Nachhaltig. Verlässlich. Und unschlagbar digital.

Interview mit Joachim Müller, Chief Digital Officer der Berger Logistik GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Müller, Sie sind als Chief Digital Officer der Mann der Zukunft bei Berger Logistik. Woher kommt ein solches Unternehmen, das in einem Markt von großen Platzhirschen und vielen kleinen Firmen so ein erfolgreicher Player und Vordenker ist?

Joachim Müller: Vom Ursprung her sind wir ein klassisches Transportunternehmen, das sich in den 1990er-Jahren auch Richtung gewichtsoptimierte Leichtbauweise bei Lkw orientierte – ein Bereich, der heute in einer Schwestergesellschaft fortbesteht und für das CO2-Thema so wichtig ist. Mit Einstieg von Red Bull kam 2006 das Energy Drink-Unternehmen als Shareholder an Bord und ist auch unser größter Kunde. Das prägt uns jetzt, denn wir haben uns entlang des globalen Wachstums dieses Unternehmens entwickelt. Dabei mussten wir stets veränderungsbereit sein und decken so heute die gesamte Breite der Logistik ab: Smart Logistics, Supply Chain Management und auch Eventlogistik.

Wirtschaftsforum: Ist Berger Logistik durch diese angestammte Veränderungsbereitschaft dann auch besser durch die Krisen gekommen?

Joachim Müller: Das war sicherlich eine gute Grundlage. Covid war der Auftakt für den Krisenmodus und hat die Supply Chains auf den Kopf gestellt. Das hat den Markt nachhaltig beeinflusst – was aber auch sein Gutes gehabt hat, denn es gab einen Value Shift. Im aktuellen Zeitalter, in dem Dinge passieren, die niemand voraussieht, zählen in unserer Branche nun Verlässlichkeit, Anpassungsfähigkeit und Stabilität und haben den alleinigen Fokus auf Schnelligkeit abgelöst. Wenn man diese Werte liefern kann, muss man auch nicht auf das ‘Rat Race’ beim Preiskampf einsteigen, denn das ist nicht nachhaltig.

Wirtschaftsforum: Und das ist dann auch Ihr Ansatz? Sie setzen auf diese neuen Werte?

Joachim Müller: Ja, denn genau das passt zu uns und das haben wir immer schon so gemacht. Nur schnell und billig ist heute definitiv passé. Wir machen Logistik vom Lkw bis zum Schiff, alles in Kombi. Dabei haben wir hohe Qualitätsstandards implementiert, gehen weit in die Supply Chain des Kunden mit hinein. Unser Motto ist dabei auch eher ‘geht nicht, gibt es nicht’. Wir nehmen uns gern auch komplizierter Projekte an und haben uns weltweit in schwierigen Regionen bewiesen. Das stärkt uns den Rücken, und auch die großen Konzerne wissen um unsere Relevanz auf dem Weltmarkt als mittelgroßer Player, der Tradition hat und gleichzeitig den Taktstock für die Zukunft mitschwingt. Und die Kunden sehen das natürlich auch.

Wirtschaftsforum: Sie schwingen diesen Taktstock für die Zukunft bei Berger Logistik und setzen aktuell die Weichen für die kommenden Jahre des Unternehmens. Und für Sie als CDO ist diese Zukunft vor allem digital. Können Sie das für unsere Leser etwas ausführen?

Joachim Müller: Gern. Unser Plan lässt sich in einer Pyramide beschreiben. Unten steht für mich der Auftrag ‘Fix the Core’: Man muss wissen, dass viele IT-Systeme in der Logistik noch aus den 2000er-Jahren stammen, mit den KI-Möglichkeiten von heute sind so echte Innovationslücken vorhanden. Da müssen wir also reingehen – und zwar kurzfristig. Aktuell optimieren wir Prozesse und Daten, mein Ziel ist in einem Jahr die ganze Landschaft ausgetauscht und weitgehend automatisiert zu haben. Zweite Stufe dann ‘Evolve the Business’: Mit dem digitalen Fundament geht es um Themen wie real-time Management und Visibility von Verkehrsträgern und Regionen für unsere Kunden, alles präzise berechnet – übrigens inklusive CO2-Ausstoß, das tun wir jetzt bereits schon.

An der Spitze der Pyramide dann: Reingehen in die Veränderung der Branche. Mitgestalten etwa beim Lieferkettensorgfaltsgesetz, wo wir unsere Kunden mit Daten, Technologie und Dienstleistungen unterstützen können. Hier sehen wir auch, etwa in Partnerschaften, neue Services, die es so noch gar nicht gibt.

Wirtschaftsforum: Das ist ein umfassender Ansatz. Können Sie das CO2-Thema bitte noch etwas ausführen, das für Ihre Branche so wichtig ist?

Joachim Müller: Wir denken das Thema von innen nach außen und sind selbst dabei, unseren CO2- Abdruck bestmöglich zu minimieren. Wir setzen schon auf HVO-Treibstoff als Diesel-Alternative, haben sogar eine eigene Tankstelle und denken auch in Richtung Schiene. Das schafft Glaubwürdigkeit. Unsere Kunden müssen ihren CO2-Ausstoß gering halten, bei Ausschreibungen wird hier stets danach gefragt, das Ganze ist heute bereits monetarisiert und wird sich weiter verteuern. Wir können unsere Kunden weitläufig unterstützen, eine 60%-Reduktion ist hier durchaus drin.

Wirtschaftsforum: Sie denken weiter vor und das im globalen Kontext. Vor drei Jahren hat sich Berger Logistik mit Übernahme der Super T Transport Inc. den Markteintritt in den USA gesichert und ist dort nun auch mit Berger Logistics U.S. Inc. vertreten. Ist auch das ein Teil der Zukunft für Sie?

Joachim Müller: Der US-Markteintritt ist ein Meilenstein in der Firmengeschichte. Wir haben in einer außerordentlich attraktiven Wachstumsregion eine hochqualitative Flotte übernommen, das hat Zukunftspotenzial. Neben der regionalen Erweiterung fokussieren wir uns aber weiterhin vor allem auf neue Services und Qualität. Losgelöst von unserer geografischen Aufstellung bleiben die wichtigsten strategischen Themen für die Zukunft eine weitere CO2-Reduktion und die Visibility- Optimierung. Unsere Kunden gehen hier wunderbar mit, sie wissen, dass von uns Qualität kommt und erleben uns zudem als sehr nahbares Logistikunternehmen. Das ist eine gute Basis für erfolgreiches Veränderungsmanagement.

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