Wirtschaftsfaktor Mutter- und Vatertag - gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz der Feiertage

Du sollst Vater und Mutter ehren - passen Vater- und Muttertag noch ins moderne Gesellschaftsbild?

Eine Feier der Elternschaft - die Wurzeln von Mutter- und Vatertag und die wirtschaftliche Bedeutung

Ein beliebtes Argument gegen den Muttertag besagt, dass dieser ein von den Nationalsozialisten eingeführter Feiertag ist, um die klassische Rolle der Mutter in der Familie zu zelebrieren. Das allerdings ist falsch, zwar haben die Nazis sich den Feiertag für ihre Propaganda angeeignet, doch die Wurzeln des Tages liegen in den USA. Präsident Woodrow Wilson führte den Ehrentag 1914 ein, in Deutschland, der Schweiz, England und im skandinavischen Raum wurde er wenige Jahre später (ab 1923) begangen.

Älter sind sogar die Wurzeln des Vatertages, die heute nur noch im Namen des Tages zu finden sind: Christi Himmelfahrt. 39 Tage nach dem Ostersonntag zogen die Menschen mit Festprozessionen durch die Felder und beteten für die gute Ernte. Im preußischen Raum entwickelten sich daraus die sogenannten Herrenpartien, bei denen Männern wandernd und trinkend durchs Land zogen. Hieraus entwickelte sich der Vatertag, der regional auch immer noch Herrentag genannt wird.

Während Mütter sich also über Selbstgebasteltes und Blumen beim Frühstück im Bett freuen, ziehen Väter und Nicht-Väter mit dem Bollerwagen voller Bier durch die Straßen, was auch der Polizei und Feuerwehr jedes Jahr aufs Neue ein Ungemach ist.

Wirtschaftliche und soziale Erwägungen des 21. Jahrhunderts

Außerordentlich fromm sind die Fürsprecher für die Feiertage meist nicht, schließlich ist insbesondere der Muttertag vor allem ein Festtag für Floristen. Blumen, Grußkarten und Geschenkgutscheine für Massagen und Wellnesshotels haben am zweiten Sonntag im Mai Hochsaison, inzwischen lockt auch Apple mit exklusiven Geschenkideen für den Muttertag. In Deutschland sind die schenkenden Kinder mit durchschnittlich 25,- Euro für die Muttertagsgabe noch eher zurückhaltend, in den USA geben Kinder pro Kopf durchschnittlich 100,- Euro aus. Das macht den Muttertag zu einem echten Wirtschaftsfaktor. Obwohl Mütter sich über Selbstgemachtes und eine liebe Geste wohl am Meisten freuen.

Ganz so relevant ist der Vatertag mit der klassischen Geschenkkombi SOS (Schlips, Oberhemd, Socken) oder dem After Shave aus der Drogerie wirtschaftlich noch nicht, doch Tourunternehmen, Bierbikes und Hersteller von Alkoholika aller Art dürften den Umsatzanstieg durchaus verzeichnen.

Aus gesellschaftlicher Sicht stellt sich natürlich gleich mehrfach die Frage, ob das alles sein muss. Nicht nur wirkt es freilich etwas scheinheilig, Vater und Mutter nur an einem Tag aus Zwang heraus etwas schenken zu müssen, alleine die Aufsplittung und der herbe Kontrast beider Feiertage scheint ein Relikt der Vergangenheit.

Wäre es nicht wichtiger, generell an die Eltern zu denken und ihnen eine kleine Freude zu bereiten? Das muss nicht immer das Tablet sein, aber über die stereotypen Blumen oder Krawatten freuen Eltern sich an jedem Tag des Jahres. Eleganter Schmuck bringt die Augen jeder Mutter zum Leuchten und zwar das ganze Jahr über und warum sollen Väter sich an einem Tag des Jahres exzessiv gehen lassen, statt ihn mit der Familie zu genießen?

Das Fundament ist da, aber es gehört erneuert

Mit der modernen Draufsicht ist es fast etwas verwunderlich, dass Vater- und Muttertag in dieser Form den Weg in unsere Zeit geschafft haben. Wer seinen Eltern eine Freude machen möchte, sollte sich nicht den offiziellen Feiertagen gegenüber verpflichtet fühlen. Und in Zeiten, in denen die Verantwortung der Eltern gemeinsam bei der Erziehung des Kindes liegt, wäre die Schaffung eines gemeinsamen Elterntages ein wichtiges Zeichen.

Denn die Verteilung der erzieherischen Verantwortung sollte auch einen gemeinsamen Feiertag mit Signalwirkung finden, an dem Vater und Mutter ihre gemeinsame Würdigung erhalten.

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