Nachhaltig und effizient – die solare Geothermie
Interview mit Holger Vogel, Geschäftsführer der BES BuildingEnergySolutions GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Vogel, seit inzwischen 30 Jahren tritt Ihr Unternehmen als Pionier auf dem Gebiet der solaren Geothermie auf – was fasziniert Sie bis heute an dieser Technologie?
Holger Vogel: Mit der solaren Geothermie lassen sich bisweilen mit die höchsten Wirkungsgrade erzielen: Wir konnten schon Systeme mit einer Jahresarbeitszahl (JAZ) von 7 umsetzen. Gleichzeitig hat sich diese Technologie schon seit über 30 Jahren im Markt bewährt – insbesondere bei Gebäudebetreibern und Investoren, die bereits auf sie vertrauen. Dementsprechend ist inzwischen auch das Gros unserer Kunden Wiederholungstäter – von Automobilherstellern über die Pharmaindustrie und Wohnbaugesellschaften bis hin zu Fußball-Bundesligavereinen, die ihre Gebäude mit solaren Geothermieanlagen von uns heizen und kühlen.
Wirtschaftsforum: Woran entscheidet sich der Erfolg eines solchen Projekts?
Holger Vogel: Zehn gute Produkte machen noch kein gutes System, sie müssen erst zu einem kohärenten Gesamtsystem verbunden werden, damit am Schluss das entsprechende Bürogebäude, Mehrfamilienhaus oder Gewerbeobjekt effizient beheizt und gekühlt werden kann. Unsere Kernkompetenz liegt eben genau in der Systemintegration, bei der wir alle Gewerke, Quellen, Speicher und Verbraucher zu einem funktionierenden Gesamtsystem verbinden und die Wirtschaftlichkeit und Effizienz dieses Systems bereits während der Planung durch die dynamische Simulation sicherstellen können. Die solare Geothermie macht sich gerade bei Großprojekten dabei den physikalischen Umstand zunutze, dass man im Industrieprozess eine der beiden Energieformen – überspitzt gesprochen – immer gratis erhält: Beim Heizen entsteht Kälte, beim Kühlen entsteht Wärme. Die Kernaufgabe besteht dann darin, die erzeugte Energie sinnvoll dorthin zu leiten, wo sie gerade gebraucht wird – oder zu speichern, wenn ein zeitversetzter Bedarf besteht. Dabei setzen wir inzwischen stark auf unser smartes und intelligentes Regelungssystem und integrieren KI dabei auch schon sehr erfolgreich.
Wirtschaftsforum: Obwohl die weiteren Innovationsmöglichkeiten bisweilen begrenzt sind, sind die Erfolge weiterhin beachtlich. Wo sehen Sie weiteres Entwicklungspotential?
Holger Vogel: Niemand kann die Gesetze der Physik aushebeln, weshalb es mittlerweile größere Innovationssprünge nur punktuell geben wird. Die wirklich zentralen Nutzengewinne liegen in der weiteren Optimierung der Gebäude und Systeme – und hier besteht oftmals sehr viel Potenzial. Erst kürzlich haben wir eine Industrieanlage für ein Neubauobjekt so optimiert, dass am Schluss eine Energieeinsparung von 50% der ursprünglichen Planung erzielt werden konnte. Ein weiteres Objekt, dessen Energiebedarf mit 300.000 kWh veranschlagt wurde, konnten wir durch die Optimierung um 30% reduzieren. Da freut sich am Ende natürlich jeder Betreiber.
Wirtschaftsforum: Wo entstehen dabei die meisten Aha-Momente?
Holger Vogel: An den unterschiedlichsten Stellen. Erst heute Morgen hatten wir mit einem Projekt zu tun, dessen tatsächlicher Heizbedarf die Berechnungen des Planungsbüros um fast das Doppelte überstieg. Nach stundenlanger Analyse stellte dann einer unserer Servicetechniker fest, dass die Lüftung viel zu viel Energie zog. Der so erkannte Fehler war dann schnell zu beheben – und der Energiebedarf sank um etwa zwei Drittel. An dieser Anekdote zeigt sich auch, wie wichtig qualifiziertes Personal ist: Damit steht und fällt jedes Projekt. Da sich der Fachkräftemangel durch alle Gewerke zieht, hat jedoch die Qualität der Vorleistungen in unseren Projekten mitunter spürbar nachgelassen. Daraus wollen auch wir Konsequenzen ziehen.
Wirtschaftsforum: Was kann BES in diesem Kontext tun?
Holger Vogel: Wir werden unsere Schnittstellenfunktion bei der Koordination der einzelnen Gewerke und Projektschritte noch deutlich weiter ausbauen, was sich unsere Kunden auch ausdrücklich von uns wünschen. Dabei wollen wir die entsprechenden Leistungen schon im Vorfeld in unserem Backoffice sauber klären. Wir verfügen dort über ein hoch qualifiziertes Engineering- und Backoffice-Team, das komplexe Fragestellungen schnell und präzise bearbeiten kann, mit den dynamischen Simulationen die geplanten Energiesysteme auf ihre Energieeffizienz prüft und durch ihre jahrzehntelange Praxis-erfahrung die Optimierungsmöglichkeiten von Gebäuden sofort erkennt.
Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie in die Zukunft der Energiewende – sind wir aus Ihrer Sicht auf dem richtigen Weg?
Holger Vogel: Ketzerische Gegenfrage: Haben wir uns denn überhaupt schon auf den Weg gemacht? Glücklicherweise hat inzwischen nahezu jeder eingesehen, dass wir unser Stromnetz und unsere übrige Infrastruktur 20 Jahre lang vernachlässigt haben. Doch es fehlt noch an den nötigen Konsequenzen, die man aus dieser Lehre ziehen müsste – auch wenn es aus den Behörden heißt, man arbeite Tag und Nacht an Lösungen. Ich würde an dieser Stelle für Einfachheit und Wahlfreiheit gleichermaßen eintreten: So ließe sich der unübersichtliche Förderdschungel wahrscheinlich am besten durch eine Rückkehr zur Eigenheimzulage beheben – mit Steuervorteilen auf Grundlage der Primärenergieaufwandszahl, die man jedes Jahr ein wenig verschärfen könnte. Im Ergebnis stünden dann ein sauberer Markt und die souveräne Entscheidung aller Eigentümer, ob sie ihre Ziele der CO2-Neutralität mit mehr Dämmung, einer Wärmepumpe oder einer anderen Lösung erreichen möchten.














