Die Zukunft liegt unter der Erde
Interview mit Laurence Delplace, CEO Amberg Engineering

Wirtschaftsforum: Frau Delplace, wie begann Ihre Begeisterung für den Tunnelbau?
Laurence Delplace: Das Ingenieurwesen liegt gewissermaßen in meiner Familie. Mein Vater und mein Großvater waren Ingenieure, und bereits als Kind faszinierte mich der Bau des Kanaltunnels zwischen Frankreich und England. Später studierte ich Bauingenieurwesen an der EPFL in Lausanne und spezialisierte mich auf den Tunnelbau. Nach einigen Jahren bei einem Hersteller von Tunnelbohrmaschinen wechselte ich 2013 zu Amberg Engineering. Das Unternehmen kannte ich bereits aus meiner Diplomarbeit über den Gotthard-Basistunnel.
Wirtschaftsforum: Was zeichnet Amberg Engineering im Markt aus?
Laurence Delplace: Amberg genießt weltweit einen hervorragenden Ruf im Tunnelbau. Unsere Wurzeln liegen im alpinen Felsbau, doch wir haben unser Leistungsspektrum konsequent weiterentwickelt – hin zu urbanen Tunneln, Metrosystemen und angrenzenden Infrastrukturthemen. Dabei verstehen wir uns bewusst als Spezialist. Wir konkurrieren nicht über Volumen, sondern über Qualität, Exzellenz und Verlässlichkeit.
Wirtschaftsforum: Welche Projekte verdeutlichen diese Kompetenz?
Laurence Delplace: Zu unseren Referenzen zählen der Gotthard- und der Brenner-Basistunnel sowie die Metrolinie 15 in Paris. Aktuell arbeiten wir an der Machbarkeitsstudie für das Einstein-Teleskop, eine unterirdische Forschungsanlage zur Messung von Gravitationswellen. Solche Projekte sind technisch außerordentlich anspruchsvoll und haben zugleich eine große gesellschaftliche Wirkung. Genau das begeistert unsere Mitarbeiter.
Wirtschaftsforum: Wie verändert die Digitalisierung Ihre Arbeit?
Laurence Delplace: Die Entwicklung von CAD zu BIM war erst der Anfang. Heute eröffnen digitale Zwillinge, automatisiertes Monitoring und künstliche Intelligenz völlig neue Möglichkeiten. Tunnelinspektionen können beispielsweise mit Scannern und Fotogrammetrie unterstützt werden. KI hilft anschließend, Schäden zu bewerten und Instandhaltungsmaßnahmen vorausschauend zu planen. Sie ersetzt dabei nicht den Ingenieur, sondern macht dessen Arbeit effizienter und fundierter.
Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen beschäftigen die Branche?
Laurence Delplace: Neben dem Fachkräftemangel spüren wir vor allem wirtschaftliche Unsicherheit und einen zunehmenden Wettbewerbsdruck. Zugleich werden Infrastrukturprojekte immer komplexer. Entscheidend ist deshalb eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern, Planern und Bauunternehmen. Neue Vertragsmodelle können helfen, Schnittstellen besser zu steuern und Risiken gemeinsam zu tragen. Für uns liegt darin auch eine Chance: Gerade in einem konsolidierenden Markt können wir uns mit Spezialisierung, fundierter Beratung und hoher technischer Qualität klar positionieren.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit?
Laurence Delplace: Nachhaltigkeit entsteht durch viele Entscheidungen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks. Dazu gehören emissionsärmere Baustoffe, optimierte Konstruktionen mit geringerem Materialbedarf und eine möglichst lange Nutzungsdauer. Auch Metrotunnel leisten einen wichtigen Beitrag, weil sie leistungsfähigen öffentlichen Verkehr ermöglichen. Nachhaltiges Handeln beginnt für uns bereits bei der Planung.
Wirtschaftsforum: Wohin entwickelt sich Amberg Engineering in den kommenden Jahren?
Laurence Delplace: Wir werden unsere Kernkompetenz im Untertagebau bewahren und uns gleichzeitig in zwei Richtungen weiterentwickeln: Einerseits wollen wir unsere Kunden über den gesamten Lebenszyklus ihrer Infrastruktur begleiten – von der Planung über den Bau bis zu Inspektion, Monitoring und Instandhaltungsstrategien. Andererseits erschließen wir neue Anwendungen des Untergrunds, etwa im Bergbau, in der Geothermie, bei unterirdischen Energiesystemen und möglicherweise auch bei Rechenzentren. Ich bin überzeugt: Die Zukunft liegt unter der Erde.










