Wer will schon Tapeten?

Interview mit Dr. York Falkenberg, Geschäftsführer der Knauf PFT GmbH & Co. KG

Mit Maschinenerzeugnissen höchster Qualität, insbesondere Maschinen zum Verputzen, wollten Dr. Alfons Knauf und Karl Knauf den Markt erobern. Und das taten sie. 1972 gründeten sie das Unternehmen PFT in Würzburg, um nicht viel später bereits mit der ersten maschinellen Gipsputztechnik einen Meilenstein zu setzen.

„Diese Entwicklung von Maschinenputz, also Putz, der automatisiert gemischt und gespritzt werden kann, hat nicht nur die Arbeit deutlich erleichtert, sondern auch die Produktivität gegenüber dem manuellen Verputzen um den Faktor 2 bis 2,5 erhöht“, lobt der Geschäftsführer Dr. York Falkenberg diese Entwicklung. „Diese Maschinentechnik war damals patentiert, die Patente sind aber mittlerweile abgelaufen. Dennoch haben wir bis heute eine marktführende Stellung“, ergänzt der Maschinenbau-Ingenieur, der seit 2005 die Geschäfte leitet und zuvor bei GE (General Electric) im Bereich Werkzeuge für die Bauindustrie Erfahrungen sammelte. Inzwischen gehört das Unternehmen mit seinen 200 Mitarbeitern zur Knauf-Gruppe und betreibt neben der Zentrale in Iphofen seit 2006 auch einen Produktionsstandort in China.

 

Stark im Export, stark am Kunden

„Wir sind Marktführer in einer Nische“, beschreibt York Falkenberg die Position seines Unternehmens. „Früher gab es drei große deutsche Spieler in diesem Segment. Heute sind wir von diesen drei Firmen das einzige in deutscher Hand verbliebene Unternehmen und haben das Auslandsgeschäft stark forciert.“

65% des Exportgeschäfts macht PFT im Euroraum. Wichtige Märkte außerhalb der EU sind zum Beispiel Russland, China und die Golfregion. „Bei der Erschließung neuer Märkte im Ausland ist zu berücksichtigen, dass vor Ort das passende Material verfügbar sein muss, denn nur mit dem auf unsere Maschinen abgestimmten Maschinenputz ist deren sinnvoller Einsatz möglich“, erklärt der Geschäftsführer.

Der gelernte Stuckateur ist insbesondere bei Großprojekten immer seltener anzutreffen. Dr. York FalkenbergGeschäftsführer

Geplant ist, weiterhin neue Länder und Märkte zu erschließen, mit der bewährten Kundennähe und dem Fokus auf einer Zielgruppe – ausschließlich dem Fachhandel – und einem Produktportfolio. „Wir verzetteln uns nicht und machen nur das, wovon wir auch etwas verstehen“, betont York Falkenberg.

PFT legt dabei großen Wert auf Qualität, was sich nicht nur in einer großen Fertigungstiefe, sondern auch darin niederschlage, dass die Lieferanten größtenteils aus Deutschland kommen.

Alte Säcke, neue Silos

„Auf den Baustellen haben wir die Säcke eliminiert“, nennt York Falkenberg eine der von PFT eingeleiteten Veränderungen. Der Werktrockenmörtel wird nun in Silos gefüllt, von wo aus er pneumatisch in die Mischpumpen befördert wird. In diesen Anlagen wird automatisch Wasser hinzudosiert, so dass das gemischte Material gespritzt werden kann.

 

„Das hat den großen Vorteil, dass niemand mehr Säcke aufreißen und nachwerfen muss, was sehr unwirtschaftlich ist. Außerdem gibt es weniger Staubemissionen und keine Probleme mehr mit den Resten.“ Die pneumatischen Förderanlagen von PFT sind in der Lage, das Material bis zu 150 m hoch zu fördern.

Dem Trend folgen

„Ein ganz klarer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung unserer Prozesse, etwa in der Auftragsabwicklung, dem technischen Support, bei unserer Hotline und in vielen anderen Bereichen. Wir haben auch eine App entwickelt, mit der alle Dokumente, vom Katalog bis zur Anwendungstechnik, in zehn Sprachen abrufbar sind.“ York Falkenberg setzt intern auf den Teamansatz. Besonders wichtig findet er die Mitarbeiterrekrutierung vor Ort. „Die Mitarbeiter müssen aus dem jeweiligen Kulturkreis stammen“, betont er.

In China hat sich dieses Vorgehen bereits bewährt. „Problematisch ist, dass die Qualifikation der Anwender unserer Produkte sinkt. Der gelernte Stuckateur ist insbesondere bei Großprojekten immer seltener anzutreffen.“

Durch die oftmals nicht deutschsprachigen und ungelernten Vorarbeiter gebe es Probleme bei der Bedienung der Produkte, entsprechend hoch sei der Aufwand, dem zu begegnen. So werden Bedienungsanleitungen auch auf Türkisch, Serbokroatisch und in weiteren Sprachen zur Verfügung gestellt.

Die neu entwickelte SWING airless zum dünnen und vollflächigen Auftragen pastöser Spachtelmassen wird bereits sehr erfolgreich vertrieben, berichtet York Falkenberg: „Wir folgen damit dem Trend, dass immer mehr Kunden hochwertige, fein gespachtelte Oberflächen wünschen. Tapeten sind zunehmend out.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

Intelligente Anlagen für anspruchsvolle Projekte

Interview mit Alexander Smeets, Geschäftsführer der LENTZEN Gebäudetechnik GmbH

Intelligente Anlagen für anspruchsvolle Projekte

In Zeiten steigender Energiepreise und wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen gewinnt moderne Gebäudetechnik stark an Bedeutung. Unternehmen benötigen Lösungen, die Effizienz, Verlässlichkeit und intelligente Steuerung verbinden. Genau hier positioniert sich die LENTZEN Gebäudetechnik…

Präzision unter Druck: Wie Wartung zum Wettbewerbsvorteil wird

Interview mit Mirko Ruhwedel, Geschäftsführer und Lothar Sommer, Geschäftsführer der RUN-TEC GmbH

Präzision unter Druck: Wie Wartung zum Wettbewerbsvorteil wird

Lieferketten unter Druck, Investitionszurückhaltung und steigende Kosten zwingen Industrieunternehmen dazu, bestehende Maschinen länger und effizienter zu nutzen. Genau hier setzt die RUN-TEC GmbH an. Das Unternehmen aus Niedersachsen hat sich…

Wenn Klinikessen Hightech wird

Interview mit Marc Donners, Geschäftsführer der ELECTRO CALORIQUE ­Speisenverteilsysteme GmbH

Wenn Klinikessen Hightech wird

Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Reha-Zentren müssen ihre Abläufe neu organisieren: Fachkräftemangel, Kostendruck und steigende Hygieneanforderungen verändern selbst scheinbar etablierte Prozesse. Besonders die Verpflegung rückt dabei in den Fokus. Die ELECTRO CALORIQUE…

Spannendes aus der Region Landkreis Kitzingen

Nachhaltig bauen, klar führen

Interview mit Wolfgang Rosentritt, Geschäftsführer ROSENTRITT

Nachhaltig bauen, klar führen

Der Immobilienmarkt in Deutschland erlebt derzeit seine wohl tiefgreifendste Transformation seit Jahrzehnten: gestiegene Zinsen, Baukosten auf Rekordniveau und Käufer, die sich zurückhalten. Während viele Entwickler Projekte pausieren, geht ROSENTRITT einen…

Die unterschätzte Werbekraft des Briefkastens

Interview mit Mario Geuß, Geschäftsführer der Geuß Werbung GmbH

Die unterschätzte Werbekraft des Briefkastens

Gedruckte Haushaltswerbung gilt vielen als Relikt aus analogen Zeiten: teuer, wenig nachhaltig und verdrängt durch digitale Kanäle. Doch Woche für Woche landen Millionen Prospektpakete in deutschen Briefkästen. Mario Geuß, Geschäftsführer…

Wenn Photovoltaik zum Business-Case wird

Interview mit Florian Golinski, Geschäftsführer der SUNTEC Energiesysteme GmbH

Wenn Photovoltaik zum Business-Case wird

Energiekosten, Klimaziele und ein Strommarkt, der immer häufiger in Bewegung gerät: Für viele Unternehmen und Haushalte ist Energieversorgung längst ein strategischer Faktor. Photovoltaik – vor allem in Kombination mit Speicher…

Das könnte Sie auch interessieren

„Unser Kerngeschäft ist Massivholz“

Interview mit Moreno Vender, Geschäftsführer der Vender Legnami s.r.l.

„Unser Kerngeschäft ist Massivholz“

Holz ist einer der ältesten Baustoffe der Welt und zugleich einer, der heute aktueller denn je ist. Wer nachhaltig bauen, bestehende Gebäude sanieren oder historische Bausubstanz erhalten möchte, kommt an…

Handwerk als strategischer Vorteil

Interview mit Matthias Fischer, Geschäftsführer der Fischer Markenschuh GmbH

Handwerk als strategischer Vorteil

Wenn Konsumsegmente unter globalem Preisdruck schwanken, zeigt ein Produkt besondere Stabilität: der Hausschuh. Während in vielen Sparten schnelle Trends dominieren oder Billigware den Markt flutet, behaupten sich Anbieter wie die…

Zwischen Genuss und Gesundheit: Neue Wege in der Spirituosenwelt

Interview mit Micaela Pallini, Geschäftsführerin der Pallini S.p.A.

Zwischen Genuss und Gesundheit: Neue Wege in der Spirituosenwelt

Die Spirituosenbranche befindet sich im Wandel: Neue Konsumgewohnheiten, steigende Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen und wachsende Anforderungen an Nachhaltigkeit prägen den Markt. Gleichzeitig bleiben die Herkunft und die Qualität eines Produkts…

TOP