Viel mehr als nur Schubladen ziehen

Interview

"Als Inhaberin steht man für das Wohl und Wehe der Mitarbeiter und der Kunden", beschreibt die Chefin der Kloster Apotheke ihren Anspruch, bei dem neben der menschlichen Seite auch fachliches Wissen und betriebswirtschaftliche Kenntnisse gefragt sind. Schwerpunkte der Kloster Apotheke sind Diabetes, Hilfsmittel und Inkontinenz. "Dafür habe ich spezialisierte Mitarbeiter", erklärt Anne-Marie Delnava. Weiter werden Kompressionsstrümpfe angepasst, Inhalationsgeräte verliehen und Schulungen angeboten.

Ernährungsberatung, alternative Medizin, kleine Blutuntersuchungen, Blutdruckmessung sowie die Kontrolle von Verbandkästen und Hausapotheke sind ebenfalls Leistungen. Die engagierte Apothekerin beschäftigt fünf Vollzeitkräfte und eine Teilzeitkraft. "Das hat mir Vorteile gebracht, denn so sind keine Übergabegespräche notwendig", hat sie festgestellt. Sie selbst ist mindestens 50 Stunden pro Woche in der Apotheke.

Neue Wege

"Ich versuche, nicht nur das Publikum 50+ und 60+ zu gewinnen, sondern auch jüngere Kunden", macht Anne-Marie Delnava klar. "Ich bin sehr innovativ unterwegs." Zu den Innovationen gehört zum Beispiel die Apo-App, die von der eigenen Internetseite heruntergeladen werden kann. Eine weitere Neuerung ist die Schaufensterwerbung als Endlosfilm.

"Man kann mehr tun, als nur Schubladen ziehen", sagt Anne-Marie Delnava zur Schaufensterwerbung. "Dokumentation, Labor und Herstellung können gezeigt werden. Und das ganze wird gespickt durch Werbung der Industrie. Werbung nach innen kann jeder machen. Werbung nach außen ist hingegen ein völlig neuer Aspekt. Darüber kann ich Angebote steuern. Das ist sehr innovativ."

Apothekerin Anne-Marie Delnava
„Ich versuche, nicht nur das Publikum 50+ und 60+ zu gewinnen, sondern auch jüngere Kunden.“ Anne-Marie Delnava

Um vertrauliche Gespräche führen zu können, hat die Apothekerin einen eigenen Beratungstisch eingerichtet. Hier sind auch in aller Ruhe Präsentationen möglich.

Organisationstalent gefragt

Obwohl Anne-Marie Delnava auch jüngere Menschen als Zielgruppe umwirbt, macht sie doch 60 bis 70% ihres Umsatzes in der Gruppe der älter als 50-Jährigen. "Die sind mittlerweile aber auch oft mit Smartphone und iPad unterwegs", hat die Apothekerin beobachtet. Junge Frauen und Familien erreicht sie vielfach über den im Ärztehaus ansässigen Gynäkologen.

"Es ist meine Präsenz, die Tatsache, dass ich hier bin", nennt sie einen der Gründe für den Erfolg der Kloster Apotheke. "Ich stehe bewusst ganz vorne und suche das Gespräch mit den Kunden. Als Kundenberaterin bin ich gefragt und versuche, auch Mittlerin zu den Ärzten zu sein."

Dabei kommt Anne-Marie Delnava sicherlich zugute, dass sie zehn Jahre lang als Teamtrainerin für Bionorica Produktschulungen gemacht hat. Die Apothekerin benötigt viel Organisationstalent, nicht nur in der Apotheke, sondern auch beim Management ihrer Familie mit drei Kindern. Weiterhin profitiert die Apothekerin von ihrer Tätigkeit als Auditorin für Qualitätsmanagement.

Seit 2007 ist die Kloster Apotheke zertifiziert und sie hat als Expertin das Auditorium begleitet. "Ich beurteile Apotheken", so die Expertin. "Es ist kein Verurteilen, sondern ein Prüfen. Es geht darum, Abläufe anders zu gestalten, klar und ersichtlich."

Konzentrationsprozess

"Es wird eine Konzentration stattfinden", ist sich Anne-Marie Delnava sicher. "Die Apothekenlandschaft wird sich verändern. Große haben eher eine Überlebenschance als kleine. Das ist von der Politik so gewollt. Versandapotheken sind eine Gefahr für stationäre Apotheken, weil der Anteil an Barverkäufen zurückgeht. Der Rezeptanteil deckt nicht einmal mehr die Kosten. Heute machen die nicht verschreibungspflichtigen Mittel den Erfolg aus."

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Gesundheit, Medizin & Pharma

Ein Leben für die Spagyrik

Interview mit Dr. Balmahnaden Gopalsamy Naidu, Geschäftsführer und Barbara Gopalsamy Naidu, Geschäftsführerin der PHYLAK Sachsen GmbH

Ein Leben für die Spagyrik

Von homöopathischen Essenzen bis hin zu Kosmetikartikeln widmet sich die PHYLAK Sachsen GmbH seit vielen Jahrzehnten der Herstellung alternativmedizinischer Produkte mit ausschließlichem Fokus auf die Spagyrik. Das Ehepaar Gopalsamy Naidu…

Hightech-Medizin, die Hoffnung macht

Interview mit Ciril Faia, CEO Curium International

Hightech-Medizin, die Hoffnung macht

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Laut Robert-Koch-Institut erkranken in Deutschland jährlich knapp 80.000 Männer neu daran. Bei einer Früherkennung sind die Heilungschancen sehr gut. In Deutschland hat Curium…

Die neue Intelligenz der Intralogistik

Interview mit Andreas Lindemann, Geschäfts­führer der NEURA Mobile Robots GmbH

Die neue Intelligenz der Intralogistik

Ob Industrie, Logistik oder Gesundheitswesen: Die effiziente Steuerung innerbetrieblicher Materialflüsse wird für Unternehmen immer mehr zum Wettbewerbsfaktor. Moderne Transportrobotik schafft hier neue Möglichkeiten, Prozesse sicherer, flexibler und wirtschaftlicher zu gestalten.…

Spannendes aus der Region Rhein-Erft-Kreis

Vom Boden zur Bühne der Markeninszenierung

Interview mit Stefan Imfeld, Creative Director der visuals united AG

Vom Boden zur Bühne der Markeninszenierung

Individuelle Gestaltung trifft auf innovative Materialtechnologie: Die visuals united AG mit ihrer Marke FOTOBODEN™ ist Spezialist für individuell bedruckbare Bodenlösungen – von Messe und Handel bis hin zu Museen und…

Energie neu denken: Wie Kölns Uni­klinik Effizienz und Zukunft sichert

Interview mit Prof. Dr. Peter Heinen, Geschäftsführer der medfacilities Energie GmbH und Dipl.-Ing. Bernd Oerder, Bereichsleiter Energie- und Produktmanagement der Uniklinik Köln

Energie neu denken: Wie Kölns Uni­klinik Effizienz und Zukunft sichert

Steigende Energiekosten, Klimawandel und eine hochkomplexe technische Infrastruktur stellen Krankenhäuser vor enorme He­rausforderungen. Die medfacilities Energie GmbH geht sie mit einer Energie- und Technologieoffensive an. Wirtschaftsforum sprach mit Prof. Dr.…

Vom Ticketverkauf zur Eventlösung

Interview mit Jannusch Frontzek, Geschäftsführer und Gesellschafter der ticket i/O GmbH

Vom Ticketverkauf zur Eventlösung

„Man stellt sich Ticketing oft sehr einfach vor“, sagt Jannusch Frontzek, Geschäftsführer und Gesellschafter der ticket i/O GmbH in Köln. „Aber es wird schnell komplex, sobald Zusatzleistungen, Zeitfenster oder Besucherströme…

Das könnte Sie auch interessieren

Vom Handwerk zur vernetzten Kreativplattform

Interview mit Alexander Kuhn, General Manager der Brother Sewing Machines Europe GmbH

Vom Handwerk zur vernetzten Kreativplattform

Nähen ist längst mehr als Handarbeit – es ist ein Zusammenspiel aus Kreativität, Technologie und Community. Moderne Haushaltsnähmaschinen sind vernetzt, softwaregestützt und Teil wachsender digitaler Plattformen. Wie sich ein traditionsreiches…

„Keep it simple“ - Einfachheit als Geschäftsmodell

Interview mit Stephan Riese, CEO der reputatio systems GmbH & Co. KG

„Keep it simple“ - Einfachheit als Geschäftsmodell

Was braucht ein Unternehmen wirklich, um zu funktionieren? Für Stephan Riese ist die Antwort klarer, als viele denken. Mit reputatio systems entwickelt er Lösungen, die Komplexität reduzieren. Ein Gespräch über…

Vom Familienbetrieb zur  Industriegruppe: Schornsteintechnik im strategischen Aufbruch

Interview mit Antonio ­Cervino, Geschäftsführer der Steegmüller Kaminoflex GmbH

Vom Familienbetrieb zur Industriegruppe: Schornsteintechnik im strategischen Aufbruch

Volatile Energiemärkte, politische Unsicherheiten und steigende Qualitätsanforderungen prägen die Schornsteinbranche. Die Steegmüller Kaminoflex GmbH steht für Systemkompetenz und Fertigungstiefe. Mit der Integration in die italienische EXPO Inox Gruppe beginnt ein…

TOP