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Fehler zu machen und daraus zu lernen, ist ausdrücklich erlaubt – ja sogar erforderlich

Interview mit Ralf Kleber, Country Manager Amazon.de

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Wirtschaftsforum: Herr Kleber, Sie begannen Ihre Karriere 1999 bei dem damals in Deutschland noch relativ unbekannten Unternehmen Amazon. Heute gehört das ehemalige Start-up zu einem der größten Handels- & E-Commerce-Unternehmen der Welt. Hätten Sie bei Ihrem ersten Arbeitstag je gedacht, dass die digitale Welt und insbesondere der Online-Handel sich in den letzten 20 Jahren so schnell entwickelt?

Ralf Kleber: Für mich gilt heute wie damals: Die Zukunft kann man nicht voraussagen – aber man kann sie gestalten. Als meine Zeit bei Amazon 1999 begann, hatten wir alle noch keine konkrete Vorstellung davon, wie schnell die Digitalisierung unsere Lebenswelten, den Kunden und damit den Einkauf verändern würde. Damals brauchte es noch ein quietschendes 56k Modem, um sich ins Internet einzuwählen. Das ist für junge Menschen heute glücklicherweise nur noch schwer vorstellbar. Man hat damals schon etwas Phantasie gebraucht, um vorherzusehen, was passieren könnte. Aber von einem waren wir bei Amazon schon damals überzeugt: Das Internet wird wahnsinnig spannende Entwicklungen mit sich bringen und unendlich viele Möglichkeiten bieten. Und die zu gestalten war für mich von Tag 1 an enorm spannend.

Wirtschaftsforum: Was war für Sie die erste ‘Initialzündung’, Ihr persönlicher Antrieb für Ihre Tätigkeit in der E-Commerce-Branche?

Ralf Kleber: Ich wollte an etwas Neuem teilhaben – Pionierarbeit leisten. Es entstanden zu dieser Zeit viele junge Firmen, geleitet von unternehmerisch denkenden Menschen. Die Dynamik nahm spürbar zu – das war schon damals inspirierend. Auch heute entwickelt sich die Geschäftswelt ständig weiter und bietet uns jeden Tag neue Chancen und Herausforderungen. Wenn ich morgens meinen Arbeitstag beginne, weiß ich selten, was der Tag an Neues bringen wird. Heute wie damals ist die einzige Konstante die Veränderung. Deshalb pflegen wir auch das Bild des Tag 1, der niemals endet. Was mich daran besonders fasziniert ist, dass wir jeden Tag experimentieren und den Mut aufbringen dürfen, neue Dinge zu probieren – auch wenn nicht alle Ideen zum Erfolg führen werden.

Wirtschaftsforum: Nun sind Sie der am längsten im Amt befindliche Country Manager von Amazon und führen erfolgreich ein Team von über 16.000 Mitarbeitern in Deutschland. Alleine in 2018 sollen 2.000 neue Mitarbeiter hinzukommen. Was treibt Sie täglich an, immer wieder neue Projekte zu starten und woher bekommen Sie die Energie?

Ralf Kleber: Erfinden und Erneuern ist für uns alle wie Essen und Trinken, ist Teil unserer DNA. Ausprobieren, auch mal Fehler zu machen und daraus zu lernen, ist ausdrücklich erlaubt – ja sogar erforderlich. Wir pflegen eine Kultur des ‘Institutional Yes’, eine Kultur des institutionalisierten Befürwortens neuer Ideen. Konkret heißt das: Jeder darf damit rechnen, dass sich Kollegen mit einer neuen Idee wirklich auseinandersetzen – und das mit dem Ziel sie erfolgreich zu machen und nicht sie zu beerdigen. Das ist ein sehr inspirierendes Umfeld, zu dem alle Mitarbeiter beitragen.

Wirtschaftsforum: Aufgrund Ihrer jahrelangen Erfahrungen im E-Commerce-Bereich: Welchen Tipp würden Sie Unternehmern, Führungskräften oder Neugründern an die Hand geben, um Ihre Geschäftsidee erfolgreich zu verfolgen?

Ralf Kleber: Was uns bei Amazon hilft und leitet ist der unbeirrbare Fokus auf unsere Kunden und auf die Bedürfnisse, die sich beim Kunden über einen langen Zeitraum nicht geändert haben und wahrscheinlich auch nie ändern werden. Für unsere kaufenden Kunden sind das schnelle Lieferung, gute Preise, große Auswahl. Jede Minute, die wir damit verbringen diese Grundzutaten einer positiven Kauferfahrung zu verbessern, ist bestens investierte Zeit. Ich kann jeden nur ermutigen, in den Entdecker-Modus für die eigenen Kunden zu schalten – egal wie groß oder klein ihr Unternehmen ist.

Wirtschaftsforum: Kaum ein Unternehmen wächst so schnell wie Ihres – und dies in allen Bereichen: im Digitalangebot, dem Cloudgeschäft, beim Thema Drohnen, dem Paketgeschäft und vielem mehr. Die Shops in Seattle und New York sind bereits eröffnet. Jedoch ist das Geschäftsmodell des ‘klassischen Buchladens’ ja nicht neu und der Markt stark umkämpft. Was versprechen Sie sich davon?

Ralf Kleber: Wir glauben an Vielfalt und an das Zusammenspiel von Online und Offline – denn so shoppen die meisten unserer Kunden. Obwohl wir uns bei Amazon natürlich primär als Digitalisierer verstehen, werfen wir Bewährtes keinesfalls über Bord. Mit unseren Amazon Bookstores in den USA feiern wir das gedruckte Buch und bieten unseren Kunden eine Vielzahl an Büchern, die beispielsweise anhand von online Kundenbewertungen ausgewählt werden. Für uns ist es wichtig, unsere Kunden auch weiterhin für das Lesen zu begeistern. Den einfachen Zugang zu spannenden Inhalten halten wir für einen entscheidenden Faktor – unabhängig von Format, Kanälen oder Vertriebsarten.

Wirtschaftsforum: Das Geschäftsfeld „Bestellung frischer Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs“ ist ein weiterer Markt, der boomt. In Berlin und München bieten Sie mit Prime Now Ihren Kunden bereits die Möglichkeit, Ihren Einkauf komplett ‘online’ auszuführen. Gehen Sie überhaupt selber noch ‘offline’ einkaufen?

Ralf Kleber: Natürlich, sogar sehr regelmäßig! Beim Einkaufen nutzen die meisten Menschen viele verschiedene Kanäle, ich auch. Da ist der Bäcker, der Bioladen, der Supermarkt um die Ecke und auch Online ist dabei. Kunden lieben Vielfalt, nicht nur im Sortiment. Und da bieten wir mit Prime Now und AmazonFresh Wege, frische Lebensmittel online zu bestellen.

Wirtschaftsforum: So komplex Ihre Sprachassistentin auch ist, eine Antwort kann Alexa ja leider ‘noch’ nicht beantworten: die Frage nach der Zukunft. Wenn Sie jedoch einen kurzen Blick in Zukunft werfen könnten, wo würden Sie Ihr Unternehmen Amazon.de in 5 bis 10 Jahren sehen?

Ralf Kleber: Ich habe keine Glaskugel und tatsächlich denken wir bei Amazon auch gar nicht so sehr darüber nach, wie die Zukunft aussehen wird. Wesentlich wichtiger ist sich darauf einzustellen, dass sich vieles ändern wird und sich zu trainieren, damit umzugehen. Denn das Morgen wird schon wieder ganz anders aussehen als wir es uns heute vorstellen können. Und darauf reagieren wir bei Amazon mit der Haltung eines ‘Institutional Yes’ und der Bereitschaft, die Zukunft mitzugestalten.

Wirtschaftsforum: Eine persönliche Frage zum Schluss: Sie gelten als großer Fan von Thrillern und Musikgruppen wie Pink Floyd oder AC/DC. Wenn wir ‘Ihre’ Alexa fragen würden, welches Hörbuch oder Musikalbum würde sie von Ihnen aktuell spielen und warum?

Ralf Kleber: Ziemlich wahrscheinlich würde ihnen Alexa ein Album von Metallica oder AC/DC anspielen – meine Klassiker eben. Beim Audible Hörbuch stecke ich noch im neunten Band von Kommissar Kluftinger eine Serie, bei der man nicht aufhören kann, hat man erst einmal damit begonnen.

Interview: Andreas Detert | Fotos: Amazon Deutschland

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