Wie man Banking einfacher und effizienter macht

Interview mit Boris Hoeflich, Vorstand der G&H Bankensoftware AG

Wirtschaftsforum: Herr Hoeflich, Ihr Unternehmen gehört zu den Pionieren im Softwarebereich für Finanzdienstleister. Seit wann sind Sie in diesem Markt aktiv?

Boris Hoeflich: Das Unternehmen ist Anfang der 1990er-Jahre entstanden, als Ausgründung aus dem Bankhaus Gries & Heissel. Wir haben in dieser Zeit als Vorreiter der Banken-IT Unternehmen in Deutschland bereits auf Unix und relationale Datenbanken gesetzt, während noch teure und unflexible Großrechner die IT-Landschaft der Banken bestimmten. Wir haben damals eines der ersten Kernbanksysteme entwickelt, die ‘unter einen Schreibtisch’ passten. Wichtig war für uns in der Vergangenheit immer, ein Lösungsportfolio zu entwickeln, das kleineren und mittelgroßen Banken alles bietet, was sie für ihr Geschäft benötigten. In den ersten Jahren haben wir auch genau dies getan und lange Zeit alle Komponenten kontinuierlich weiterentwickelt. In den letzten Jahren haben wir uns nun Stück für Stück von verschiedenen Modulen verabschiedet und in diesem Zuge verstärkt auf Kooperationen mit Partnern im digitalen Ökosystem gesetzt.

Wirtschaftsforum: Woraus besteht ihr Lösungsportfolio heute?

Boris Hoeflich: Wir entwickeln und betreiben weiterhin unser BANCOS Core Banking System für unsere Kunden. Der Produktfokus richtet sich dabei heute vornehmlich auf das Einlagen- und Kreditgeschäft. Ein sehr großer Teil unserer Geschäftsaktivitäten liegt mittlerweile auf unserem Produkt BANCOS Onboarding. Es basiert auf der CAMUNDA Workflow Engine, ist Kernbanksystem-unabhängig und international einsetzbar. Unsere Kunden nutzen es für digitale Antragsstrecken im B2B- und B2C-Geschäft, beispielsweise für die vollautomatisierte Beantragung von Ratenkrediten. Darüber hinaus bieten wir auch eine umfangreiche und doch leichtgewichtige, vom Kernbanksystem unabhängige, Online Banking Suite an.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Ihre Lösungen von anderer Bankensoftware?

Boris Hoeflich: Eine unserer Stärken im Core Banking lag schon immer in einer besonders hohen Flexibilität gegenüber den Wünschen unserer Kunden. Daraus resultiert seit über 30 Jahren ein Core Banking System mit einem Individualisierungsgrad, wie ihn Banken sonst nur von ihrer eigenen IT erhalten würden. Unsere digitalen Antragsstrecken sind über die vergangenen zehn Jahren aus unserem Kerngeschäft heraus entstanden. Einerseits, weil mehr und mehr Bedarf an der effizienten Automatisierung von Backend-Prozessen entstand. Andererseits, weil unsere Kunden ein zeitgemäßes und kosteneffizientes Customer Onboarding wünschten. Vor diesem Hintergrund bringen wir heute bei der Workflow-Automatisierung ein tiefes Wissen über die gesamten fachlichen und technischen End-to-End-Prozesse mit, das uns besonders effiziente Lösungen für unsere Kunden entwickeln lässt. Auch bei der Entwicklung unseres Online-Bankings konnten wir durch unser bestehendes Kernbanksystem von Anfang an ein ideales Zusammenspiel zwischen Frontend und Backend realisieren. Wir positionieren uns mit dem BANCOS Online-Banking als smarte, leichtgewichtige und kosteneffiziente Lösung.

Wirtschaftsforum: Gibt es aktuelle Themen, die Ihr Geschäft beeinflussen?

Boris Hoeflich: Auf jeden Fall! Die Digitalisierung im Bankensektor ist ein Dauerthema, das jedoch in den letzten Jahren deutlich an Fahrt aufgenommen hat. Dies führt bei uns beispielsweise seit längerer Zeit schon zu einer kontinuierlich steigenden Nachfrage im Bereich der digitalen Antragstrecken. Der hohe Wettbewerbsdruck sowie die Notwendigkeit, Kosten im Vertrieb und im Backoffice zu sparen, treiben diesen Trend maßgeblich voran. Das Gute daran ist, dass am Ende vornehmlich der Endkunde von diesen Veränderungen profitieren wird. Die steigende Inflation und die damit sich gegebenenfalls verändernde Zinspolitik führen darüber hinaus in Teilen schon dazu, dass wieder ein erhöhtes Interesse am Einlagengeschäft entsteht. Dies betrifft alle unsere Produkte. Dazu gibt es natürlich auch unternehmensinterne Themen, die uns beschäftigen. Unter anderem befinden wir uns aktuell in der agilen Transformation und führen dabei Scrum in der Softwareentwicklung ein. Dadurch können wir uns effizient und nachhaltig aufstellen.

Wirtschaftsforum: In welchen Auslandsmärkten sind Sie aktiv?

Boris Hoeflich: Unser Kernbanksystem ist eines der wenigen, das hierzulande mit allen regulatorischen Anforderungen mühelos umgehen kann. Als wir vor einigen Jahren einmal einen Core Banking Kunden in den Niederlanden an Bord genommen haben, konnten wir allerdings schnell feststellen, dass die regionalen Unterschiede teilweise sehr hoch sind. Aus diesem Grunde haben wir uns dafür entschieden, mit dem BANCOS Core Banking unsere Stärke im regulatorischen Bereich auf nationaler Ebene auszuspielen. Im Bereich Workflow-Automatisierung sowie im Online Banking sind wir jedoch sehr viel flexibler. Diese Lösungen können und wollen wir zukünftig auch international zum Einsatz bringen.

Wirtschaftsforum: Welche weiteren Ziele haben Sie sich gesteckt?

Boris Hoeflich: Unser Kundenfokus lag bisher ausschließlich auf kleinen und mittelgroßen Banken. Neben der verstärkten Vermarktung unseres gesamten Produktportfolios inklusive des Online Bankings und der digitalen Antragsstrecken wollen wir auch unsere Zielgruppe auf Fintechs und Banken jeder Größe erweitern. In Anbetracht der Entwicklung der Branche über die letzten Jahre ist dies für uns der logische nächste Schritt. Um zukünftig nicht mehr ausschließlich als Anbieter eines individualisierten Core Banking Systems wahrgenommen zu werden, bedarf es da natürlich auch zusätzlich einiger Aktivitäten im Bereich Marketing und Branding. Darüber hinaus wollen wir auch personell wachsen. Im Zielbild werden aus den 80 Mitarbeitenden heute 160 in den kommenden drei Jahren.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Die digitale Fabrik im Webbrowser. Wie digitale Zwillinge die Zusammenarbeit in Unternehmen verändern

Die digitale Fabrik im Webbrowser. Wie digitale Zwillinge die Zusammenarbeit in Unternehmen verändern

Hallen, Maschinen und Kennzahlen in einer einzigen Browseransicht: Was früher Spezialsoftware erforderte, lässt sich heute per Link teilen. Fachabteilungen, Management und Service sprechen dadurch früher über denselben Raum, und Entscheidungen…

Aktuellste Interviews

Mit den Aufgaben gewachsen

Interview mit Stefan Wolters, Geschäftsführer der Wolters GmbH

Mit den Aufgaben gewachsen

Vom Kohlenhandel über Erdarbeiten bis zu Abbruch, Recycling und Transport: Die Wolters GmbH aus Saerbeck hat ihr Leistungsspektrum über Jahrzehnte stetig erweitert. Heute setzt das Familienunternehmen auf moderne Technik und…

Architektur im Wandel

Interview mit Stefan Vogl, geschäftsführender Gesellschafter der bharchitektengesellschaft mbH

Architektur im Wandel

Öffentliche Bauprojekte werden komplexer, der Wettbewerb intensiver und Nachhaltigkeit zur grundlegenden Planungsaufgabe. Die bharchitektengesellschaft mbH begegnet diesem Wandel mit jahrzehntelanger Erfahrung, einem breiten Kompetenzspektrum und der Bereitschaft, neue Rollen als…

Gemeinsam die Energiewende gestalten

Interview mit Raphael Noack, Geschäftsführer der Energieforen Leipzig GmbH

Gemeinsam die Energiewende gestalten

Dekarbonisierung, neue Geschäftsmodelle, Digitalisierung, KI und steigende Anforderungen an Sicherheit und Finanzierung: Stadtwerke stehen vor einem tiefgreifenden Wandel. Die Energieforen wollen sie dabei nicht nur beraten, sondern gemeinsam mit ihnen…

TOP