Wenn Wolken Wellen schlagen

Interview mit Pascal Schmid, Geschäftsführer der netrics AG

„Der wichtigste Meilenstein für unser Unternehmen war die Einführung unserer Cloud-Plattform“, sagt Geschäftsführer Pascal Schmid überzeugt. Anfang 2016 begann netrics mit ihrer Entwicklung. Heute bildet sie die Basis für ein komplettes cloud-basiertes Dienstleistungsportfolio.

„Vorher gab es nur Insellösungen“, erklärt der bekennende Fan neuer Technologien und ergänzt: „Wir sind jetzt in der Lage, die Produktionskosten drastisch zu senken.“ An den drei Standorten in Lyss, Biel und Zürich beschäftigt netrics 60 Mitarbeiter. „Die Rechtssicherheit spricht für den Standort Schweiz. Diese gilt zwar als Hochpreisinsel. In unserem Bereich ist aber eher das Gegenteil der Fall. Wir sind mit unseren Preisen konkurrenzfähig, denn die Hardware-Infrastruktur ist hier billiger als im EU-Raum. Die Personalkosten sind zwar hoch, aber dafür haben wir weniger Mitarbeiter.“

70% seines Umsatzes erzielt das Unternehmen in der Schweiz, den Rest in Deutschland, Österreich und den Niederlanden.

Virtuelle Arbeitsplätze

Der Cloudserviceprovider legt seinen Schwerpunkt auf regulierte Märkte mit hohen Compliance-Anforderungen. Viele Kunden kommen aus dem Finanzsektor, insbesondere dem Versicherungswesen, aber auch Vermögensverwalter und Treuhänder gehören dazu. Im Bereich Healthcare bietet netrics Services an, um Daten entsprechend den spezifischen gesetzlichen Regelungen sicher zu verwalten.

Auch staatliche Institutionen zählen zur Zielgruppe, etwa die Sozialversicherung oder Pensionskassen unter Bundesaufsicht, weiterhin Immobilienverwaltungen und, insbesondere im Ausland, E-Commerce-Kunden. Ein neues Projekt ist der Virtual Desktop, der vollautomatisiert aus der Cloud funktioniert.

„Der Anwender bekommt von uns einen Desktop mit allen branchenspezifischen Applikationen auf sein Endgerät. Er hat damit einen virtuellen zeit- und ortsunabhängigen Arbeitsplatz. Wir sind gerade dabei, die verschiedensten Branchen zu integrieren“, berichtet Pascal Schmid.

Die Kluft zwischen den Generationen

Der ambitionierte Geschäftsführer sieht für sein Unternehmen einen großen Markt – und Vorteile gegenüber den Großen der Branche: „Wir können mit den Kunden auf Augenhöhe kommunizieren. Die großen Unternehmen haben zwar sehr gute Produkte, bringen sie aber nicht richtig an den Mann. Wir haben dafür den richtigen Speed und die richtige Sprache.“

Pascal Schmid
„Die Digitalisierung macht vielen Angst – bei mir ist es das Gegenteil.“ Pascal SchmidGeschäftsführer

Die Zeiten, in denen Cloudlösungen eine gewisse Skepsis entgegengebracht wurdei, hätten sich geändert: „Im letzten halben Jahr gab es eine richtige Welle, in der man in die Cloud geht.“

Nicht einfach sei es aber, geeignete Fachkräfte zu finden. Pascal Schmid sieht diesbezüglich große Unterschiede zwischen den Generationen. So unterscheidet er zwischen den jüngeren ‘digital natives’ und den traditionellen IT-Fachleuten.

„Sie haben heute Mühe. Hier gibt es eine Kluft. Leute ohne digitale Denkweise sind sehr schwer umzupolen. Das ist meine Herausforderung.“ Eine, die er gern annimmt. „Die Digitalisierung macht vielen Angst – bei mir ist es das Gegenteil“, betont er und sagt: „Wir sind im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Da will ich mitspielen und davon profitieren.“

Dementsprechend ist sein Ziel, führender Cloudserviceprovider für regulierte Märkte in der DACHRegion zu werden. „Der Kuchen ist groß genug.“ In der Schweiz will Pascal Schmid mindestens in die Top drei.

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