns ist sie jedoch ein klarer Ansporn und ein wichtiger Teil unserer Innovationsagenda.

Wirtschaftsforum: Neben Ihrem europäischen Heimatmarkt und einer starken Präsenz in China, Japan und anderen asiatischen Ländern betreiben Sie auch eine eigene Niederlassung in den USA – liegt das an der bekannten Innovationsfreude des US-Marktes?

Matthias Schüle: Früher war ja eher Europa die Region, in der sich Medizinprodukte einfacher entwickeln und im Markt einführen ließen – nicht erst mit der EU MDR hat sich dieses Bild jedoch in der Tat geändert, denn in den USA ist die FDA mit klaren Fristen und vergleichsweise stabilen Rahmenbedingungen inzwischen die verlässlichere Behörde. Umgekehrt überlegen es sich viele amerikanische Player mittlerweile ganz genau, ob der europäische Markt für sie überhaupt interessant genug ist, um das langwierige und unübersichtliche Zulassungsverfahren zu durchlaufen – leider ein klarer Wettbewerbsnachteil und eine Bedrohung für unsere medizinische Versorgung in Europa.

Wirtschaftsforum: Woher nehmen Sie und Ihr Team trotzdem die Motivation, weiterhin den Weg der permanenten Innovation zu beschreiten?

Matthias Schüle: Wir haben nicht den Anspruch an uns, einfach nur ein weiteres Kopfhalterungssystem auf den Markt zu bringen – stattdessen wollen wir aus der Forschung einen klaren klinischen Nutzen ableiten und so auch in unseren Produkten umsetzen. Das motiviert mein Team und mich ungemein. Mit unserer Arbeit haben wir hinter Sachverhalte, die teilweise jahrzehntelang als Standard galten, ein Fragezeichen gesetzt und neue Antworten gefunden, aus denen sich dann auch ein deutlicher Mehrwert für das medizinische Fachpersonal und die Patienten ergab – und mit dieser Reise sind wir noch lange nicht am Ende der Möglichkeiten angekommen.

Wirtschaftsforum: Die aktuelle gesamtwirtschaftliche und geopolitische Lage dürfte derweil auch für Ihr Unternehmen eine Herausforderung darstellen.

Matthias Schüle: Für uns heißt das: Wir müssen resilienter werden, Risiken konsequent managen und zugleich entschlossen Effizienz- und Produktivitätssteigerungen vorantreiben. Entscheidend ist dabei, dass wir die Menschen in unserem Unternehmen mitnehmen und ihre Bedürfnisse nicht aus dem Blick verlieren. Genau aus diesem Grund haben wir vor zwei Jahren eine Strategie entwickelt, die uns bis 2031 als Leitbild dient. Sie soll uns helfen, nicht von Krise zu Krise zu reagieren, sondern langfristig, vorausschauend und unternehmerisch zu handeln.

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie vor diesem Hintergrund auf den Standort Deutschland?

Matthias Schüle: Ich sehe mich als Vertreter einer freiheitlichen und nachhaltigen Mitte, die meiner Meinung nach oft nicht laut genug ist. Mich sorgt, dass der Staat seit vielen Jahrzehnten die Menschen in eine Abhängigkeit getrieben hat, weil er überall helfen und Risiken abfedern will, damit am Ende aber alle schwächt. Stattdessen sollten wir mehr auf Eigenverantwortung, Unabhängigkeit, Nachhaltigkeit und Selbstwirksamkeit setzen. So werden wir stärker und resilienter zugleich.

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