Haarige Handwerkskunst

Interview mit Ralf Bade, Geschäftsführer der Bürstenmann GmbH

Die Bürstenmann GmbH aus Stützengrün im Erzgebirge, ihre Geschichte und ihre Entwicklung, sind beispielhaft für die Region ‘Rund um den Kuhberg’. Bekannt als Bürsten- und Pinselmachergemeinde, wurde die Firma Bürstenmann 1925 in Stützengrün gegründet. Den Namen gab es allerdings schon vorher; 1906 war Bürstenmann eine Abteilung des Schönheider Konsumvereins; 1919 übernahm die Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Consumvereine die Produktion, die den Betrieb Bürstenmann dann 1925 gründete.

Aus Tradition mit der Zeit gehen

Seitdem hat sich Bürstenmann vielen Herausforderungen erfolgreich gestellt – der Wiedervereinigung, neuen technologischen Entwicklungen, steigenden Kundenbedürfnissen – und präsentiert sich heute als modernes, zukunftsorientiertes Unternehmen mit einer klaren Vision, die von einem strikten Bekenntnis zu Qualität, Kundenorientierung und Nachhaltigkeit geprägt ist.

120 Mitarbeiter sind für Bürstenmann tätig, der Umsatz liegt bei 30 Millionen EUR und wird in den drei Geschäftsbereichen Haushaltswaren, Zahnpflege und Heimwerkerbedarf generiert. Bei den Haushaltswaren dominieren klassische Straßenbesen, Handfeger und WC-Bürsten, allerdings geht der Trend zu elektrischen Geräten wie Reinigungs- und Saugrobotern. Auch bei den Zahnbürsten liegen heute eher elektrische als manuelle Geräte im Trend. Der Bereich Heimwerkerbedarf ist von diversen Produkten zum Streichen und Lackieren von Decken und Wänden geprägt, die von externen Partnern zugekauft werden.

„Wir produzieren alles, was mit Holz und Borsten zu tun hat“, wie Geschäftsführer Ralf Bade resümiert. „Zahnbürsten machen heute einen Löwenanteil am Geschäft aus. Sie sind seit etwa 40 Jahren Teil des Portfolios und haben sich, genauso wie alle anderen Produkte, kontinuierlich verändert. Gemeinsam mit unseren Kunden denken wir immer wieder um, optimieren und erfinden uns neu.“

Nachhaltig gut

Beispielhaft für diese Anpassung an Marktbedürfnisse ist die Entwicklung einer Buchen-Zahnbürste – die umweltfreundliche, nachhaltige Alternative zu Kunststoff. Die Zahnbürste steht für hervorragende Pflegeffekte, Regionalität und Nachhaltigkeit. Das Buchenholz stammt aus Wäldern des Erzgebirges, die Borsten basieren auf nachwachsenden Rohstoffen wie Rizinusöl, das aus den Samen des tropischen Wunderbaums gewonnen wird. Damit sind sämtliche verwendete Materialien vegan und erdölfrei. Selbiges gilt für die Verpackung aus recycelbarem Karton.

„Nachhaltigkeit ist bei Kunden ein großes Thema, das auch wir sehr ernst nehmen“, so Ralf Bade. „Holzbürsten spielen deshalb eine immer größere Rolle; zudem haben wir viele Verpackungen umgestellt. Wenn eine Handelsmarke auf kunststofffreie Verpackungen umrüstet, ziehen andere automatisch nach. Investitionen in Verpackungsmaschinen für Zahnbürsten waren deshalb für uns eine logische Folge.“

Konsequent made im Erzgebirge

Bürstenmann hat sich immer auf den Markt eingestellt und Produkte lanciert, die langlebig, funktional und optisch ansprechend sind – und für Quality made in Germany stehen. „Uns gibt es seit 100 Jahren“, sagt Ralf Bade. „Bei unseren Produkten handelt es sich um Privat Label, die seit langem bekannt sind.“

Zu den Kunden zählen der Lebensmitteleinzelhandel, Drogerien, Möbelhäuser und Baumärkte, darunter bekannte Größen wie Rewe, Real, Lidl, Penny und Kaufland. „Wir haben unsere Kunden immer gepflegt und deshalb ein gutes Standing“, wie Ralf Bade betont. „Gerade im Lebensmittelbereich sind wir sehr stark, was zu Corona-Zeiten ein großer Vorteil war, weil Supermärkte während des Lockdowns offenblieben. Was uns aktuell Probleme bereitet, sind steigende Rohstoffpreise, insbesondere bei Holz, sowie stark gestiegene Frachtkosten bei Ware aus Asien oder Osteuropa. Im Moment beobachten wir eine Marktbereinigung. Auch wenn wir gut aufgestellt sind, denken wir über Fusionen oder Akquisitionen nach, um unsere führende Marktposition auch künftig behaupten zu können.“

Von Stützengrün in den Oman

Nicht nur in Deutschland ist Bürstenmann ein gefragter Partner. Zahnbürsten werden verstärkt im internationalen Ausland vertrieben, und zwar weltweit. „Historisch bedingt beliefern wir alte Exportmärkte wie Katar und den Oman, aber auch die Niederlande, Großbritannien, Skandinavien, im Prinzip ganz Europa. In Zukunft wollen wir uns noch internationaler aufstellen; Produkte made in Germany sind nach wie vor international gefragt.“ Bürstenmann hat ehrgeizige Zukunftsziele, um nicht nur das 100-jährige Jubiläum, sondern auch die 100 plus zu feiern. Die Produktion soll gestärkt werden, der Umsatz gehalten, das Thema Nachhaltigkeit weiter im Fokus stehen. Gleichzeitig ist man sich bewusst, dass neue Herausforderungen auf das Unternehmen zukommen.

„Wir sind im Erzgebirge, einer Region, aus der viele junge Leute weggehen“, so Ralf Bade. „Schon heute sind 60% unserer Mitarbeiter Tschechen. Wenn die Mindestlöhne steigen, wird es für uns nicht einfacher. Weil Verbraucher sehr preisbewusst sind, werden wir in neue Maschinen für die Produktion von Haushaltswaren investieren und hoffen, so die Preise halten zu können.“ Auch in der Führungsriege stehen in Kürze Veränderungen an. „Ich werde in zwei Jahren in Rente gehen“, so Ralf Bade. „Mit Herrn Fester steht ein junger, engagierter Nachfolger bereits in den Startlöchern. Klar ist, dass wir auch auf lange Sicht an der eigenen Produktion festhalten wollen.“

Bürstenmann GmbH
Schönheider Straße 61
08328 Stützengrün
Deutschland
+49 37462 6420
+49 37462 64241
buerstenmann(at)buerstenmann.de
www.buerstenmann.com

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Mutmacher, pädagogischer Mental Coach und Inklusions-Pionier im Sport: Julien-Ashton Kreutzer

Mutmacher, pädagogischer Mental Coach und Inklusions-Pionier im Sport: Julien-Ashton Kreutzer

Julien-Ashton Kreutzer ist ein Vorbild der modernen Sportkultur: Er zeigt, dass Leistung kein Privileg ist, sondern eine Frage der inneren Einstellung. Als Gründer und Geschäftsführer von „Deine Grenze - deine…

Bauprozesse digitalisieren: Containerbestellung und Baustoffbeschaffung laufen zunehmend über Plattformen

Bauprozesse digitalisieren: Containerbestellung und Baustoffbeschaffung laufen zunehmend über Plattformen

Die Digitalisierung im Bau wird oft mit großen Systemen wie BIM oder automatisierter Baustellensteuerung in Verbindung gebracht. In der täglichen Praxis entstehen Verzögerungen jedoch vor allem an ganz anderen Stellen.…

Wie neue virtuelle Bedienoberflächen Prozesse effizienter machen

Wie neue virtuelle Bedienoberflächen Prozesse effizienter machen

Neue virtuelle Bedienoberflächen, die direkt im Raum vor uns erscheinen, verändern grundlegend, wie Menschen mit digitalen Systemen arbeiten. Was früher komplex und manuell war, wird zunehmend intuitiv, automatisiert und skalierbar.…

Aktuellste Interviews

Hightech-Medizin, die Hoffnung macht

Interview mit Ciril Faia, CEO Curium International

Hightech-Medizin, die Hoffnung macht

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Laut Robert-Koch-Institut erkranken in Deutschland jährlich knapp 80.000 Männer neu daran. Bei einer Früherkennung sind die Heilungschancen sehr gut. In Deutschland hat Curium…

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Interview mit Dr.-Ing. Ansgar Kaupp, CEO und Partner der EyeC GmbH

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Fehlerhafte Verpackungen können Millionen kosten – durch Rückrufe, Lieferengpässe oder regulatorische Folgen. Genau hier setzt die EyeC GmbH mit intelligenten Inspektionssystemen an, die Druckbilder, Barcodes und selbst Brailleschrift zuverlässig prüfen.…

Im (Material-)Fluss bleiben

Interview mit Patrick Schlotter, Geschäftsführer der Flexco Europe GmbH

Im (Material-)Fluss bleiben

In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, volatiler Lieferketten und steigender Anforderungen an Effizienz und Anlagenverfügbarkeit rückt die Zuverlässigkeit industrieller Prozesse zunehmend in den Fokus. Gerade in automatisierten Materialflüssen sind stabile, wartungsarme Lösungen…

TOP