Familienunternehmen und ihr Geheimnis

Warum sind Familienunternehmen so bedeutend?

Familiär geführte Betriebe haben in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Das kommt nicht von ungefähr. Durch unsere zahlreichen Interviews haben wir vom Wirtschaftsforum erfahren, dass es viele Attribute gibt, die derartige Unternehmen ganz besonders auszeichnen und die dazu führen, dass Kunden sich für das Family Business und gegen die weltweit agierende Kette entscheiden. Besonders in Deutschland sind Familienunternehmen für eine florierende Wirtschaft unerlässlich, denn 90 Prozent aller Firmen sind familiär geführt. Hier geht es also nicht nur um den Bäcker nebenan, sondern um das Aufrechterhalten der Infrastruktur ganzer Städte und Gemeinden. Um die 200 Familienunternehmen in Deutschland erwirtschaften zusätzlich einen Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro. Nicht nur diese Big Player, sondern auch kleinere Firmen stellen hierzulande außerdem sechs von zehn Arbeitsplätzen.

Was haben Familienunternehmen der Konkurrenz voraus?

Familienunternehmen haben oftmals eine lange fachspezifische Historie und Tradition. Das ist aber nicht der einzige Grund, weshalb Kunden und Partner Firmen dieser Art als besonders professionell und vertrauenswürdig einschätzen. Die Firmenphilosophie ist es, die familiär geführte Betriebe auch nach außen hin von großen Ketten unterscheidet. Dazu gehört nicht nur die regionale Verankerung und die Bedeutung für den Standort, sondern auch eine herzliche Kundenansprache, die vor allem dann zum Tragen kommt, wenn dem Kunden Interaktion auf einer Ebene wichtig ist. Dazu gehören Stabilität und Zuverlässigkeit, zwei Eigenschaften, die besonders mit Familienunternehmen in Verbindung gebracht werden. Aufseiten von Arbeitnehmern zeichnen sich Familienunternehmen zusätzlich durch flache Hierarchien und ein freundschaftliches Miteinander aus. Diese Tatsache macht Firmen nicht nur für Berufseinsteiger besonders interessant.

Familienunternehmen im Wandel der Zeit

Wie bereits gesagt, haben familiär geführte Betriebe eine lange und vor allem erzählenswerte (Erfolgs)Geschichte. Unser Interview mit der Franken Guss GmbH & Co. KG sowie vor allem das Unternehmen ist an dieser Stelle sicherlich als Paradebeispiel eines erfolgreichen Familienunternehmens zu nennen. Die Firma mit Sitz in Kitzingen blickt auf eine 100-jährige Tradition zurück, denn sie wurde 1922 unter dem Namen Metall- und Schrott AG gegründet. Lange Zeit lag der Fokus des Betriebes auf der Funktionalität als Gießerei für die Firma Sachs (ZF Friedrichshafen). Erst 2004 wurde der Bereich Schmieden und Gießen von dem amerikanischen Unternehmen Metal Technologies übernommen. 2009 folgte die Insolvenz, die aber zeitgleich einen Wendepunkt markierte. Geschäftsführer und Gesellschafter Josef Ramthun erwarb den Betrieb in einem Management Buyout und führte ihn zu neuer Blüte. Heute gibt es sogar einen zweiten Standort in Chemnitz. Die Franken Guss GmbH & Co. KG ist dabei zum großen Teil Zulieferer der Automobilindustrie, einem Zwei, der ebenfalls vor einer völligen Neuorientierung durch die Elektromobilität steht. Ein Faktor, mit dem sich natürlich auch Josef Ramthun befasst. Er sieht sein Unternehmen als fest etablierten Bestandteil des Wandels der Automobilindustrie, das sich vor allem durch die Digitalisierung, der lokalen Verortung und der Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern auszeichnet.

Familienunternehmen überdauern Krisen

Ähnliches gilt auch für die Seitz GmbH mit Sitz in Kriftel, die sogar auf mehr als 100 Jahre Unternehmensgeschichte zurückblicken kann. Im Interview mit der Seitz GmbH erfuhren wir, dass man sich zunächst mit der Herstellung von Farben zum Färben von Textilien befasste, die Seitz GmbH avancierte aber mittlerweile zu einem Marktführer bei der Herstellung von Hygienemitteln. Alexander Seitz, der das Familienunternehmen mittlerweile in der vierten Generation leitet, betont im Interview mit dem Wirtschaftsforum, dass die Fähigkeit sich immer wieder auf neue Marktsituationen einstellen zu können, ausschlaggebend für den Erfolg der Seitz GmbH ist. Als Beispiel nennt er den zweiten Weltkrieg, der den Markt massiv durcheinanderwirbelte und dafür sorgte, dass Färbereien ihren Schwerpunkt auf Wäscherei und Reinigungsannahmen verlegen mussten. Das traf auch auf die Seitz GmbH zu, die bis in die 80er-Jahre als chemische Textilreinigung bekannt war. Mit den wachsenden Anforderungen an die Umwelt, orientierte sich auch das Familienunternehmen neu: Vor allem Produkte zur Desinfektion gehörten zum größten Absatzmarkt, die auch die neue Identität des Betriebes bildeten.

Family Business im globalen Kontext

Ein Vorreiter in der Disziplin ein Familienunternehmen nach vorne zu bringen ist Swarovski. Egal ob Schmuckliebhaber oder nicht, es gibt kaum jemanden auf der Welt, der mit dem Hersteller von edlen Ketten, Ringen und Armbändern aus Wattens in Österreich nichts anfangen kann. Bereits im Jahr 1895 begann der Betrieb unter Gründervater Daniel Swarovski die Schmuckbranche zu erobern. Von Österreich aus finden sich Abnehmer in um die 170 Ländern auf der ganzen Welt. Die unterschiedlichen Anforderungen auf den länderspezifischen Märkten sind es auch, die eine enge lokale Zusammenarbeit erforderlich macht. Regionale Kollektionen und Markenpartnerschaften sowie Kooperationen mit lokalen Designern und Künstlern macht die Identität der Marke aus. So designte man im Hause Swarovski zum Beispiel gemeinsam mit Ikone Daniel Liebeskind den berühmten Stern für den New Yorker Weihnachtsbaum. Besonders wichtig ist hierbei die Mischung aus kunsthandwerklichem Können, neuester Technologie und kreativem Design. Neben der Orientierung auf den weltweiten Schmuckmarkt setzt sich die Swarovski KG aber auch für gemeinnützige Projekte ein und leistet so ebenfalls einen großen Anteil zum Thema Umweltschutz. Besonders die Swarovski Wasserschule, in der junge Menschen auf die nachhaltige Wassernutzung aufmerksam gemacht werden, gehört zu den Herzensangelegenheiten des globalen Familienunternehmens.

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