Wie zufrieden sind Deutsche mit ihrem Girokonto?

Laut der Studie besitzen in Deutschland nahezu alle Menschen zwischen 18 und 69 Jahren (95 %) ein Girokonto. Ein Großteil der Kontoinhaber hat sich für die Sparkasse (38 %), die Volksbank (16 %) sowie die Postbank und die Commerzbank (jeweils 9 %) entschieden.

Hohe Zufriedenheit mit Girokonten

Mehr als zwei Drittel der Befragten (69 %) gab an, dass sie mit ihrem Girokonto insgesamt zufrieden sind. Besonders wichtige Entscheidungskriterien für die Wahl des Girokontos sind die Seriosität der Bank, niedrige Kontoführungsgebühren, kostenfreie Einzahlung und Abhebung im Inland sowie ein übersichtliches Onlinebanking. Außerdem achten die Kunden beim Girokonto eröffnen auf eine unkomplizierte Einrichtung, eine kostenlose Kredit- oder EC-Karte sowie ein gut ausgebautes Geldautomatennetz. Ökologische Girokonten sowie Treueaktionen sind hingegen für die meisten Kunden keine entscheidungsrelevanten Kriterien.

Onlinebanking und Geldautomatennetz

Die meisten Kontoinhaber sind bei den als besonders relevant bewerteten Faktoren Onlinebanking (80 %) sowie dem Abheben und Einzahlen von Bargeld (72 %) und dem Geldautomatennetz (72 %) sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrer Bank. Beim Kundenservice (64 %) und beim Filialnetz (57 %) ist der Anteil der zufriedenen Kunden deutlich geringen.

Unzufriedenheit mit den Kontoführungsgebühren

Der häufigste Kritikpunkt bei Girokonten sind die Kontoführungsgebühren. In Deutschland ist weniger als die Hälfte der Kontoinhaber (45 %) mit diesen zufrieden. Als Gründe für die Unzufriedenheit nannten die Umfrageteilnehmer, dass andere Banken günstigere Girokonten anbieten (56 %) und dass die Kontoführungsgebühren bei ihnen gestiegen sind (55 %).

Veränderungen bei den Kontoführungsgebühren oder anderen Faktoren des Girokontos beobachtete in den letzten 24 Monaten nur wenige Befragte (15 %). Von diesen denkt über ein Drittel (41 %) über einen Wechsel zu einer anderen Bank nach.

Kontowechsel sind die Ausnahme

Insgesamt sind Kontowechsel bei deutschen Kunden jedoch die Ausnahme. Nur sehr wenige Umfrageteilnehmer (4 %) haben in den letzten zwölf Monaten die Bank, bei denen sie ihr Girokonto führen, gewechselt. Am häufigsten haben sie sich für diesen Schritt aufgrund von gestiegenen Kontoführungsgebühren entschieden.

Die Zufriedenheit mit dem Wechselprozess war bei einem Großteil der Kontoinhaber (78 %) hoch. Als Hauptfaktoren dafür nannten sie den schnellen und unkomplizierten Prozess. Bei mehr als der Hälfte (60 %) war der Wechsel des Girokontos nach unter zwei Wochen abgeschlossen. Einige Kunden (17 %) mussten aber auch mehr als vier Wochen warten.

Hohe Preissensibilität bei Girokonten

Die hohe Preissensibilität bei Girokonten belegt auch eine Studie von Investors Marketing. Demnach erhöht bei Girokonten eine Erhöhung des Grundpreises um nur ein oder zwei Euro die Abwanderungsgefahr deutlich. Der Grundpreis des Girokontos ist laut der Studie zudem bei mehr als drei Viertel der Kunden (78 %) das zentrale Kriterium.

Ein „Konto für alle“ gibt es laut der Studie jedoch nicht. Knapp ein Drittel der Kunden (30 %) wünscht sich ein Girokonto, das Kostenvorteile bietet, wenn alle Geschäftsvorgänge online abgewickelt werden. Die übrigen Kundengruppen wünschen sich ein Girokonto mit einem geringen Grundpreis, mit einer Einzelabrechnung genutzter Leistungen (29 %), ein Girokonto, bei dem Filialleistungen ohne Zusatzkosten inklusive sind (21 %) oder ein Girokonto mit einem Pauschalpreis für alle Leistungen (20 %). Es wird somit deutlich, dass Banken durch unterschiedliche Kontoalternativen und Zusatzleistungen eine bessere Kundenbindung erreichen und leichter Neukunden gewinnen können.

Kosten der Bankkunden steigen

Obwohl Kunden bei Girokonten sehr preissensibel sind, wollen laut der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) viele Banken in Deutschland die Kontoführungsgebühren erhöhen. Verantwortlich dafür sind vor allem das Niedrigzinsumfeld, das zu sinkenden Zinseinnahmen geführt hat. Die Banken konnten in den letzten Jahren dadurch geringere Gewinne erzielen und suchen deshalb nach neuen Einnahmequellen.

„Die Institute in Deutschland mussten in den vergangenen Jahren lernen, sich in einem Niedrigzinsumfeld zurechtzufinden und mit deutlich geringeren Zinseinnahmen auszukommen als in früheren Zeiten“, erklärt Thomas Griess, Managing Partner Financial Services Deutschland bei EY.

Knapp die Hälfte der 120 befragten Finanzinstitute, darunter 109 Banken und Fintech-Unternehmen, wollen die Kontoführungsgebühren bei Girokonten demnach zeitnah erhöhen oder haben dies bereits getan. Zudem haben viele Banken (40 %) bereits ihre Überweisungskosten erhöht oder zumindest eine Erhöhung geplant.

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