Das Auge sagt mehr als tausend Untersuchungen

Interview mit Dr.-Ing. habil. Walthard Vilser, Geschäftsführer der Imedos Systems GmbH

Dr.-Ing. habil. Walthard Vilser, Geschäftsführer und Mitgründer von Imedos, fasst zusammen, worum es bei den Geräten aus seinem Haus geht: „Wir nutzen das Auge als diagnostisches Fenster für die vaskuläre Medizin. Mit unseren Geräten bieten wir eine non-invasive einfache Methode, die Rückschlüsse auf die Funktionsfähigkeit der Gefäße im Bereich der Mikrozirkulation (kleinste Gefäße des Menschen) und damit die Gesundheit des Patienten erlauben.“

Ihr Einsatzgebiet ist keineswegs auf Augenärzte beschränkt, betont er: „Durch weitere Forschungen und eine globalere Sichtweise können wir auch viele andere Fakultäten der Medizin wie etwa Kardiologen, Neurologen oder Nephrologen ansprechen.“

Bereits zu DDR-Zeiten hatte der Ingenieur der Meß-, Regelungs- und Biomedizintechnik eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe in der Augenklinik der Friedrich-Schiller-Universität geleitet, die in Kooperation mit der TU Ilmenau die Mikrozirkulation in der Netzhaut erforschte. „Ursprünglich ging es darum, den Blutfluss in Mikrogefäßen des Auges zu messen. Dabei stellte sich recht schnell die Frage nach dem Gefäßdurchmesser“, erzählt er.

Aus der Arbeitsgruppe entstand 1996 die Imedos Systems GmbH. Sie entwickelte eine Möglichkeit, die bisher wenig bekannten Regelungen der Mikrozirkulation durch die Gefäße des Auges zu messen und Rückschlüsse aus veränderten Werten zu ziehen. Walthard Vilser erklärt das Prinzip: „Diese Mikrozirkulation des Blutes in den Gefäßen unterliegt einer Regulierung durch sich zusammenziehende oder ausweitende Gefäße. Dadurch verengen oder erweitern sich die Blutgefäße, wenn beispielsweise der Blutdruck steigt beziehungsweise fällt. Wenn also die Gefäße in den Augen nicht so funktionieren, wie sie sollten, bedeutet das, dass das Risiko einer Gefäßerkrankung sehr hoch ist.“

Einzigartig bei dynamischen Messungen

Um solche Veränderungen festzustellen, sind dynamische Messungen, das heißt Messungen über einen gewissen Zeitraum hinweg, notwendig. Imedos hat deshalb neben Medizintechnik zur statischen Analyse, die den Gefäßdurchmesser misst und Gefäßparameter berechnet , auch Geräte zur dynamischen Analyse entwickelt. „Für unser Gerät DVA zur dynamischen Gefäßanalyse nutzen wir Flickerlicht. Es ist unser Flaggschiff und weltweit einzigartig“, macht Walthard Vilser deutlich. Das Produkt ist seit 2010 auf dem Markt und wird heute in dritter Generation angeboten. Bisher werden im Vertrieb insbesondere Forschungseinrichtungen und Kliniken angesprochen.

Der Geschäftsführer möchte das Gerät jedoch auch an den praktizierenden Arzt bringen. In diesem Zusammenhang weist er auf den mittlerweile deutlich reduzierten Preis hin: „Die ersten Geräte waren noch im sechsstelligen Bereich. In der dritten Generation können wir marktkonforme Preise anbieten. “ Ziel ist auch ein weltweiter Einsatz der Produkte.

Potenzial für Prävention nutzen

Während im Bereich der statischen Messung weitere Geräte und Mitbewerber auf dem Markt sind, ist das Jenaer Unternehmen, das aktuell 15 Mitarbeiter beschäftigt , im Bereich der non-invasiven dynamischen Messung konkurrenzlos. „Um unser Gerät in die nächste Phase zu bringen, brauchen wir einen Investor, der uns bei einem breiten Marktzugang unterstützt“, sagt Walthard Vilser, der in ihnen ein „gigantisches Potenzial“ sieht. „Krankheiten können dank unserer Untersuchungstechnologie weitaus früher erkannt werden.“

Für die Zukunft kann er sich für sein Unternehmen auch neue digitale Dienstleistungen vorstellen. „Von an unterschiedlichen Stellen aufgestellten Messgeräten könnten zum Beispiel gegen ein kleines Entgelt Messungen vorgenommen werden, die von uns ausgewertet werden“, erklärt er. Klar ist für ihn, dass Imedos seine über 20-jährige Expertise auf dem Gebiet der Gefäßgesundheit weiter ausbauen wird. „Unser Fokus liegt dabei auf Lösungen, die präventiv sind, also nicht nur eine Heilung erlauben, sondern schon im Vorfeld die Krankheit vermeiden.“

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