Willkommen zu Hause

Interview mit Jürgen Mauer, Geschäftsführer der Bauunternehmen und Planungsbüro Günter Terfehr Bautechniker GmbH & Co.KG

Wirtschaftsforum: Was sind heute die wichtigsten Geschäftsbereiche von Günter Terfehr?

Jürgen Mauer: Nach wie vor sind Einfamilienhäuser der Schwerpunkt des Geschäftes. Wir erstellen rund 70 schlüsselfertige Einfamilienhäuser im Jahr. Dabei bieten wir in Massivbauweise unterschiedlichste Häusertypen und -stilrichtungen an, arbeiten darüber hinaus aber auch individuell auf Kundenwunsch. Wir arbeiten mit Musterhäusern, da so oft die Kalkulation und Planung erleichtert werden und unseren Kunden durch unseren Katalog unmittelbar ein visuelles Angebot vorliegt. Seit einiger Zeit sind wir auch im Projektentwicklungsgeschäft aktiv, vor allem im Bereich der Mehrfamilienhäuser. Zudem bauen wir im Projektgeschäft auch Wohnanlagen für Senioren, die über ambulante Pflegedienste betreut werden.

Wirtschaftsforum: Welche Trends stellen Sie im Gespräch mit Ihren Kunden am Markt fest?

Jürgen Mauer: Barrierefreies und seniorengerechtes Wohnen sind aktuelle Themen. Darüber hinaus werden die Wohnflächen kleiner. Die klassischen Mehrgenerationenhäuser werden immer weniger nachgefragt.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit bei Ihnen im Unternehmen, aber auch bei Ihren Kunden?

Jürgen Mauer: Die Affinität der Kunden zu den unterschiedlichen Energiestandards ist divers. Man sollte sich mit den Fördermöglichkeiten beschäftigen. Wir möchten in der nächsten Zeit den Holzrahmenbau forcieren, da hier deutlich bessere Energiebilanzen erreicht werden können. Grundsätzlich sind unsere energieeffizienten Häuser alle nachhaltig. Wir sind offen für neue Materialien, die nachhaltige Verbesserungen bringen. Aktuell stellen wir, soweit möglich, unseren Fuhrpark umweltfreundlich um.

Wirtschaftsforum: In welchen Bereichen beeinflusst die Digitalisierung Ihr Geschäft?

Jürgen Mauer: Unser Produkt, das Haus, ist analog, auch wenn sich Themen wie Smart Home am Markt immer stärker durchsetzen. Das Thema Digitalisierung hat für uns eine interne und auch eine externe Komponente. Intern arbeiten wir mit BIM, ermöglichen eine 3D-Visualisierung. Künftig wird diese auch über VR-Brillen nutzbar sein. So kann man auf der Basis der Zeichnung direkt die Massen ermitteln und eine Kalkulationsgrundlage schaffen. Darüber hinaus arbeiten wir an einer Bauherren-App, die den gesamten Bauablauf und die Bemusterung abdecken wird. Damit lässt sich der gesamte Bauprozess digital verfolgen. In unserer Ausstellung haben wir einen digitalen Tisch, an dem die Bauherren spielerisch über Klicks ihre favorisierten Materialien aussuchen können. Die Digitalisierung bedeutet intern insbesondere Prozessoptimierung, ob in der Kommunikation über TEAMS oder über Cloud-Lösungen für die Datenablage.

Wirtschaftsforum: Was steht auf Ihrer Agenda 2022?

Jürgen Mauer: Wir erwarten, dass der Markt für Einfamilienhäuser auch im nächsten Jahr konstant ist. Wir gehen davon aus, dass unser Kernwachstum in den nächsten Jahren auch aus dem Bereich der Projektentwicklung kommt. Der Fachkräftemangel, zum Beispiel bei Bauleitern, wird uns sicherlich auch weiterhin beschäftigen. Deshalb werden wir daran arbeiten, unsere internen Prozesse zu verbessern. Aktuell haben wir in Leer ein großes Projekt mit insgesamt 130 Wohneinheiten. Auch hier ist die Personalkapazität entscheidend für eine fristgerechte Fertigstellung.

Wirtschaftsforum: Das Unternehmen wird durch die zweite Familiengeneration geführt. Welche langfristigen Pläne haben Sie für das Unternehmen?

Jürgen Mauer: In den vergangenen Jahren sind wir kontinuierlich gewachsen. Wir sind zuversichtlich, dass wir diesen Kurs fortsetzen können und möchten in den kommenden sechs Jahren den Umsatz um mindestens 30% steigern. Dabei legen wir unseren Fokus auf regionales Wachstum, möchten uns Richtung Oldenburg oder noch weiter nördlich zur Küste entwickeln. Darüber hinaus werden wir unsere Projektentwicklung vorantreiben, auch in städtischen Regionen. Wir werden im Holzrahmenbau aktiver und werden dazu in unserer Zimmer- und Dachdeckerfirma erhebliche Investitionen vornehmen. Auch den Vorfertigungsgrad werden wir erhöhen, um die Abläufe auf der Baustelle zu erleichtern. Sicherlich wird auch der Bereich der Sanierung interessant. Wenn die Generation der Babyboomer nicht mehr die großen Häuser bewohnt, wird hier eine weiter steigende Nachfrage entstehen. Man wird an Umnutzung denken müssen. Dazu haben wir bereits ein schlagkräftiges Team aufgestellt. So zeichnen sich also in verschiedenen Marktsegmenten Perspektiven ab. Insgesamt blicken wir zuversichtlich in die Zukunft.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Bau

Ganzheitliche Baustellenorganisation

Interview mit Gijs Bont, CEO der A.I.C. Visser Groothandel B.V.

Ganzheitliche Baustellenorganisation

Bau- und Infrastrukturprojekte werden komplexer, während Effizienz und Nachhaltigkeit an Bedeutung gewinnen. Gefragt sind Partner, die Baustellen nicht nur beliefern, sondern Prozesse ganzheitlich begleiten. Die A.I.C. Visser Groothandel B.V. verbindet…

Von der Natur inspiriert – Bambus­lösungen für Architektur und Industrie

Interview mit Michael van Houten, Commercial Unit Manager DACH & NEEU der Moso International B.V.

Von der Natur inspiriert – Bambus­lösungen für Architektur und Industrie

Nachhaltige Rohstoffe prägen die Zukunft der Bau- und Werkstoffindustrie – denn klimafreundliche Materialien mit hoher technischer Leistungsfähigkeit werden weltweit zunehmend gefragt. Moso International B.V. gehört zu den Pionieren auf diesem…

Gute Architektur braucht gemeinsame Verantwortung

Interview mit Prof. Ulf Hestermann, Gründungspartner, Architekt, & Stadtplaner BDA und Michael Rommel, Partner, Architekt & Bauingenieur BDA der hks | architekten GmbH

Gute Architektur braucht gemeinsame Verantwortung

Seit mehr als vier Jahrzehnten steht hks architekten für eine Architektur, die Verantwortung übernimmt – für Menschen, Ressourcen und Prozesse. Im Gespräch mit Wirtschaftsforum erläutern Prof. Ulf Hestermann und Michael…

Spannendes aus der Region Landkreis Emsland

Verpackungen, die es in sich haben

Interview mit Florian Münch-Glatzer, Geschäftsführer der Oldenburger Kartonagen-fabrik U. Burmeister GmbH

Verpackungen, die es in sich haben

Seit über fünf Jahrzehnten ist die Oldenburger Kartonagenfabrik U. Burmeister GmbH mit Sitz in Bad Zwischenahn ein zuverlässiger Partner für individuelle Verpackungslösungen aus Wellpappe. Was als klassische Kartonagenproduktion begann, hat…

Gebäude zum Leuchten bringen

Interview mit Holger Focken, Geschäftsführer der Natelberg Gebäudetechnik GmbH

Gebäude zum Leuchten bringen

Von Wärme und Raumklima über Licht bis zur Ver- und Entsorgung: Die Natelberg Gebäudetechnik GmbH mit Sitz in Rhauderfehn bietet ein breites Spektrum moderner Gebäudetechnik aus einer Hand. So realisiert…

„Nachhaltigkeit ist kein Luxus,  sondern eine Notwendigkeit“

Interview mit Hartmut Schoon, CEO der Enneatech AG

„Nachhaltigkeit ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit“

Die Recyclingbranche steht vor einer enormen Herausforderung: Wie lässt sich Kunststoff nachhaltig wiederverwerten, ohne auf Qualität zu verzichten? Die Enneatech AG aus Ostfriesland hat sich dieser Frage gestellt – und…

Das könnte Sie auch interessieren

Serielle Baukonzepte für einen veränderten Markt

Interview mit Mario Haubner, Geschäftsleiter und Stefanie Haubner, Geschäftsleiterin der Haubner Holding GmbH

Serielle Baukonzepte für einen veränderten Markt

Modulares Bauen gewinnt angesichts steigender Kosten und hoher Zinsen zunehmend an Bedeutung. Die Haubner Holding GmbH setzt dabei auf industrielle Vorfertigung, klare Prozesse und eine strategisch breit angelegte Ausrichtung. Mario…

Vom Werk zur Baustelle in Rekordzeit

Interview mit DI (FH) Michael Schranz, Geschäftsführer und Günther Greistorfer, Prokurist der G.V. Haustechnik – Montage und Service GmbH

Vom Werk zur Baustelle in Rekordzeit

Effizienz, Qualität und Nachhaltigkeit – drei Schlagworte, die bei der G.V. Haustechnik – Montage und Service GmbH keine leeren Versprechen sind, sondern gelebte Praxis. Als jüngstes Mitglied der Handler Gruppe…

„Mich interessieren nur Bauaufgaben mit gesellschaftlicher Relevanz!“

Interview mit Jan Hinnerk Meyer, Geschäftsführer der Meyer Architekten GmbH

„Mich interessieren nur Bauaufgaben mit gesellschaftlicher Relevanz!“

Seit vielen Jahrzehnten bringt sich die Meyer Architekten GmbH aus Düsseldorf in die Errichtung von Laborgebäuden, Bildungseinrichtungen und Kulturstätten ein. Inhaber Jan Hinnerk Meyer könnte sich keinen anderen Wirkungskreis vorstellen…

TOP