Zwei Verfahren unter einem Dach

Interview

Aluminium Laufen ist auf die Fertigung von Aluminium-Halbzeugen spezialisiert. "Wir produzieren Gussteile und Strangpressprofile aus Aluminium mit hohen Anforderungen an Qualität und Präzision", beschreibt Gesamtgeschäftsführer Patrick Villiger die Kernkompetenz des Unternehmens, das heute zu den führenden aluminiumverarbeitenden Betrieben in der Schweiz gehört.

Gegründet wurde die Firma 1927 im Ort Laufen. Anfangs lag der Fokus auf der Herstellung von Aluminiumguss und Alubehältern. Einen Meilenstein kennzeichnet das Jahr 1935, als man die erste Strangpressanlage selbst entwickelte und herstellte. 1961 wurde in Liesberg, nur 5 km entfernt von Laufen, ein neues Strangpresswerk in Betrieb genommen, um der weiteren Expansion Rechnung zu tragen.

1993 zogen dann die Gießerei und die Verwaltung ebenfalls nach Liesberg um, so dass der gesamte Betrieb sich wieder an einem Standort befand. In den Folgejahren erfolgten weitere Investitionen in noch leistungsfähigere Strangpressen, eine moderne Bolzengießerei, zusätzliche Niederdruck-Kokillengießmaschinen, Hochproduktions-Kreissägeautomaten und neue Profilbearbeitungszentren.

„Wir verfügen über eine besonders ausgeprägte Kompetenz in der Oberflächenqualität.“ Patrick VilligerGesamtgeschäftsführer

2005 wurde das Unternehmen im Rahmen einer Nachfolgeregelung von einer Gruppe neuer Aktionäre übernommen. "Seitdem befindet sich Aluminium Laufen in Besitz mehrerer Unternehmer aus der Region", erläutert Patrick Villiger. "Dabei halten vier Hauptaktionäre 85% der Firmenanteile."

40.000 unterschiedliche Profile

Aluminium Laufen beschäftigt heute rund 300 Mitarbeiter, davon 200 im Strangpresswerk und 100 in der Gießerei. Der Umsatz beträgt 120 Millionen CHF – Tendenz steigend. "Wir verzeichnen zurzeit eine leicht positive Entwicklung", so Patrick Villiger. "Unser Geschäft ist stark abhängig von den Rohstoffpreisen."

Aluminium Laufen produziert jährlich über 22.000 t Aluminiumprofile in mehr als 40.000 unterschiedlichen Querschnitten. Außerdem fertigt das Unternehmen pro Jahr 1.600 t Gussteile. Dabei kommen mehr als 2.000 verschiedene Gießformen zum Einsatz. Neben einem umfangreichen Sortiment an Standardprofilen bietet Aluminium Laufen auch die Fertigung von kundenspezifischen Spezialprofilen.

"Wir entwickeln neue Produkte oft mit dem Kunden gemeinsam, da wir über das entsprechende Know-how für den Herstellungsprozess verfügen", sagt Patrick Villiger. Zu einer der besonderen Stärken des Unternehmens gehört die Herstellung von isolierten Profilen für den Fenster- und Fassadenbau. Darüber hinaus können alle Profile auch weiterverarbeitet und montagefertig ausgeliefert werden.

"Wir verfügen über eine besonders ausgeprägte Kompetenz in der Oberflächenqualität", erklärt Patrick Villiger. "Deshalb sind wir vor allem auf Märkte mit hohen Qualitätsanforderungen fokussiert." So beliefert Aluminium Laufen Kunden aus den Bereichen Bauwesen, Maschinen- und Apparatebau, Medizintechnik, Möbelproduktion und Automobilbau.

"Wir stellen Aluminium-Profile in nahezu allen denkbaren Formen und Legierungen her", so Patrick Villiger. "Dies macht sie fast unbegrenzt einsetzbar." Das zweite Produktsegment, Aluminium-Gussteile, greift auf drei verschiedene Gussverfahren zurück, je nach Anwendungszweck.

„Wir investieren zurzeit 30 Millionen CHF in eine vierte Strangpresslinie.“ Patrick VilligerGesamtgeschäftsführer

"Wir können Gussteile mit dem Kokillenguss-, dem Niederdruckguss- oder dem Druckguss- Verfahren fertigen, was in der Branche eine absolute Besonderheit darstellt", erläutert Patrick Villiger. Die benötigten Gussformen werden fast alle im eigenen Betrieb gefertigt, so dass man flexibel auf individuelle Kundenwünsche reagieren kann. Gussteile werden vorwiegend an namhafte Kunden aus den Branchen Elektrotechnik, darunter ABB und Siemens, Maschinen- und Apparatebau und Autoindustrie geliefert.

Die Hauptabsatzmärkte liegen in der Schweiz und im benachbarten Ausland. Rund 45% der Erzeugnisse gehen ins Ausland, insbesondere nach Deutschland und Frankreich.

Immer die beste Kundenlösung

Das Erfolgsmodell von Aluminium Laufen beruht darauf, dass man – als einer von nur wenigen aluminiumverarbeitenden Betrieben – zwei völlig unterschiedliche Produktionsverfahren unter einem Dach vereint. "Wir beraten unsere Kunden unabhängig vom Verfahren und bieten ihm so die jeweils beste Lösung", erklärt Patrick Villiger. "Es kommt zum Beispiel vor, dass ein Kunde mit einer Anfrage zu einem Gussteil kommt und wir ihm dann raten, dieses Teil mittels Strangpressverfahren herstellen zu lassen, weil es in diesem Fall die bessere Lösung für den Kunden darstellt."

Zu den Erfolgsfaktoren von Aluminium Laufen zählen ein hochautomatisiertes Werk mit modernsten Produktionsanlagen, technisch hervorragend geschultes Personal mit hohem Qualitätsbewusstsein und meist langjähriger Betriebszugehörigkeit sowie extrem niedrige Ausschuss- und Reklamationsraten.

In den kommenden Jahren will das Unternehmen seine führende Marktposition in der Schweiz weiter ausbauen. Dazu gehört auch, dass die Produkte zukünftig noch individueller werden. "Wir investieren zurzeit 30 Millionen CHF in eine vierte Strangpresslinie", so Patrick Villiger. "Dies bedeutet eine erhebliche Kapazitätserweiterung und führt zu einer Erhöhung der Flexibilität sowie zu einer schnelleren Auftragsausführung und Belieferung unserer Kunden."

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Industrielle Zulieferer

Eine exzellente Verbindung

Interview mit Roger Gojo, Geschäftsführer der Howag Kabel AG

Eine exzellente Verbindung

„Wir möchten keine Masse, sondern Sicherheit, Qualität und Langlebigkeit.“ Mit diesen Worten beschreibt Roger Gojo, Geschäftsführer der Howag Kabel AG, die Philosophie des Unternehmens, das in diesem Jahr sein 90-jähriges…

Tradition trifft Innovation im Kiesgeschäft

Interview mit Caroline Held, Geschäftsführerin und Otto-Wilhelm Held, Geschäftsführer der Kändler-Held GmbH

Tradition trifft Innovation im Kiesgeschäft

Die Kändler-Held GmbH, ein traditionsreiches Unternehmen aus Petershagen, wird heute in 3. und 4. Generation von Otto-Wilhelm Held und seiner Tochter Caroline Held geleitet. Das Unternehmen hat sich als führender…

„Wir denken mit und liefern Lösungen“

Interview mit Christian Hofmann, Vertriebsleiter der Alfred Kron GmbH

„Wir denken mit und liefern Lösungen“

Die Metallverarbeitungsbranche steht unter Druck: Digitalisierung, Fachkräftemangel und globale Lieferketten stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Wer heute erfolgreich sein will, muss flexibel agieren und Prozesse durchdenken. Ein Beispiel für diese…

Spannendes aus der Region Liesberg

Eine exzellente Verbindung

Interview mit Roger Gojo, Geschäftsführer der Howag Kabel AG

Eine exzellente Verbindung

„Wir möchten keine Masse, sondern Sicherheit, Qualität und Langlebigkeit.“ Mit diesen Worten beschreibt Roger Gojo, Geschäftsführer der Howag Kabel AG, die Philosophie des Unternehmens, das in diesem Jahr sein 90-jähriges…

Wo Gewicht nicht stillsteht, entscheidet Präzision

Interview mit Filipe Lourenço, CEO und Michael Kuster, Marketing Director der DIGI SENS Switzerland AG

Wo Gewicht nicht stillsteht, entscheidet Präzision

Präzise Messdaten sind entscheidend für effiziente Prozesse – besonders dort, wo Gewicht während laufender Abläufe erfasst werden muss. Die DIGI SENS Switzerland AG hat sich auf diese Anforderungen spezialisiert. CEO…

Swiss Engineering für globale Märkte

Interview mit Pascal Moritz, Geschäftsführer der Glatt Maschinen- und Apparatebau AG

Swiss Engineering für globale Märkte

Sie ist essenziell und doch oft unsichtbar – die Beschichtung von Tabletten. In der pharmazeutischen Industrie kommt es dabei auf höchste Gleichmäßigkeit und Effizienz an. Mit über 40 Jahren Erfahrung…

Das könnte Sie auch interessieren

„Unsere Stärke ist die Vielfalt“

Interview mit Alessio Nicoletti, Geschäftsführer der Torneria Nicoletti S.r.l. und Luigi Nicoletti, CEO und Sales Manager der Torneria Nicoletti S.r.l.

„Unsere Stärke ist die Vielfalt“

Seit Jahrzehnten ist die metallverarbeitende Industrie im Wandel – technologische Fortschritte, neue Anforderungen in puncto Nachhaltigkeit und ein sich ständig veränderndes geopolitisches Umfeld fordern Unternehmen heraus. Doch es gibt Familienbetriebe,…

Stahlhart nachhaltig!

Interview mit Teresa Cosulich, Leiterin Marketing der Trasteel SA

Stahlhart nachhaltig!

Stahl ist eines der gefragtesten Produkte weltweit. Der Markt ist nicht nur hart umkämpft, sondern auch volatil. Die Trasteel SA mit Sitz in Lugano hat sich in diesem Markt längst…

Revolutionäre Spitzentechnologie made in Germany

Interview mit Uwe Ahrens, Geschäftsführer der Altech Advanced Materials AG

Revolutionäre Spitzentechnologie made in Germany

Salz – im Altertum war das weiße Gold ein kostbares Gut, das Reichtum und Macht brachte. Heute könnte Salz bei der Energiewende eine entscheidende Rolle spielen. Jedenfalls wenn man an…

TOP