„Deutschland ist ein Stehaufmännchen“

Interview mit Kai Peppmeier, Geschäftsführer der TMC Turnaround Management Consult GmbH

„Bei mir überwiegt klar das weinende Auge“, antwortet Kai Peppmeier, Geschäftsführer der TMC Turnaround Management Consult GmbH, angesprochen auf das Dilemma, das mit der Marktposition seines Unternehmens einhergeht. Denn angesichts der schwierigen konjunkturellen Lage in Deutschland hat seine Restrukturierungsberatung derzeit in sämtlichen Branchenfeldern Hochjunktur. Er befürchtet, dass das auch noch länger so bleiben könne: „Viele Unternehmen haben leider keine Substanz mehr – und wenn in einiger Zeit der Aufschwung kommt, werden sie sich sehr schwertun, Geldgeber für eine Vorfinanzierung zu finden. Schon in der Finanzkrise von 2008 folgte die große Insolvenzwelle erst einige Jahre später.“ Trotzdem blickt er auf Basis des starken gewachsenen Unternehmergeistes und des großen Fachkräftereservoirs langfristig optimistisch in die Zukunft: „Deutschland ist ein Stehaufmännchen – aber wir müssen uns von gewissen Altlasten trennen. Das betrifft gerade inhabergeführte Unternehmen, die vielfach aus einer nicht besonders marktorientierten Überzeugung Sparten weiterführen, mit denen sie unwiederbringlich den Anschluss verloren haben.“ Seine Aufgabe als Turnaround-Manager besteht dann unter anderem darin, schonungslos und faktenbasiert auf diese fundamentalen Problemstellungen hinzuweisen – und gleichzeitig empathisch zu bleiben: „Unser Erfolg steht und fällt damit, die Menschen mitzunehmen: die Führungsebene, die Belegschaft und insbesondere auch den Betriebsrat. Oft sind die Verhältnisse zwischen den Beteiligten zu Beginn eines Restrukturierungsprozesses völlig zerrüttet. Doch sobald wir die fundamentalen Fakten he­rausgearbeitet und transparent auf den Tisch gelegt haben, platzt oft der Knoten. Denn wenn es um das Überleben des Unternehmens geht, sitzen alle im selben Boot. Dann sind Betriebsräte nicht selten bereit, auch schwerste Einschnitte wie Teilbetriebsstilllegungen mitzutragen, einfach weil sie alternativlos geworden sind.“

Fokus auf Digitalisierung und Internationalisierung

In der Stärke des Mittelstandes liegt dabei auch Kai Peppmeiers persönliche Antriebsfeder: „Inhabergeführte Unternehmen brennen für ihre Ideen und Produkte: Das setzt eine unheimliche Dynamik frei, auch in einem Turnaround-Prozess, in dem man wahnsinnig viel bewegen kann – es gelingt viel öfter als es scheitert.“ Trotzdem gebe es wichtige Zukunftsthemen, die im Mittelstand noch nicht prominent genug auf die Agenda gerückt seien: die Schaffung einer verlässlichen Zahlen- und Faktenbasis, die Digitalisierung sowie eine nachhaltige Internationalisierung, auch in Form von Kooperationen und Partnerschaften: „Wer diese Wege erfolgreich beschreitet, kann langfristig auf einer starken Geschäftsgrundlage aufbauen“, ist Kai Peppmeier überzeugt.

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