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Am Ort des Geschehens

Interview mit Volker Boehme, Geschäftsführer der Honda Bank GmbH

Im Japanischen gibt es ein Wort, das für die Honda Bank eine Art Philosophie ausdrückt: Genba. „Es bedeutet soviel wie ‘Gehe an den Ort des Geschehens’. Genau danach handeln wir. Wir hören den Kunden gut zu und verwirklichen dann, was sie wirklich brauchen“, verrät Volker Boehme.

Nachdem er zuvor zehn Jahre bei BMW Financial Services sowie bei der Ford Bank gearbeitet hatte, kam er im Juli 2016 zu seinem jetzigen Arbeitgeber. Hier ist er nun für den Bereich Markt verantwortlich. Das Leistungsspektrum der Honda Bank untergliedert sich in die drei Bereiche Finanzierung, Leasing und Versicherungen.

Da der prozentuale Anteil an Privatkunden mit 90% sehr hoch sei, sei der Leasinganteil im Vergleich zu deutschen Automarken aber deutlich geringer. In allen Geschäftsfeldern legen die Geschäftsführer und ihre in Deutschland 83 sowie in Spanien 34 Mitarbeiter größten Wert auf Qualität.

„In einem japanischen Unternehmen wie Honda sind Qualität, Servicestandards und Kundenorientierung noch einmal ganz anders institutionalisiert. Es gibt Qualitätsgremien, und es gibt eine Qualitätsphilosophie. Es gibt Schulungen für Qualitätsmanagement und immer wieder Qualitätsreviews, um mögliche Abweichungen bei den Ziel- oder Planwerten festzustellen“, erzählt Volker Boehme.

Eine Strategie, die offenbar aufgeht. „Unsere Planung für 2017 sieht ein Retailvolumen von 200 Millionen EUR allein in Deutschland vor“, verrät der 50-Jährige. „Unsere Entwicklung ist positiv. Und das ist auch gut so, denn wir brauchen zumindest ein leichtes Wachstum, um den Kostenapparat füttern und die Anforderungen an die IT und die neue Regulatorik der BaFin sowie der EZB erfüllen zu können.“

Überproportional stark sei man vor allem bei der Finanzierung von Motorrädern. „Aktuell verzeichnen wir im Vergleich zu 2016 ein Wachstum von rund 40% in diesem Bereich. Mit jährlich 17 Millionen verkauften Motorrädern ist Honda der größte Motorradhersteller der Welt“, betont der Geschäftsführer. „Der Marktanteil in Deutschland liegt bei 13,4%, damit sind wir die Nummer zwei nach BMW. In Spanien liegen wir mit einem Marktanteil von 20% sogar an der Spitze.“

Positionen verteidigen

Diese hervorragenden Positionen gelte es zu verteidigen, so Volker Boehme. „Dabei sind natürlich auch Financial Services mit intelligenten Finanzdienstleistungen gefragt – einerseits in der Einkaufsfinanzierung für die Händler und andererseits auch im Retail, also der Endkundenfinanzierung.“

Der Erfolg in der Sparte veranlasste die Honda Bank im Herbst letzten Jahres, sich in diesem Bereich komplett neu aufzustellen. „Wir haben seither die Penetrationsraten verdoppelt“, betont der Geschäftsführer. „Wir haben uns die zwei Handlungsstränge Auto und Motorrad genau angeschaut und sie analysiert. Wir haben uns gefragt, was braucht der Motorradkunde und was braucht der Autokunde. Im Motorradbereich haben wir damit nun einen absoluten Turnaround erreicht. Wir schöpfen die in unseren Kerngeschäftsfeldern vorhandenen Potenziale immer voll aus.“

Nicht zuletzt deshalb brachte man im Februar, rechtzeitig vor den Motorradmessen, zwei neue Produkte auf den Markt: erstens eine All-in-Flatrate für die 750er-Modelle und die Integra-Modelle. „Der Kunde bekommt hier ein Finanzierungsprodukt mit drei Optionen, wobei die Honda-Services von der Honda Bank gesponsert werden“, erörtert Volker Boehme. „Das zweite Produkt ist ein Leasingangebot speziell für Fahrschulen.“

Erreicht habe die Honda Bank ihre Erfolge in erster Linie durch den, wie Volker Boehme betont, „guten Service, den wir gemeinsam mit der gesamten Mannschaft stemmen. 40% Wachstum erreicht man nicht einfach nur, indem man neue Produkte anbietet.“

„Unsere Planung sieht für 2017 allein in Deutschland ein Retailvolumen von 200 Millionen EUR vor.“ Volker BoehmeGeschäftsführer

Dennoch ist auch die Honda Bank nicht ganz frei von Sorgen, was den fachlichen Nachwuchs betrifft. „Der Fachkräftemangel ist natürlich speziell am Bankplatz Frankfurt spürbar“, sagt Volker Boehme. „Wir greifen daher schon frühzeitig in den Arbeitsmarkt ein und bieten beispielsweise Werksstudenten die Möglichkeit, die Kultur eines japanischen Konzerns kennenzulernen“, verrät der Geschäftsführer, der außerdem diverse Vorteile in der Arbeit mit einem verhältnismäßig überschaubaren Team wie dem der Honda Bank sieht: „Es ist etwas anderes, mit 83 Mitarbeitern zu arbeiten als mit 1.000. Wir arbeiten hier in kleinen, konstruktiven Teams und sehen frühzeitig Ergebnisse. So sind wir letztlich auch schneller und effizienter in der Entscheidungsfindung.“

Auch für die Zukunft will er die Weichen auf Wachstum stellen. „Was die IT und die Digitalisierung angeht, stehen noch einige Investments an“, verrät er. „Wir brauchen Wachstum, um eine Basis für weitere Investitionen zu haben.“

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