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Interview mit Uwe Kuhnle, Geschäftsführer der MEWAKO GmbH

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Wirtschaftsforum: Herr Kuhnle, Ihr erstes Unternehmen haben sie in den 1990er-Jahren gegründet, waren damals aber noch nicht im Bereich Erneuerbare Energien tätig. Wie vollzog sich dann der Wandel?

Uwe Kuhnle: Das stimmt, ich war zuvor im Immobilienbereich zu Hause. Trotzdem führte letztlich eins zum anderen, denn die Ländereien und teilweise auch die Baulichkeiten, welche die Grundlage unseres heutigen Unternehmens darstellen, konnte ich im Zuge dessen erwerben. So haben wir eine alte Militäranlage, die es hier am Standort gab, entkernt und von Altlasten bereinigt. Auf dem umliegenden Grund und Boden sowie den Gebäuden haben wir ab 2011 große Freiland- und Dach-Photovoltaikanlagen errichtet. So waren wir gleichzeitig Eigentümer des Grundstücks, Investor und Lieferant der Anlagen.

Wirtschaftsforum: Wann wurde daraus MEWAKO und was ist es heute?

Uwe Kuhnle: Das war 2010, als wir die Idee des Logistik- und Technologiezentrums, das wir heute sind, in die Realität umgesetzt haben. Wir sind Lager- und Logistikstandort mit Gesamtlagerkapazitäten bis zu 500.000 m³, Businesscenter mit Büro- und Seminarräumen und Forschungs- und Entwicklungszentrum im Bereich Erneuerbare Energien – alles in einem. So konnten wir etliche nationale und internationale Partner sowie Investoren an den Standort ziehen. Darüber hinaus kooperieren wir mit verschiedenen Hochschulen wie der Humboldt-Universität in Berlin, dem Fraunhofer Institut in Stuttgart, dem KIT Karlsruhe oder der Technischen Universität der Republik Moldau, um nur einige zu nennen.

Wirtschaftsforum: Der Bereich Erneuerbare Energien ist Ihr Unternehmensschwerpunkt. So arbeitet MEWAKO mit etlichen anderen Unternehmen zusammen, die sich auf verschiedene Weise der Erforschung und Entwicklung Erneuerbarer Energien widmen. Bitte nennen Sie uns doch einige neuere Projekte, die das dokumentieren.

Uwe Kuhnle: Im Jahr 2012 haben wir beispielsweise zusammen mit der Durion GmbH, der ich ebenfalls als Geschäftsführer vorstehe, Europas größten Stromspeicher entwickelt. Dieser wurde in das Berliner Netz integriert. Dazu muss gesagt werden, dass in Mecklenburg-Vorpommern ein Großteil des Stroms aus Erneuerbaren Energien erzeugt wird. Bisher geht ein Teil davon verloren, weil er nicht gespeichert werden kann. Große Stromspeicher lösen dieses Problem und sollen vor allem auch dabei helfen, Stromschwankungen im Netz auszugleichen. Das wird spätestens dann notwendig, wenn es 2020 dazu kommt, dass die AKWs abgeschaltet werden. Es geht dabei also weniger um Versorgung als um Ausgleich.

Ein weiteres, ganz aktuelles Thema neben der Gewinnung von Bio-Kohle aus Biomasse, wie sie große Agrarbetriebe und Kläranlagen liefern, ist die Rückgewinnung verwertbarer Stoffe, vor allem Phosphor, aus Klärschlamm und Gülle. Dafür haben wir eine in Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim und der AVA Green Chemistry Development GmbH entwickelte Pilotanlage am Unternehmensstandort errichtet, die 2012 in den Praxistest ging. Der Klärschlamm wird mittels des sogenannten HTC-Verfahrens – der Hydrothermalen Carbonisierung – zunächst zu Biokohle, aus der dann das darin enthaltene Phosphor isoliert wird, während die Biokohle zur Reinigung von Böden und deren Ertragssteigerung verwendet wird. Des Weiteren entwickeln wir derzeit Prototypen für Kleinwindkraftanlagen. Wir decken das komplette Spektrum Erneuerbarer Energien ab.

Wirtschaftsforum: Wie bewältigen Sie all das, wofür Sie Verantwortung tragen und was Sie im Auge behalten müssen, und wie gehen Sie mit Schwierigkeiten um, die es doch sicher auch einmal gibt?

Uwe Kuhnle: Ja, es wird manchmal schwierig, aber gerade das ist es, was mich persönlich sehr reizt. So sind wir in Märkten tätig, die andere für unattraktiv und problematisch halten – Beispiel Iran. Seit fünf Jahren sind wir dort im Bereich Photovoltaik aktiv. Anfangs gab es dort noch Sanktionen, was uns aber nicht von der Projektentwicklung abgehalten hat – mittlerweile bauen wir dort eine der ersten Photovoltaikanlagen (die größte) des Landes, trotz aller Schwierigkeiten. Probleme zu meistern, Dinge zu tun, die andere für nicht machbar halten – das sehe ich als Herausforderung, und das ist auch eine wichtige Säule unseres Erfolgs.

Wirtschaftsforum: Verlangt das nicht auch sehr viel Initiative von Ihren Mitarbeitern?

Uwe Kuhnle: Stimmt. Unsere 35 Mitarbeiter, darunter viele Akademiker, identifizieren sich mit dem Unternehmen, und ich möchte sie am Erfolg teilhaben lassen. Wir sind ein Team, und dazu gehört auch, sie in Entscheidungsprozesse zu integrieren, ihnen zu ermöglichen, ihre Ideen einzubringen. Genau das macht uns als Arbeitgeber attraktiv.

Wirtschaftsforum: Wie sieht für Sie die Zukunft von MEWAKO aus?

Uwe Kuhnle: Wir wollen am Standort weitere Unternehmen aufbauen, noch attraktiver werden, Standortvorteile, Innovationspool und Synergien nutzen, Mitarbeiter anziehen – wenn Sie so wollen, möchten wir ein ‘Silicon Valley’ für Erneuerbare Energien werden!

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