ifo-Umfrage 2026: Während viele Unternehmen bremsen, setzen andere auf Wachstum – warum?

Der – neuerliche Dämpfer – kam kurz vor dem Weihnachtsfest 2025 und enthielt eine wenig besinnliche Botschaft. „Jedes vierte Unternehmen rechnet 2026 mit schlechteren Geschäften“, meldeten die renommierten Konjunkturforscher des in München ansässigen Ifo Instituts Ende Dezember 2025 in einer Pressemitteilung. Rund 26 Prozent der deutschen Unternehmen erwarten demnach 2026 eine Verschlechterung ihrer Geschäfte. 59 Prozent der befragten Unternehmen rechnen damit, dass sich ihre wirtschaftliche Lage im laufenden Jahr nicht verändern wird. Und magere 14,9 Prozent hoffen auf eine Verbesserung. „Die Unternehmen bleiben sehr zurückhaltend – von Aufbruchstimmung ist weit und breit nichts zu sehen“, urteilt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Wirklich optimistisch blickt kaum eine Branche auf 2026“.

Stimmung im Handel und auf dem Bau besonders schlecht

Die Skepsis erstreckt sich nach seinen Worten über alle Wirtschaftsbereiche. Einziger Lichtblick: der Bereich der elektrischen Ausrüstungen, in dem der Anteil der optimistischen Unternehmen (27,1 Prozent) den der pessimistischen Unternehmen (12,7 Prozent) übertrifft. Besonders viele zurückhaltende Erwartungen kommen laut Wohlrabe aus dem Handel „Hier erwarten 32,5 Prozent eine Verschlechterung.“ Genauso trüb ist die Stimmung auf dem Bau. „Die Zahlen sind insofern überraschend, als die Branche eigentlich auf das angekündigte Infrastrukturpaket hoffen könnte. Euphorie scheint dies noch nicht auszulösen“, sagt Wohlrabe.

Doch ein Abgesang auf den einst so stolzen Standort D wäre verfehlt. Bei aller berechtigten Kritik etwa an hohen Energiepreisen und bürokratischen Fesseln, die gerade dem Mittelstand vonseiten der Verwaltung und Politik in den Weg gelegt werden, haben Unternehmen nach wie vor viele eigene Möglichkeiten, der Krise zu trotzen.

Firmen, die wachsen wollen, sollten ihre gelernten Planungsprozesse kritisch hinterfragen

Unternehmen, die wachsen wollen, stehen vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen schnell entscheiden, dürfen sich wegen der angespannten Liquiditätslage aber keinen teuren Fehler leisten und sehen zugleich immer unschärfer. Denn die antrainierten klassischen Orientierungspunkte für ein wirtschaftliches Wiederanziehen wie Auftragseingang, gesamtwirtschaftliche Ausrüstungsinvestitionen oder das Zinsniveau allein reichen nicht mehr, um das Firmenschiff auf neuen Kurs zu bringen. Deutschland durchlebt eine der tiefsten Strukturkrisen seiner Wirtschaftsgeschichte, klassische Konjunkturmuster greifen da entschieden zu kurz. Das Tempo, indem sich Märkte auch und gerade durch technologische Innovationen verändern, ist mit dem früherer Umbruchphasen nicht mehr zu vergleichen.

Auch traditionelle Finanzkennzahlen zeigen nur, was bereits geschehen ist. Nicht aber, was kommen wird. Und makroökonomische Daten liefern zwar viel Kontext, aber wenig bis keine Hinweise darauf, wie sich Nachfrage, Zahlungsbereitschaft oder Kundenverhalten tatsächlich entwickeln werden. „In vielen Branchen fehlen frühzeitige Marktsignale. Genau das macht die Unsicherheit in der Kunden- und Nachfrageentwicklung so gefährlich“, sagt Dennis Wegner. Er ist Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens easyfeedback GmbH mit Sitz in Koblenz und damit Profi für Umfragen, das Aufnehmen von Trends und Stimmungen sowie die richtigen Schlüsse daraus. Wegners Credo: Wer allein auf Makrodaten blickt, reagiert zwangsläufig zu spät. Wer sie hingegen durch systematische Kunden- und Marktsignale ergänzt, verschafft sich einen Vorsprung, der in Wachstumsphasen entscheidend werden kann.

Welchen wichtigen Beitrag ein strukturiertes Feedback für das Firmenwachstum liefern kann

Wegner: „Strukturiertes Feedback schafft Klarheit. Es liefert nicht nur ein Stimmungsbild, sondern zeigt, warum etwas funktioniert oder warum etwas schiefläuft. Besonders für Unternehmen in der Wachstumsphase ist das entscheidend: Sie müssen schnell verstehen, welche Produktfunktionen Kunden wirklich nutzen, wo Kaufabbrüche entstehen oder welche Erwartungen im Onboarding von neuen Mitarbeitern nicht erfüllt werden.“

Struktur bedeutet dabei: klare Ziele, klare Fragen, klare Auswertung. Das schützt vor Aktionismus und ermöglicht datengetriebene Entscheidungen. Wegner ermuntert dazu, bei den Fragen nicht zimperlich oder gar unterwürfig zu sein: „Stellen Sie die Fragen, deren Antworten Sie wirklich brauchen. Nicht die, die Sie hören wollen. Dann wird Feedback vom Stimmungsbarometer zum Wachstumsinstrument.“

Unternehmen erfahren durch regelmäßige Befragungen, ob ihre Produkte und Preise am Markt ankommen oder nicht. Und wenn etwas nicht so läuft, wie erhofft, können sie schneller als der Wettbewerb gegensteuern. Das erhöht die Chancen rapide, bei der nächsten Konjunkturprognose des ifo Instituts im Lager derjenigen zu sein, für die das Glas mehr halbvoll als halbleer ist.

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