Webcode:

Um einen Artikel aus dem Print-Magazin online zu lesen, geben Sie bitte nachfolgend den Webcode ein, der im Magazin unter dem Artikel zu finden ist.

https://www.getdigital.de - Gadgets und mehr für Computerfreaks

Kampf dem Sitz-Marathon

Interview mit Josef Glöckl, Geschäftsführer der aeris GmbH

Social Share
Teilen Sie diesen Artikel

Wirtschaftsforum: Mit Ihrem Bewegungskonzept haben Sie dem Sitz-Marathon den Kampf angesagt. Warum?

Josef Glöckl: Seit zwei Jahren gibt es einen neuen Forschungszweig, die Immobilitätsforschung, die sich mit den Folgen des langen Sitzens beschäftigt. Die Forscher haben herausgefunden, dass viele Zivilisationskrankheiten mit einem Mangel an Bewegung korrelieren. Demnach kann sie eine Ursache für Diabetes, Osteoporose, Adipositas, Muskelschwäche, Alzheimer und sogar Darm- und Brustkrebs sein. Durch Sitzen entstehen eben nicht nur Bandscheiben- und Muskelprobleme, sondern der Stoffwechsel fährt herunter, die Atmung wird flach und die Produktion von Enzymen, Hormonen und Botenstoffen erlahmt. Um all dies wieder in Schuss zu bringen, muss man sich bewegen. Die Art und Weise, wie wir im Büro arbeiten, ist eine Sackgasse der menschlichen Entwicklung.

Wirtschaftsforum: Ansätze in dieser Richtung gibt es schon länger. Warum haben Sie es aber, anders als viele Büromöbelhersteller, nicht bei der Entwicklung eines Bewegungsstuhls belassen?

Josef Glöckl: Ich habe schon vor 20 Jahren unseren dreidimensional beweglichen Aktiv-Stuhl swopper entwickelt, in fünf Jahren langer Tüftelei in einer Garage. Er erzielte sehr gute Ergebnisse, nach kurzer Zeit war der swopper vor allem dank Mund-zu-Mund-Propaganda national und international bekannt. Es folgten weitere Produktneuheiten wie der muv-man Stehsitz und der Bürostuhl 3Dee. Mit unserem active office® gehen wir nun noch einen Schritt weiter. Es ist das erste Büro, das den Sitz-Marathon angreift, denn an diesem Arbeitsplatz arbeitet man nicht im Sitzen, sondern in Bewegung: Es gibt zwei kleine Schreibtische, einen zum Stehen, einen zum Sitzen. Die Ablage erfolgt rückwärts oder seitlich. Bei jedem Vorgang muss man sich also bewegen und ständig zwischen Sitz- und Steharbeit wechseln.

Wirtschaftsforum: Wer den Menschen das Leben so unbequem macht, macht sich wahrscheinlich nicht besonders beliebt ...

Josef Glöckl: Der Mensch muss nur erst erkennen, dass es seinem Körper guttut, dann nutzt er die Möglichkeiten, die das Active Office bietet, freiwillig. Dass wir in Bewegung leistungsfähiger sind, ist wissenschaftlich bewiesen. Prof. Schöllhorn aus Mainz hat in verschiedenen Studien Kriterien wie die geistige Tätigkeit, kurz- und langfristige Aufmerksamkeit, Wohlbefinden und Spannungszustand der Muskeln mithilfe von EEG-, EKG- und EMG-Messungen untersucht und nachgewiesen, dass active office® in jedem Punkt einem konventionellen Büro überlegen ist. Beim Aufmerksamkeitstest war bei gleichem Ausgangsstand nach 120 Minuten das herkömmliche Büro weit unterlegen, beim Active Office stieg das Aufmerksamkeitsniveau dagegen weit über das Anfangsniveau. Bei 23 Millionen Büroarbeitern in Deutschland liegt ein enormes Potenzial brach. Sie können einfach nicht besser arbeiten. Wenn es dem Körper nicht gut geht, hat das gesamtwirtschaftliche Bedeutung! Immer mehr Arbeitgeber verstehen, dass gesunde, kreative, leistungsfähige Mitarbeiter das wichtigste Potenzial sind.

Wirtschaftsforum: Was war denn für Sie der Grund, sich mit gesünderer Büroarbeit zu beschäftigen?

Josef Glöckl: Mir kam die zündende Idee bei einem Spaziergang mit meiner Frau. Ich hatte Rückenschmerzen und konnte nicht mehr auf einem herkömmlichen Stuhl sitzen. Meine Frau, sie ist Osteopathin und Physiotherapeutin, sagte zu mir: „Ich behandele meine Patienten, mache Muskelaufbautraining und nach zehn Stunden Sitzen vorm PC haben sie wieder Schmerzen. Erfinde etwas, das verhindert, dass sich die Leute so kaputt sitzen!“

Wirtschaftsforum: Wie sieht für Sie das Büro der Zukunft aus?

Josef Glöckl: Meine Vision ist, dass das active office® in 15 bis 20 Jahren DIE Art zu arbeiten sein wird. Momentan suchen wir für eine Studie über mindestens sechs Monate eine Firma, mit der wir in größerem Maßstab seinen Nutzen dokumentieren können. Diese müsste bereit sein, 30 Arbeitsplätze umzurüsten, was wir natürlich finanzieren würden.

Bewerten Sie diesen Artikel
Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern
TOP