Biotreibstoff für Klimaziele!

Interview mit Dr. Edgar Ahn, CSO der BDI – BioEnergy International AG

1996 im Zuge eines Management-Buy-outs aus der Vogel & Noot-Gruppe gegründet, hat sich das Unternehmen, vormals BDI Anlagenbau GmbH, in Zusammenarbeit mit den Universitäten in Graz schon früh auf die Entwicklung von Verfahren zur Herstellung von Biodiesel konzentriert.

„Die Entdeckung von Biodiesel als Kraftstoff ist letztlich ein Resultat der Ölkrisen Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre“, erklärt Dr. Edgar Ahn, CSO der BDI – BioEnergy International AG. „Es ging darum, einen alternativen Kraftstoff zu finden, den man in Europa herstellen konnte. Man wollte autark und unabhängig vom Öl sein.“

Der CSO kennt sich mit dieser Thematik aus wie kaum ein anderer, denn er ist von Anfang an bei BDI dabei. In den 1990er-Jahren schrieb er seine Dissertation an der TU Graz zum Thema Biodiesel, wurde 1998 vom Unternehmen übernommen.

Zunächst in Forschung und Entwicklung, später in Vertrieb und Marketing tätig, hat er alle Höhen und Tiefen der Branche miterlebt. „Biodiesel und Bioethanol wurden zuerst als das Mittel gefeiert, mit dem sich die erstrebte Unabhängigkeit erreichen ließ. Dem Boom Mitte bis Ende der 2000er-Jahre folgte nach der Änderung der politischen Rahmenbedingungen jedoch eine Lethargie, die immer noch anhält – das Streben nach Autarkie ist der politischen Diskussion völlig verloren gegangen, wir sind heute abhängiger denn je“, bedauert Dr. Edgar Ahn.

Der CSO wünscht sich, dass die EU ihre Ziele hinsichtlich alternativer Kraftstoffe konsequent verfolgt: „Man spricht davon, dass Klimaziele erfüllt werden müssen – ein geeignetes Mittel dazu sind eben Biokraftstoffe, die wir umwelt- und klimaschonend produzieren können. Hier ist die Politik gefragt!“

Drei Standbeine

Der Spezialanlagenbau im Bereich Biodiesel und Biogas ist das erste der drei Standbeine des Unternehmens. Hier geht es um die Verwertung von Abfallfetten, beispielsweise aus der Tierkörperverwertung.

Dr. Edgar Ahn
„Biokraftstoffe werden gebraucht, wenn Klimaziele erfüllt werden sollen. Wir können sie umwelt- und klimaschonend produzieren.“ Dr. Edgar AhnCSO

„Wir haben damals von der BSE-Krise profitiert, denn wir konnten eine sichere Entsorgung und Verwertung der als Risikomaterial eingestuften Abfallfette garantieren“, erinnert sich Dr. Edgar Ahn.

Auch die Entsorgung von Altölen aus der Lebensmittelverarbeitung gehört dazu, weswegen Abfallverwertungs- und Recyclingfirmen sowie Schlachthäuser in diesem Bereich zu den Kunden gehören. Es gibt bereits mehr als 40 Referenzanlagen in Europa, den USA und Asien, wobei 90% aller Aufträge von außerhalb Österreichs stammen.

Für ein gemeinsam mit der Brau Union in Göss realisiertes Projekt wurde BDI mit dem Energy Globe Styria Award 2016 ausgezeichnet. „Ein Vorzeigeprojekt, das verdeutlicht, wie Biogastechnologie in die Lebensmittelindustrie Einzug halten und CO2 reduzieren kann. Es ist die erste grüne Großbrauerei weltweit, die CO2-neutral produziert“, unterstreicht Dr. Edgar Ahn.

Mit der bei Frankfurt ansässigen UIC GmbH, der 2009 übernommenen Tochterfirma, die Separationslösungen im Bereich Destillation und Chemical Processing anbietet, hat BDI einen zweiten Geschäftsbereich etabliert.

„Mit unserer Tochterfirma in Deutschland sind wir so mittlerweile auch in anderen Bereichen präsent“, so der CSO. Dies ist ein erklärtes Ziel, denn das Hauptaugenmerk des Unternehmens liegt auf der Entwicklung neuer Produkte und Serviceleistungen.

Hier setzt auch der dritte und neueste Geschäftsbereich an: Mit BDI BioLife Science ist die Firma in die Produktion von Algenbiomasse als Grundlage für Algenwertstoffe eingestiegen. In der Steiermark wird derzeit eine Produktionsanlage errichtet, die 2017 an den Start geht.

„Unsere großen Pluspunkte sind das Know-how unserer Mitarbeiter und unsere Forschungsstärke“, macht Dr. Edgar Ahn deutlich. 12 der 125 Mitarbeiter sind in der Forschung tätig, und bis zu 10% des Jahresumsatzes, der 2015 bei 33 Millionen EUR lag, werden am Hauptstandort Grambach in Forschung und Entwicklung investiert.

Zielorientiertes Marketing wird über Fachkongresse und -messen betrieben, wobei das persönliche Gespräch das Wichtigste ist. “In der EU liegt es an der Politik, dafür Sorge zu tragen, was nach 2020 kommt. Forschung muss auch gefördert werden“, macht der CSO seinen Anspruch klar. „Wir streben für die Zukunft an, einen Teil unseres Umsatzes mit erneuerbaren Energien zu erwirtschaften, aber vor allem auch den neuen Bereich BioLife Science weiter auszubauen. Dort sehen wir noch großes Potenzial.“

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