Mit neuen Strategien an die Spitze

Interview mit Frank Springer, Geschäftsführer der SIGVARIS GmbH und Jürgen Sigg, CEO Ländergruppe ECNE bei der SIGVARIS AG

Als Moritz Ganzoni-Sträuli und Niklaus Barthelts 1864 im schweizerischen Winterthur das Unternehmen Ganzoni und Barthelts gründeten, war an die Entwicklung, die diese Geburtsstunde nach sich ziehen sollte, noch nicht zu denken. Auf vier Webstühlen fertigten die Mitarbeiter damals Elastikbänder für schnürlose Halbstiefel – zu dieser Zeit ein begehrter Modeartikel. Später kamen weitere Produkte wie Gummibänder, Gummistoffe, Gürtel, Hosenträger, Socken, Gummistrümpfe und Strumpfhalter hinzu.

Die Ausrichtung auf den medizinischen Kompressionsbereich, heute alleiniges Geschäftsfeld, folgte erst in den 1960er-Jahren. Im Laufe der Zeit ist die SIGVARIS GROUP stark gewachsen und hat insgesamt 16 Niederlassungen in aller Welt, unter anderem die deutsche SIGVARIS GmbH in Memmingen.

Seit Ende 2016 leitet Frank Springer als Geschäftsführer die Geschicke des Unternehmens. Teil des Teams ist er bereits seit 2005 und möchte den Betrieb in eine erfolgreiche Zukunft führen. Dabei hat er sich große Ziele gesetzt: „Seit 2016 lautet unser Motto ‘Wir gestalten den Markt’. Das ist unser Anspruch. SIGVARIS ist Weltmarktführer, jedoch sind wir auf dem deutschen Markt noch nicht die Nummer eins, das wollen wir ändern, indem wir unsere Marktanteile signifikant steigern“, betont Frank Springer.

Seine Ausführungen verdeutlicht Jürgen Sigg, CEO Ländergruppe ECNE bei der SIGVARIS AG: „Jedes Jahr produzieren wir neun Millionen Strümpfe, rund um den Globus sind mehr als 1.600 Mitarbeiter für die gesamte Gruppe tätig.“ Er ist seit Januar 2019 am schweizerischen Firmensitz in St. Gallen tätig.

Breites Portfolio

Das breit gefächerte Portfolio von SIGVARIS unterteilt sich in die Bereiche MEDICAL, WELL-BEING und SPORTS. „Unser Schwerpunkt liegt ganz klar auf der medizinischen Kompressionstherapie. Dazu gehören Kompressionsstrümpfe in großer Farbvielfalt und unterschiedlichsten Strickarten. Anwendungsgebiete sind beispielsweise chronische Gefäßerkrankungen, Thrombosen, die Wundversorgung und die postoperative Versorgung. Alle unsere Produkte werden unter medizinischen Gesichtspunkten gefertigt. Die Sparten SPORTS und WELL-BEING mit frei verkäuflichen Produkten sind im Vergleich eher klein“, fasst der Geschäftsführer zusammen.

Ein Augenmerk liegt aktuell bei der Forschung im Bereich von Flachstrick, wie Jürgen Sigg erläutert: „Gerade die lymphatischen Produkte sind komplex, aber zugleich sehr innovativ. Da befinden wir uns mit Flachstrick in der Pilotphase und ich hoffe, dass wir damit erfolgreich Patienten bei Lymphleiden unterstützen können.“

Zu den Kunden von SIGVARIS Deutschland gehören Sanitätsfachhandel, Orthopädie, Apotheken, Drogerien sowie Ärzte und Krankenhäuser. Wichtigste Märkte sind Frankreich, Nordamerika, Brasilien und die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz).

Frank Springer
„Seit 2016 lautet unser Motto ‘Wir gestalten den Markt’. Das ist unser Anspruch.“ Frank SpringerGeschäftsführer

Eine große Bedeutung kommt bei SIGVARIS dem wissenschaftlichen Bereich zu. „Wir sind stark medizinisch geprägt. So führen wir regelmäßig Studien mit Ärzten und Spezialisten durch. Wir unterstützen Forschung im Bereich der Textilentwicklung. Inhaltlich geht es dabei um die Wirkungsweise von Kompressionsstrümpfen, Trends und weitere unbeantwortete Fragen. In diesem Segment sind wir weltweit führend“, erklärt Frank Springer.

Während in Memmingen die Geschäfte der SIGVARIS GmbH gelenkt werden, läuft der Vertrieb dezentral. Für den entsprechenden Erfolg sorgen insgesamt 23 Mitarbeiter im Außendienst. „Der Vertrieb ist ein wichtiger Bestandteil unseres Marketings“, erklärt Jürgen Sigg, der operativ wie strategisch Impulse innerhalb seines Verantwortlichkeitsbereichs gibt. „Insgesamt verfolgen wir in unserem Marketing sehr individuelle Ansätze. Dem Sanitätsfachhandel stehen wir von standardisierten Werbemitteln bis hin zu Vorschlägen und Umsetzung von individuellen Gestaltungsmöglichkeiten zur Seite. Wir versuchen auch hier, den medizinischen Charakter sehr stark hervorzuheben. Dafür arbeiten wir mit Verbänden wie der deutschen Gesellschaft für Phlebologie zusammen und entwickeln für die Sanitätshäuser Schulungsprogramme zur medizinischen Kompetenzbildung.“

Diskussionsplattformen

Auch die neuen Medien spielen im Marketingmix von SIGVARIS eine entscheidende Rolle. Social Media-Kanäle dienen als Plattformen sowohl für die Geschäftsentwicklung als auch für Diskussionen. „Zudem öffnen wir uns auch neuen Bereichen und Trends wie etwa flachgestrickten Produkten oder Wraps. Zusätzlich begleiten wir Veranstaltungsformate zu den Themen Ödemtherapie oder Phlebologie, wie beispielsweise unsere jährlich stattfindenden Appenzeller Gespräche“, ergänzt der CEO. „Darüber hinaus haben wir für unsere B2B-Kunden ein Online-Businessportal zur Beschleunigung der Bestellprozesse entwickelt. Wir haben ein starkes Standing bei Ärzten und im Fachhandel, welche ebenso wie die Patienten abgeholt und mitgenommen werden müssen.“

Frank Springer
„Wir sind stark medizinisch geprägt. So führen wir sehr viele Studien mit Ärzten und Spezialisten durch.“ Frank SpringerGeschäftsführer

Ein Alleinstellungsmerkmal sieht Frank Springer vor allem in der hohen Serviceorientierung seines Unternehmens. „Ich kenne keine Mitwettbewerber mit einer so hohen Serviceorientierung wie wir sie pflegen“, sagt er. Auch wenn SIGVARIS stets bereit ist, neues Terrain zu betreten, sei die Branche Neuerungen gegenüber eher verhalten.

„Eines unserer Produkte hat gerade seinen 60. Geburtstag gefeiert und ist noch immer am Markt. Unser Markt ist nicht volatil. Trends werden eher durch Studien gesetzt als durch den Markt an sich und beziehen sich auf Fragen, wie man zum Beispiel vorhandene Versorgungslücken schließen kann“, fasst Geschäftsführer Frank Springer zusammen.

Als zentrales Ziel für die Zukunft hat sich das Unternehmen vorgenommen, wichtige Marktanteile zurückzugewinnen. „Der Markt ist zäh, dennoch wollen wir in absehbarer Zeit in Deutschland zurück auf Platz zwei oder drei. Für die Sanitätshäuser wollen wir erster Ansprechpartner sein, das ist unser Ziel“, sind sich Frank Springer und Jürgen Sigg einig.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Bauen mit Sicherheit und Nähe

Interview mit Kathleen Pfennigsdorf, Geschäftsführerin der AKOMA GmbH

Bauen mit Sicherheit und Nähe

Ein eigenes Haus bleibt für viele Menschen ein Lebenstraum. Doch steigende Baukosten, hohe Zinsen und komplexe Vorgaben erschweren den Weg ins Eigenheim. Die AKOMA GmbH aus Remchingen begleitet private Bauherren…

Bauen mit Handschlagqualität

Interview mit Jürgen Fien, Geschäftsführer der Fien GmbH Bauunternehmen

Bauen mit Handschlagqualität

Vom kleinen Auftrag für private Bauherren bis zum Rohbauprojekt in Millionenhöhe: Die Fien GmbH Bauunternehmen aus Wehr verbindet die Flexibilität eines mittelständischen Familienbetriebs mit der Leistungsfähigkeit größerer Bauunternehmen. Regionale Nähe,…

Datteln direkt vom Ursprung

Interview mit Semi Ouanes, Geschäftsführer der Ouanes Früchte GmbH

Datteln direkt vom Ursprung

Vor fast 30 Jahren begann die Geschichte der Ouanes Früchte GmbH mit einem Kleintransporter und einer mutigen Idee. Heute importiert das Familienunternehmen jährlich rund 2.000 t Datteln aus Tunesien, Palästina,…

Spannendes aus der Region Memmingen

„Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft“

Interview mit Timo Fechtig, Geschäftsführer der Fechtig Gruppe

„Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft“

Obwohl die Baubranche und damit auch das Heizungs- und Sanitärgewerk derzeit eine starke Marktkorrektur erfahren, können sich die vier Unternehmen der Fechtig Gruppe, die sich vornehmlich mit der Planung und…

Die Zukunft des Holzbaus

Interview mit Rainer Auerbacher, Vorstand Vertrieb | Service | Marketing der Hans Hundegger AG

Die Zukunft des Holzbaus

Während die Baubranche noch über Digitalisierung diskutiert, ist sie in Hawangen längst Realität: Die Hans Hundegger AG steuert ganze Hallen mit Holzbearbeitungsmaschinen per Mausklick. Als Weltmarktführer definiert das unterallgäuer Familienunternehmen…

„Unsere Branchenfremdheit  war auch ein Vorteil“

Interview mit Stephanie Schädler, Geschäftsführerin der Allgäuer Alpenwasser GmbH

„Unsere Branchenfremdheit war auch ein Vorteil“

Als Familie Schädler vor zehn Jahren das Unternehmen Allgäuer Alpenwasser übernahm, stand es kurz vor dem Konkurs. Doch hinter den teilweise katastrophalen Zuständen verbarg sich ein Diamant, der durch das…

Das könnte Sie auch interessieren

Warum seltene Krankheiten Tempo brauchen

Interview mit Dr. Michael Kickuth, Geschäftsführer DACH der Recordati Rare Diseases Germany GmbH

Warum seltene Krankheiten Tempo brauchen

Seltene Erkrankungen gelten als Nischen – medizinisch komplex, wirtschaftlich herausfordernd, politisch unterbelichtet. Doch gerade hier entscheidet Tempo über Lebensqualität. Die Recordati Rare Diseases Germany GmbH positioniert sich bewusst jenseits klassischer…

Sauerstoffversorgung zu Hause

Interview mit Pierre Lange, Geschäftsführer der OxyCare GmbH

Sauerstoffversorgung zu Hause

Seit über zwei Jahrzehnten versorgt OxyCare unter anderem COPD-Patienten mit Sauerstoffgeräten: innerhalb von 24 Stunden, bundesweit. Wie er dieses klare Qualitätsversprechen auch im Alltag verlässlich erfüllen kann und warum er…

Präzision, die Sicherheit schafft

Interview mit Vlassis Karouzos, CEO der Codere SA

Präzision, die Sicherheit schafft

Ob Fahrwerke für Verkehrsflugzeuge, Komponenten für die Uhrenindustrie oder Bauteile für die Medizintechnik: Erst eine präzise Wärmebehandlung verleiht Metallen die dafür notwenigen Eigenschaften. Die Codere SA aus Alle im Schweizer…

TOP