Flammendes Herz in Thüringen

Interview mit Olaf Wiertz, Geschäftsführer der Meuselwitz Guss Eisengießerei GmbH

Wenn man an Eisengießerei denkt, darf man mit Blick auf die MEUSELWITZ GUSS in großen Formaten denken. Denn tonnenschwere Stückgewichte gehören zum Tagesgeschäft.

Grossformatig ist hier die Norm

Olaf Wiertz, seit 2016 Geschäftsführer des Unternehmens, erklärt: „Maschinenbau und Windkraft, das sind unsere Hauptabsatzmärkte. Entsprechend denkt man in großen Dimensionen. Der Gewichtsbereich liegt zwischen 250 kg bis 80 t, Teile von 7 m im Durchmesser oder 20 m Länge mit bis zu 4 m Höhe.“

Die Braunkohle, einst vorherrschend im Gebiet um den Stammsitz von MEUSELWITZ GUSS, ist mittlerweile durch die Produktion rund um die erneuerbaren Energien verdrängt worden.

„Neben der Arbeit für den Maschinenbau spielt uns das in die Hände, und die Auftragslage ist erfreulich“, so Olaf Wiertz. „Darüber hinaus ist aber auch wichtig, dass wir in unserer Region Know-how halten können und natürlich auch zum Erhalt von Arbeitsplätzen beitragen.“

Das Bewahren von Wissen, Kompetenz und guten Mitarbeitern und vor allem deren Bindung an das Unternehmen ist eines der größten Anliegen, denen sich Olaf Wiertz verschrieben hat. „Wir haben den Standortvorteil mit der Nähe zu Leipzig und profitieren von Kooperationen im Bereich Forschung und Entwicklung sowie der Vernetzung mit der Wirtschaftsförderung.“

Während Mitarbeiter in dritter und vierter Generation für das Unternehmen arbeiten, setzt der Geschäftsführer weiterhin alles daran, den Nachwuchs zu sichern. Man kümmert sich intensiv um die Auszubildenden, die aktuell 24 von insgesamt 400 Mitarbeiterstellen besetzen.

Olaf Wiertz
„Es ist für mich ein besonderes Anliegen, in der Region unseren Industriezweig voranzubringen und nachhaltig zu sichern.“ Olaf WiertzGeschäftsführer

Nach der Ausbildung setzt das Unternehmen auf die Bindung der Fachkräfte: Durch eine leistungsgerechte Vergütung, durch Weiterbildungsmaßnahmen und insbesondere durch den kollaborativ vorgelebten Führungsstil wird die Loyalität der Mitarbeiter zum Betrieb gefördert.

„Ich selbst habe in fast 30 Jahren Berufsleben sehr viele Führungsstile erfahren können und bewertet, was optimiert werden kann und muss. Motivierte und kompetente Mitarbeiter, die gern zur Arbeit kommen, sind unersetzlich für jedes Unternehmen. Und wenn das Betriebsklima stimmt, dann bleibt man gern an Bord.“

Olaf Wiertz selbst hat diese Entscheidung zusammen mit seiner Familie getroffen, als er im Jahr 2016 in die Region gezogen ist. Dass der ursprüngliche Rheinländer von der gesamten Unternehmung überzeugt ist, spiegelt sich in dem Enthusiasmus und einer neuen Herangehensweise wider – beispielsweise wird gekonnt die Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit der Nachwuchsförderung verknüpft.

Betriebsrundgänge im Rahmen von Jugend forscht zum Beispiel sind für ihn keine Pflicht, sondern basieren auf Überzeugung. „Je früher wir die jungen Leute für uns begeistern, desto besser“, konstatiert Olaf Wiertz. „Und das ist gar nicht so einfach. Mit Betriebsrundgängen können Sie bei Schülern echte Neugier wecken. Sie sehen, was in den großen Produktionshallen vor sich geht und beginnen die Zusammenhänge von industrieller Fertigung und den Endprodukten zu verstehen.“

Olaf Wiertz kennt die Branche, so wie er die Menschen darin kennt. Für die Leitungsebene ein enormer Vorteil, denn wenn fachliche Expertise auf emotionale Intelligenz trifft, dann steht die Belegschaft hinter dem Management und neue Mitarbeiter finden den Weg in den Betrieb. Fast von ganz allein.

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