New Work in Schwaben

Interview mit Ruben Weisser, Kaufmännischer Leiter der Betz Bürowelt GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Weisser, Betz Bürowelt wurde 1976 gegründet und ist Inbegriff für Lösungen rund um das Büro. Gab es besondere Meilensteine?

Ruben Weisser: Mein Großvater übernahm das Unternehmen 1989 und führte es 22 Jahre lang mit großem Erfolg. Betz Bürowelt genoss schnell einen sehr guten Ruf für Büro- und Objekteinrichtungen, Bürobedarf und Bürotechnik. Um dem Wachstum gerecht zu werden, wurde 2000 in Tübingen ein architektonisch beeindruckendes Gebäude errichtet, das die dynamische Unternehmensentwicklung widerspiegelt.

Wirtschaftsforum: Im März 2022 erwarb die Streit-Gruppe die Betz Bürowelt. Was bedeutet die Übernahme?

Ruben Weisser: Streit ist ähnlich aufgestellt wie wir, sodass beide Unternehmen von Beginn an sehr gut harmonierten. Durch die Zugehörigkeit ergeben sich für uns auf verschiedenen Ebenen wichtige Synergieeffekte. Dank der Streit Systec können wir heute zum Beispiel ein komplett neues Feld bedienen, das der großen Drucksysteme, Datenmanagementsysteme und Kollaborationssysteme, und sind damit in der Lage, komplett ausgestattete Konferenzräume für hybrides Arbeiten anzubieten. Mit der Partner AG, starker Partner der Streit-Gruppe, haben wir die Möglichkeit, mit Architekten und Innenarchitekten zu arbeiten, die uns bei Planung und Beratung unterstützen. Nicht zuletzt können wir auf das Streit-Lager in Gengenbach zurückgreifen, deshalb schneller liefern, bessere Preise und ein breiteres Produktportfolio, das auch Berufsbekleidung, Technik und Werbeartikel umfasst, anbieten; Produkte, die neu für uns sind.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich die Übernahme auf die Struktur ausgewirkt?

Ruben Weisser: Unser Haupt-standort ist nach wie vor Tübingen; hier sind 28 Mitarbeiter tätig. Streit ist in Gengenbach ansässig, wo die Gruppe ein Vorzeigegebäude für New Work etabliert hat, dass wir für Kundenevents nutzen – ein weiterer Synergieeffekt. Das Gebäude ist perfekt, um einen Blick auf die Arbeitswelt von morgen zu werfen. In Gengenbach hat man versucht, drei Elemente zu vereinen. Kultur, Technik und Shared Desk/Multispace Office sind hier die großen Themen. Streit wurde nicht ohne Grund als ‘Great place to work’ zertifiziert, regelmäßige Befragungen bestätigen, dass Mitarbeiter sich wohlfühlen.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie das Portfolio von Betz umschreiben?

Ruben Weisser: Für uns sind die Hersteller wichtig; wir arbeiten mit großen Namen wie Vitra und Sedus zusammen. Insbesondere diese Hersteller sind Vorreiter für New Work Offices. Bei den Produkten können wir als Multispezialist am Markt agieren und in allen Bereichen – Bürobedarf, Bürotechnik und Büro- und Objekteinrichtung – ein vielfältiges Portfolio anbieten.

Wirtschaftsforum: Das Schlagwort New Work taucht immer wieder auf. Was bedeutet es für Sie?

Ruben Weisser: Für viele bedeutet es nichts anderes als eine neue Büro- und Arbeitswelt. Mein Verständnis geht weit darüber hinaus; für mich steht New Work im direkten Zusammenhang mit Kultur, Technologie, Mitarbeiterpartizipation und Führungskräften, die vorangehen. Es geht um eine neue Form des Arbeitens, darum, Arbeitsplätze effizient zu nutzen, zum Beispiel durch Shared Desks und Clean Desks, die die Effizienz von Flächen steigern und andere Flächen frei machen für besondere Arbeitsmodi wie Fokusarbeit, Entspannung und Teamarbeit. Wir arbeiten deshalb mit dem ‘Office Lift’, einem Service, der Orientierung, Mitarbeiterbeteiligung, Planung und Umsetzung einer neuen Arbeitswelt umfasst. Wir fragen Mitarbeiter, wie sie arbeiten, was sie brauchen, wie viel Fokusarbeit stattfindet, wie viel Konferenzen. Auf der Basis erstellen wir ein Soziogramm, später treffen wir uns zu verschiedenen Workshops. Die Partizipation der Mitarbeiter ist essenzieller Bestandteil des New Work-Prozess.

Wirtschaftsforum: Wie kommt die neue Arbeitswelt in Gengenbach bei Kunden an?

Ruben Weisser: Die Kunden sind begeistert und wünschen diese Arbeitswelt für sich selbst. Gengenbach ist allerdings keine Blaupause; wir haben es mit Prozessen zu tun, die auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt sind.

Wirtschaftsforum: Kultur ist ein zentrales Stichwort in der New Work-Diskussion. Wie lässt sich die Kultur bei Betz charakterisieren?

Ruben Weisser: Wir leben eine offene Fehlerkultur und haben eine sehr familiäre, freundliche und wertschätzende Atmosphäre, geprägt von Offenheit, Transparenz und flachen Hierarchien. Uns ist es wichtig, die Mitarbeiter mit ins Boot zu holen; sie sollen Spaß an der Arbeit haben.

Wirtschaftsforum: Welche Themen, Herausforderungen und Visionen werden in Zukunft für Betz bedeutsam sein?

Ruben Weisser: Die Integration in die Streit-Welt läuft noch. Der nächste Punkt ist die Digitalisierung der Bürowelt. Langfristig wollen wir am Standort Tübingen der Platzhirsch für Büro- und Objekteinrichtung sowie Bürobedarf sein.

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