Rettende Renditeinsel in Zeiten der "kalten Enteignung"?

Geldanlage Mittelstand

Der Beiname Nebenwerte-Index wird dem MDAX in diesen Tagen alles andere als gerecht. Im medialen Schatten des großen Bruders DAX laufen die so genannten Midcaps zur historischen Höchstform auf. Deutschlands Mittelstand stiehlt den international operierenden Großkonzernen, den Blue Chips, immer mehr die Show.

Explosionsartige Wertsteigerung

Seit Jahresanfang hat der MDAX fast 23% an Wert gewonnen, während der DAX nur rund 9% zulegen konnte (Stand: 12.09.2013). Das liegt vor allen Dingen an Papieren wie dem des Unternehmens Dürr. Die Aktien des weltweit führenden Automobilzulieferers mit Sitz in Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart sind mit einer Steigerung um etwa 70% geradezu explodiert.

Doch nicht erst in diesem Jahr laufen die Nebenwerte besser als die Standardwerte. Seit der Gründung vor 25 Jahren hat der MDAX fast immer besser abgeschnitten als der DAX. So konnten die mittelgroßen Werte im Durchschnitt um 11% pro Jahr zulegen, während die 30 führenden Aktiengesellschaften in Deutschland „nur“ ein Plus in Höhe von 8,5% erreichten.

Schwergewichte und Übernahmen sorgen für Kursfeuerwerke

Der Erfolg des MDAX ist vor allem auf die gute Entwicklung von einigen Schwergewichten wie dem Medienkonzern Kabel Deutschland oder dem europäischen Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern EADS zurückzuführen. Auch die im MDAX überdurchschnittlich häufigen Übernahmeaktivitäten sorgen regelmäßig für ein Kursfeuerwerk und haben letztendlich zu dem neuen Allzeithoch geführt.

Es werden jedoch zunehmend Stimmen laut, die vor einer allzu großen Euphorie und Spekulationsblase warnen. So steht der MDAX 250% über dem Kurstief im Jahr 2009. Viele Experten halten manche Papiere daher für stark überbewertet, auch wenn die Gewinnaussichten im Einzelfall gut sind.

Hohe Gewinnerwartungen machen den MDAX teuer

Beispiel: Kabel Deutschland. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des größten Kabelnetzbetreibers in Deutschland liegt bei rund 26. Ein Anleger müsste also das 26-Fache des erwarteten Jahresgewinns bezahlen. Insgesamt war das KGV des MDAX im Vergleich zu anderen Indizes immer recht hoch.

Die hohen Gewinnerwartungen der Analysten machen die Aktien teuer. Zu teuer, wie viele meinen. Sobald der Gesamtmarkt korrigiert, wirkt sich das aufgrund der geringeren Liquidität der Mittelständler überdurchschnittlich stark auf deren Index aus. Es gilt die alte Börsenweisheit: Das Kapital ist ein scheues Reh – beim MDAX offenbar noch ein wenig scheuer.

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