„Vom Schlachtschiff zur Fregatte“

Franken Guss GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Ramthun, Franken Guss ist fast 100 Jahre alt. Was war der Ursprung des Unternehmens?

Josef Ramthun: Wir haben einen Wandel von einer Aktiengesellschaft zum Familienunternehmen vollzogen. Das Unternehmen wurde 1922 als Metall- und Schrott AG gegründet. Danach war es als Gießerei für die Firma Sachs, heute ZF Friedrichshafen, lange Jahre untrennbar mit diesem Namen verbunden. Der Bereich Schmieden und Gießen wurde 2004 ausgegründet und von dem amerikanischen Unternehmen Metal Technologies übernommen. 2009 geriet die Gießerei im Zuge der Lehman Brothers Krise in die Insolvenz. Noch im selben Jahr habe ich es in einem Management Buyout gekauft und unter dem Namen Franken Guss Kitzingen weitergeführt. Wir konnten dadurch die Konzernlast abwerfen und sind sozusagen von einem Schlachtschiff zu einer Fregatte mutiert. Seit 2013 haben wir einen zweiten Standort in Chemnitz, die Sachsen Guss. Sie ist die ehemalige Gießerei des Siemens-Konzerns.

Wirtschaftsforum: Was genau bieten Sie an?

Josef Ramthun: Bei uns befindet sich Eisen- und Aluminiumguss unter einem Dach, damit sind wir wohl die Einzigen auf dem Markt. Beim Eisenguss wird Flüssigeisen, dass aus Stanzabfällen stammt, in Sand gegossen. Das Aluminium wird dagegen mit Druck in eine Dauerform aus Stahl gegeben. Dafür verwenden wir Sekundär-, also recyceltes, Aluminium. In unserem Technologiezentrum haben wir alle Mittel an Bord, um aus einer Idee ein funktionierendes Gussteil zu machen, und arbeiten dabei mit dem Entwickler des Kunden zusammen. Unser Motto lautet ‘im Dialog zur Lösung’. Wir bieten auch die anschließende Veredelung, Bearbeitung und Beschichtung sowie die Teilmontage. Zu 95% sind wir Automobilzulieferer, gießen aber zum Beispiel auch Ofentüren für Gaggenau und Sitzfüße für die Luftfahrt. Wir fertigen von Losgröße 1 bis zur Serie mit über einer Million Stück im Jahr. Unsere Kunden sind OEMs, Tier-1-Lieferanten und Endkunden in der ganzen Welt.

Wirtschaftsforum: Wie erleben Sie die derzeitige Entwicklung in der Automobilindustrie?

Josef Ramthun: Bei uns zieht die Nachfrage gerade wieder richtig an. Schon vor Corona war in der Automobilindustrie eine erhebliche Absatzschwäche zu verzeichnen. Während des Corona-Lockdowns im April, als Werke geschlossen waren, ist unser Volumen auf 25 bis 30% abgesunken. Von da an ging es in kleinen Schritten bergauf. Jetzt scheint es, als würde alles nachgeholt. Wir haben eine Abrufsituation wie in besten Zeiten und fahren Sonderschichten. In der Corona-Zeit konnten wir auch einige Neuteile im Bereich der E-Mobilität gewinnen und haben inzwischen Anfragen von weiteren Herstellern. Das ist für uns ein wichtiger Schritt, um den Wandel hin zur E-Mobilität zu begleiten. Denn bei einem Auto ohne Getriebe werden viele Teile, die wir herstellen, gar nicht mehr benötigt. Wir haben viel investiert, um die Wertschöpfungskette unter einem Dach zu haben. Das wird immer wichtiger und war für uns jetzt bei der E-Mobilität ein großer Pluspunkt. Es ermöglicht uns, viel schneller zu entwickeln, als es bisher möglich war.

Wirtschaftsforum: Warum arbeiten die Kunden gerade mit Franken Guss zusammen?

Josef Ramthun: Der Grund ist, dass wir die besten Mitarbeiter haben. Wir sind in der Lage, aus einer Idee die für den Kunden beste Lösung zu machen. Darüber hinaus bieten wir sowohl im Eisen als auch im Aluminium Sonderverfahren und -werkstoffe.

Wirtschaftsforum: Welche Entwicklungen gibt es bei Ihnen in Sachen Digitalisierung?

Josef Ramthun: Wir haben ein zusätzliches Unternehmen gegründet, das sich ausschließlich mit der Digitalisierung der Prozesse beschäftigt. Es hat seinen Ursprung in einer Tochter der Commerzbank. Mit ihm haben wir ein Kommunikationstool mit dem Namen Prolution entwickelt, dass wir nicht nur selbst nutzen, sondern jetzt auch dem ganzen Markt anbieten. Es bildet die gesamte Wertschöpfungskette von der ersten Idee bis zur Serienfähigkeit ab. Gerade in Pandemiezeiten hat uns diese Plattform sehr geholfen.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre Ziele und Vorstellungen für die Zukunft von Franken Guss?

Josef Ramthun: Unser Ziel ist, in dieser Region noch sehr lange ein wertgeschätztes Unternehmen zu sein, auch für die Menschen, die hier leben – ein Unternehmen, in das man sein Kind gern zur Ausbildung gibt und in dem man sein ganzes Berufsleben verbringen kann. Das gehört zu unserem Selbstverständnis als Mittelständler. Für unsere Unternehmensgruppe ist es mir wichtig, unabhängig zu bleiben und auch die Möglichkeit zu haben, ‘nein’ zu sagen zu Dingen, die für das Unternehmen nicht gut sind. Als Familienunternehmen müssen wir natürlich an die Nachfolge denken. Alle Kinder der Familie sind inzwischen an unterschiedlichen Stellen im Unternehmen beschäftigt. Es sieht also danach aus, als wenn auch hier die Weichen gestellt sind.

Wirtschaftsforum: Eine erfolgreiche Zukunft erfordert auch kompetente Mitarbeiter. Wie sehen Sie hier die Perspektiven?

Josef Ramthun: Da haben Sie absolut Recht. Wir sind ein Ausbildungsbetrieb, müssen uns aber anstrengen, um genügend Auszubildende zu finden und damit das Fortbestehen des Unternehmens zu sichern. Denn wir benötigen Fachkräfte für sehr spezielle Themen wie Modellbauer, Gießereimechaniker oder Anlagenelektroniker. Wir gehen in die Schulen, um die Kinder frühzeitig zu interessieren. In Chemnitz haben wir eine Schülergießerei, die jede Woche von einer Schulklasse besucht wird. Die Auszubildenden erzählen dort von ihren Erfahrungen und jeder Schüler darf selbst ein Gussteil herstellen und mitnehmen. Ich selbst bin als Modelltischler auf ähnliche Weise zu diesem Beruf gekommen.

Franken Guss GmbH & Co. KG
An der Jungfernmühle 1
97318 Kitzingen
Deutschland
+49 9321 9320
+49 9321 932225
info(at)frankenguss.de
www.frankenguss.de

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