Leidenschaft für Autos

Interview

„Wir bauen die schönsten Autos der Welt“, sagt Josef Unterholzner, Gründer, Eigentümer, Kopf und Motor von Autotest. „Als Tuningspezialisten sind wir Partner großer Autohersteller für Nischenprodukte wie Spoiler und Heckschürzen, die wir als Spezialanfertigungen in Kleinserien bauen.“

‘Geht nicht gibt’s nicht’, mit diesem Motto hat Josef Unterholzner eine Erfolgsgeschichte geschrieben. 1983 gründete der gelernte KFZ-Mechaniker eine Autowerkstatt unter dem Namen Autotest und begann mit zwei Mitarbeitern.

Neben der normalen Werkstattarbeit machte sich Autotest mit Tuning einen Namen und wuchs ständig; 1990 waren es sechs Mitarbeiter, 1995 schon neun.

„Wir haben immer sehr sauber und qualitätsbewusst gearbeitet und hatten gute Berichte“, erklärt Josef Unterholzner. „Wir waren bekannt für Tuning für Privatkunden, das öffnete uns die Tür zur Autoindustrie. 1995 erhielten wir einen Anruf von VW Italien. Es gab eine Ausschreibung unter Tuningspezialisten für eine Neugestaltung des Golf Yachting. Ich habe vor allem Respekt, aber keine Angst, und an Kreativität hat es uns nie gefehlt. Wir nahmen die Golf-Version unter die Lupe und bauten sie um. Nach vier Wochen haben wir das Auto vorgestellt. Unsere Chancen lagen bei 95:5, aber wir haben den Auftrag erhalten. Anstelle von 1.000 Autos wie vorgesehen, wollte VW dann 4.000, auch das haben wir gemeistert. So entstand das neue Konzept Tuning von Autos in Kleinserie.“

Mit den Anforderungen wachsen

Der Auftrag von VW war der Auftakt, von da an erlebte Autotest anhaltendes Wachstum in der Autoindustrie. „Bei VW kamen wir mit diesem Auftrag in den Konzern, ab Golf drei bis sieben haben wir immer Aufträge bekommen“, betont Josef Unterholzner. „Dann entdeckten wir Spanien, wir bauten Sondermodelle des SEAT für Großbritannien, eine Bilderbuchgeschichte. 2000 erhielten wir einen Auftrag für Škoda und bauten in Tschechien einen Standort auf. 2005 erhielten wir den ersten Auftrag von Audi, das 1. Stoßdämpfer-Paket als Originalzubehör. Dafür bauten wir in Bratislava eine nagelneue Firma. Auch in Südtirol haben wir neu gebaut und 2005 übernahmen wir einen Wettbewerber in Südtirol, einen der größten Mitbewerber. Die Krise 2008 war die Meisterprüfung, eine Herausforderung – wir hatten 2005 eine Rieseninvestition getätigt, dann brachen die Aufträge ein. 2009 war der Horror. Vorher hatten wir im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet, jetzt konnten wir nicht einmal eine Schicht füllen. Wir haben alles transparent gemacht und sind auf Kundentour gegangen. Gerettet hat uns ein Auftrag von Škoda, den keiner wollte, Tankdeckel. Ab 2010 sind wir mit 25% pro Jahr gewachsen. Im Gegensatz zu Mitbewerbern sind wir offensiv auf den Markt gegangen und haben den Vertrieb ausgebaut statt abgebaut. Heute sind wir nahezu krisensicher. Wir sehen keine Probleme, sondern Herausforderungen. Wir halten es sportlich. 2011 haben wir den Standort Eisenach übernommen und im September 2014 einen Lackierbetrieb in Eggingen, Baden-Württemberg, damit wir Komplettlösungen bieten können; wir bauen die Teile und lackieren sie selbst.“

Breit aufgestellt

Heute hat Autotest neben der Zentrale in Lana Werke in Franzenfest, Südtirol, Bratislava, Tschechien sowie Eisenach und Eggingen, Deutschland. Mit insgesamt 560 Mitarbeitern erzielt die Gruppe einen Umsatz von 85 Millionen EUR, davon 34 Millionen am Standort Eisenach, wo Stoßfänger für Audi, Bentley und Lamborghini gebaut werden.

„Eisenach entwickelt sich sehr gut“, betont Josef Unterholzner. „Wir gelten hier als gute Arbeitgeber und haben viele loyale Mitarbeiter, das weiß ich zu schätzen. In Zukunft wollen wir die Gruppe weiterentwickeln, 5 bis 8% Wachstum pro Jahr sind das Ziel. Nach wie vor sind Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und das flexible Erfüllen der Anforderungen das beste Marketing. Wenn der Kunde sagt, er hat eine schwierige Aufgabe, und wir finden die Lösung, das ist das beste Marketing, darauf setzen wir auch in Zukunft. Neue Herausforderungen sind Elektroautos, für die wir Innovationen entwickeln. Und wir setzen auf neue Zielgruppen, wir entwickeln und bauen Teile für die Flugzeugindustrie und Skibindungen.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Automobil & Fahrzeugbau

Bauteile, die den Unterschied spürbar machen

Interview mit Philipp Bentzinger, geschäftsführender Gesellschafter der H+E Gruppe

Bauteile, die den Unterschied spürbar machen

Die Automobilindustrie befindet sich im größten Wandel ihrer Geschichte. Neue Antriebskonzepte, kürzere Modellzyklen und der steigende Stellenwert des Innenraums fordern Zulieferer heraus, flexibel und innovativ zu agieren. Die H+E Gruppe…

TECHART:Zurück auf der Überholspur

Interview mit Benedict von Canal, Geschäftsführer der TECHART Automobildesign GmbH

TECHART:Zurück auf der Überholspur

Als Benedict von Canal Ende 2023 die operative Führung von TECHART übernahm, stand der renommierte Porsche-Veredler vor dem Aus. Heute ist das Unternehmen wieder stabil – digitaler, fokussierter und mutiger…

Ein Motor ist nur so gut wie seine Bauteile

Interview mit Oliver Schöttle, Geschäftsführer der SM Motorenteile GmbH

Ein Motor ist nur so gut wie seine Bauteile

Seit über 40 Jahren steht die SM Motorenteile GmbH aus dem Großraum Stuttgart nicht nur für technische Exzellenz, sondern auch für starke persönliche Werte in ihren gewachsenen Geschäftsbeziehungen entlang der…

Spannendes aus der Region Wartburgkreis

Wie man erfolgreich eine Nische in der Autoindustrie bedient

Interview mit Christian Kümmel, Geschäftsführer der Kümmel Fahrzeugteile GmbH & Co. KG

Wie man erfolgreich eine Nische in der Autoindustrie bedient

So vielfältig wie die Verarbeitungskompetenzen – Stanzen, Nähen, Polstern, Kaschieren, Perforieren, Front- und Hinterschäumen sowie die Herstellung von PUR-Formteilen – sind auch die Produkte: Türverkleidungen, Mittelkonsolen, Kopfstützen, Anbauteile für Instrumententafeln…

Das historische Bad  Langensalza neu erleben

Interview mit Annett Standhardt, Geschäftsführerin der KTL Kur & Tourismus Bad Langensalza GmbH

Das historische Bad Langensalza neu erleben

Bad Langensalza, eine charmante Stadt in Thüringen, hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Ziel für Erholungssuchende und Naturliebhaber entwickelt. Mit einer Bevölkerung von etwa 16.000 Einwohnern bietet…

Mit Industrie 4.0 zum individuellen Mikroprodukt

Interview mit Gerrit Häcker, CEO und Gründer der Häcker Automation GmbH

Mit Industrie 4.0 zum individuellen Mikroprodukt

Die Bauteilknappheit und die Versorgungsprobleme der letzten Jahre ermutigen viele westliche Hersteller, die Rückführung aus dem Ausland zuvor ausgelagerter Produktionskapazitäten zu erwägen. Die Umstellung von der Massenproduktion auf individualisierte Produkte…

Das könnte Sie auch interessieren

Medikamente managen, Fachkräfte entlasten

Interview mit Dr. Michael Felski, Head of Sales der i-meds GmbH

Medikamente managen, Fachkräfte entlasten

Wenn Senioren täglich fünf, zehn oder noch mehr Medikamente einnehmen, steigt das Risiko für Verwechslungen – vor allem in Pflegeheimen und bei der häuslichen Versorgung. Die i-meds GmbH hat sich…

Formvollendet

Interview mit Rainer Schenk, Geschäftsführer der FBR Facondrehteile GmbH

Formvollendet

Seit über 40 Jahren bringt die FBR Facondrehteile GmbH aus Kirchhaslach in Schwaben Metall in die richtige Form. Was bescheiden in einem Keller begann, ist heute ein international agierendes Unternehmen,…

Belgisches Möbeldesign – auf Beständigkeit gebaut

Interview mit Marie Claeys, Vertriebsleiterin der Mobitec Systems S.A.

Belgisches Möbeldesign – auf Beständigkeit gebaut

Mobitec Systems S.A. aus Eupen in Belgien gehört heute zu den führenden europäischen Herstellern von Stühlen, Sesseln und Tischen und bleibt dabei fest in Familienhand. Seit 1990 steht das Unternehmen…

TOP