Aus Müll wird Mehrwert
Interview mit Dr. Christoph Franzke, Geschäftsführer der ALBA Berlin GmbH

Wirtschaftsforum: ALBA gibt es seit 1968. Was macht das Unternehmen im Kern aus und was ist dabei Ihre Rolle?
Dr. Christoph Franzke: Unser Kern ist es, Ressourcen zu schonen, indem wir Abfälle als Rohstoff in den Kreislauf zurückbringen. Berlin ist dabei unsere Wurzel, unsere Ursprungsgesellschaft. Hier hat Firmengründer Franz Joseph Schweitzer die haushaltsnahe Mülltrennung erfunden. Die Erkenntnis war: Je näher am Entstehungsort eine Getrenntsammlung möglich ist, desto eher wird sie auch genutzt und desto mehr Material steht letztlich fürs Recycling zur Verfügung. Ich verantworte heute als Geschäftsführer das operative Geschäft. Darunter fallen die Logistik, unsere Standorte, die Aufbereitungsanlagen und weitere Stabsstellen.
Wirtschaftsforum: Der Markt ist seit Jahren unter Druck. Wie geht ALBA damit um?
Dr. Christoph Franzke: Wir erleben seit Jahren ein Umfeld, das von Krisen und Unsicherheiten geprägt ist – von der Pandemie über den Krieg in der Ukraine bis hin zu den aktuellen Spannungen im Iran. Als Recycling- und Entsorgungsunternehmen beliefern wir die Industrie mit Rohstoffen. Wenn dort die Nachfrage sinkt, hat das unmittelbare Auswirkungen auf unser Geschäft. Die Märkte für Papier, Kunststoffe und Metalle sind äußerst volatil. Die Chemieindustrie ist dabei ein wichtiger Frühindikator: Gerät sie unter Druck, spüren wir das sehr schnell. Das bedeutet für uns maximale Kostendisziplin und eine konsequente Steuerung, ohne dabei die langfristige Entwicklung aus dem Blick zu verlieren. Wir investieren aktuell gezielt in unsere Standorte, weil die Zukunft schon heute vorbereitet werden muss. Brandschutz ist dabei eines der wichtigen Themen. Hier sehen wir uns mit großen Risiken konfrontiert, die auf falsch entsorgten Akkus und Batterien zurückzuführen sind: Diese führen in Sortieranlagen und Lkw erschreckend häufig zu Bränden. Manche Versicherer wollen diese Risiken nicht mehr tragen und das stellt uns vor enorme Probleme. Denn auch nachhaltige Kreislaufwirtschaft muss sich letztlich wirtschaftlich rechnen.
Wirtschaftsforum: Welche Innovationen treiben Sie voran, und was braucht die Branche von der Politik, um diese umzusetzen?
Dr. Christoph Franzke: Innovationen sehen wir in den Bereichen künstliche Intelligenz, alternative Antriebe und Routenplanung. Künstliche Intelligenz wird bei der Erkennung von Problemstoffen immer wichtiger. Einen Akku in der Tonne automatisch zu identifizieren, bevor ein Brand entsteht, ist aus den schon genannten Gründen sehr wichtig. Alternative Antriebe haben wir seit einigen Jahren bei einem wachsenden Teil unserer Flotte im Einsatz und sind mit unseren Elektro-Lkw sehr zufrieden, auch wenn sie aktuell noch deutlich teurer sind als konventionelle Fahrzeuge. Und dann die Routenoptimierung per Software. Gerade bei einer großen Flotte in einer Metropolregion lässt sich mit intelligenter Steuerung erheblich Diesel und damit CO2 einsparen.
Von der Politik wünschen wir uns vor allem stabile Rahmenbedingungen, die langfristige Planungssicherheit schaffen. Gesetze müssen auch im Vollzug ihre Wirkung entfalten und Förderprogramme müssen so gestaltet sein, dass sie praktikabel und unbürokratisch sind.
Wirtschaftsforum: Kreislaufwirtschaft ist ein viel genutzter Begriff. Was bedeutet er konkret für ALBA und welche Materialien werden künftig besonders relevant sein?
Dr. Christoph Franzke: Kreislaufwirtschaft bedeutet für uns, die Stoffkreisläufe wirklich zu schließen, nicht als Marketingversprechen, sondern operativ. Das von uns erfasste Altpapier geht direkt in die Papierindustrie und wird dort zu neuen Produkten verarbeitet. Dasselbe gilt für Metalle, Kunststoffe und Glas. Genau darin zeigt sich auch unsere Rolle: Wir sind Rohstofflieferant und nicht nur Entsorger.
Wirtschaftsforum: Was schätzen Ihre Kunden besonders an ALBA und wie differenzieren Sie sich vom Wettbewerb?
Dr. Christoph Franzke: Wir erbringen unsere Dienstleistung sauber, zur richtigen Zeit, in bester Qualität und rechtlich einwandfrei. Das klingt selbstverständlich, ist es in unserem stark regulierten Umfeld aber nicht. Wenn mit Blick auf das Abfallrecht etwas schiefläuft, wird es schnell ernst. Ein weiterer Punkt ist unser breites Portfolio: Ganz gleich, welche Herausforderung Sie innerhalb unseres Leistungsspektrums an uns herantragen, wir haben die passende Lösung.
Zu unseren Kunden gehört der kleine Bäcker ebenso wie namhafte Großkunden, deren Industrieabfälle wir fachgerecht entsorgen. Wir sammeln die Verpackungsabfälle von rund 3,1 Millionen Berlinerinnen und Berlinern und stemmen übers Jahr die Entsorgungslogistik von unzähligen kleinen und großen Veranstaltungen in Berlin. In Cottbus reinigen wir die Straßen nicht nur, sondern setzen sie auch instand. Digitale Prozesse ermöglichen es unseren Kunden, Aufträge und Nachweise in Echtzeit einzusehen. All das erledigen wir höchst kosteneffizient. Denn wer nur innovativ, aber zu teuer ist, wird sich am Markt nicht behaupten.
Wirtschaftsforum: Was macht ALBA als Arbeitgeber aus?
Dr. Christoph Franzke: Ohne die Mannschaft geht gar nichts. Das ist keine Floskel, das ist unsere Realität. Gerade in einer Großstadt wie Berlin sind die Herausforderungen besonders. Wenn wir hier auch nur einen Tag nicht entsorgen können, etwa weil Glatteis herrscht, hat das sofort spürbare Auswirkungen. Jeder weiß deshalb, wie wichtig sein Beitrag ist, und das schweißt zusammen. Viele unserer Mitarbeitenden sind seit Jahrzehnten dabei. Dieses Know-how und diese Leidenschaft sind ein echter Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig bereiten wir gezielt die nächste Führungsebene vor, denn viele gehen in den kommenden Jahren in Rente. Nachwuchsförderung ist uns deshalb sehr wichtig. Wir besuchen regelmäßig Schulen, bilden in allen Unternehmensbereichen aus und investieren in konkrete Entwicklungspläne für Führungskräfte. Ich selbst gehöre in dieser Rolle zu den Jüngeren und weiß, wie wichtig Vertrauen ist, wenn Verantwortung früh übertragen wird. Genau dieses Vertrauen wollen wir weitergeben.










