Den Krebs dort angreifen, wo er sich versteckt
Interview mit Dr. Matthias Wiedenfels, Chief Executive Officer der BioCopy AG

Viele moderne Krebstherapien stoßen dort an ihre Grenzen, wo sich krankheitsauslösende Veränderungen im Inneren der Zellen verbergen. Genau hier setzt die BioCopy AG an. Das Unternehmen entstand 2019 zunächst als Impfstoffentwickler und wurde 2023 strategisch neu ausgerichtet. Heute bündelt es verschiedene Technologien und wissenschaftliche Kompetenzen in einer Plattform zur Entwicklung innovativer Krebsmedikamente. Dr. Matthias Wiedenfels, Chief Executive Officer der BioCopy AG, brachte seine Erfahrung aus der Pharmaindustrie sowie ein eigenes Technologieunternehmen in die neue Struktur ein. Gemeinsam mit internationalen Wissenschaftlern, darunter Nobelpreisträger und Spezialisten aus Biotechnologie, Informatik und Molekularbiologie, verfolgt BioCopy einen ganzheitlichen Ansatz. Ziel ist es, das Immunsystem dabei zu unterstützen, Krebszellen zuverlässig zu erkennen und gezielt zu bekämpfen. „Im Grunde ermöglichen wir nur, dass das Immunsystem seinen Job macht, den es nicht machen kann, weil der Krebs sich so gut versteckt“, beschreibt Dr. Matthias Wiedenfels den Grundgedanken.
Daten als Schlüssel zur Präzision
Herzstück der Entwicklung ist eine Kombination aus Hochdurchsatz-Screening, Mikrofluidik und künstlicher Intelligenz. Während herkömmliche Verfahren mögliche Wirkstoffkandidaten oft einzeln testen, analysiert BioCopy zehntausende Molekülvarianten parallel. Die dabei gewonnenen Daten fließen in eine eigens entwickelte KI ein, die immer präzisere Vorhersagen über Erfolg und Sicherheit neuer Antikörper ermöglicht. Nach Angaben des Unternehmens entsteht so eine weltweit einzigartige Datenbasis für intrazelluläre Zielstrukturen. Aktuell beschäftigt BioCopy 36 Mitarbeitende an den Standorten Basel und Emmendingen. Fünf Entwicklungsprogramme laufen parallel, das am weitesten fortgeschrittene richtet sich gegen Lungenkrebs und soll im kommenden Jahr in die klinische Entwicklung übergehen. Langfristig sieht Dr. Matthias Wiedenfels das Potenzial der Technologie weit über die Onkologie hinaus. Auch Anwendungen gegen Autoimmunerkrankungen oder neurodegenerative Erkrankungen seien grundsätzlich denkbar. Angetrieben wird er dabei von der Überzeugung, an einer Technologie mit außergewöhnlicher Tragweite zu arbeiten: „Ich habe noch nie etwas gesehen, das so ein gewaltiges Versprechen birgt.“ Für BioCopy ist genau diese Perspektive der Antrieb, wissenschaftliche Grenzen weiter zu verschieben.










