Fa. Rittersbacher - vom Fahrrad zum E-Auto

Interview mit Klaus Welling, Geschäftsführer VW und Audi Zentrum der Autohandelsgesellschaft mbH Georg Rittersbacher

Wirtschaftsforum: Seit wann sind Sie im Unternehmen tätig?

Klaus Welling: Seit 2016 bin ich bei Rittersbacher zunächst als kaufmännischer Verantwortlicher nun als Mitglied der Geschäftsleitung tätig.

Wirtschaftsforum: Was reizt Sie besonders an Ihrer Arbeit?

Klaus Welling: Ich bin schon seit Jahrzehnten im Automobilgeschäft und war unter anderem bei der Daimler AG in verschiedenen Funktionen tätig. Dadurch kenne ich sowohl die Konzern- als auch die Händlerseite. In einem mittelständischen Unternehmen wie Rittersbacher ist der Austausch mit den Mitarbeitern intensiver. Sie für unsere gemeinsame Sache zu begeistern und Ihnen zu zeigen, dass durch gemeinschaftliches Handeln und Optimieren alle Ziele zu erreichen sind, das stellt für mich den größten Reiz dar. Gerade in diesen, für den Handel unsicheren Zeiten, zähle ich dies zu einer meiner wichtigsten Aufgaben, um ein starkes Team an meiner Seite zu haben. Somit stellen wir sicher, auch die kommenden Jahre erfolgreich am Markt zu bestehen und die Rittersbacher-Tradition weiterzuführen.

Wirtschaftsforum: Herr Welling, Rittersbacher ist schon sehr lange im Geschäft. Was hat sich während dieser Zeit im Unternehmen getan?

Klaus Welling: Die Firma Rittersbacher wurde bereits 1924 gegründet. Sie hat sich seit jeher mit Mobilität beschäftigt – zunächst mit Fahrrädern und Motorrädern. Nach dem Krieg wurde sie zur Autowerkstatt und zum Autohandel für VW und Porsche. Damit war das Unternehmen einer der ersten Händler, zeitweise auch Großhändler, dieser Marken in Rheinland-Pfalz. Durch die immer weiter fortschreitende Industrialisierung konnte Rittersbacher weiterwachsen. Von Kaiserslautern aus ging die Orientierung in Richtung Saarbrücken und Rhein mit der Eröffnung weiterer Standorte. Heute haben wir sieben Betriebsstätten für die Marken VW, VW Nutzfahrzeuge, Skoda, Audi und Porsche. Vier von ihnen befinden sich in Kaiserslautern. Wir beschäftigen rund 430 Mitarbeiter und unser Jahresumsatz liegt bei 160 Millionen EUR.

Wirtschaftsforum: Welche Impulse konnten Sie Rittersbacher seit Beginn Ihrer Tätigkeit geben, um im hart umkämpften Markt weiterhin erfolgreich zu bestehen?

Klaus Welling: 2016 war das Netz unserer Standorte nicht optimal, zum Teil lagen sie räumlich zu dicht beieinander. Auch das zunehmende Onlinegeschäft machte Veränderungen notwendig. In diesem Zuge haben wir Betriebsstätten aufgegeben, die nicht mehr rentabel waren. Wir mussten aber Niemanden betriebsbedingt entlassen, worauf wir sehr stolz sind. Das ist umso wichtiger, weil der Kampf um Arbeitskräfte groß ist. Diese Neuausrichtung war notwendig, um den anstehenden Herausforderungen, die die neue Antriebstechnik mit sich bringt, gewachsen zu sein. So haben wir zudem an unseren Standorten die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge geschaffen, um unsere Kunden optimal bedienen zu können. Zu meinen wichtigsten Aufgaben gehört es, unsere Mitarbeitern*innen für die E-Mobilität zu begeistern. Mittlerweile ist etwa jedes dritte verkaufte Fahrzeug in der Rittersbacher-Gruppe ein Fahrzeug mit reinem Elektroantrieb oder ein Hybridfahrzeug.

Wirtschaftsforum: Haben Sie neben dem Autohandel und dem Werkstattgeschäft weitere Geschäftsfelder bzw. wie reagieren Sie auf die Marktveränderungen mit neuen Vertriebskonzepten?

Klaus Welling: Ja, bzgl. E-FZG Handel greifen wir immer mehr auf das Agenturmodell zurück, was sich bereits in unserem Großkunden-Leistungszentrum bewährt hat. Die Besonderheit daran ist, dass wir autorisiert sind, für den Hersteller der Marken, die wir vertreten, Großkunden zu bedienen, die direkt mit ihm Verträge abschließen. Unsere Rolle ist die des Vermittlers. Wir erhalten also nicht den Fahrzeugpreis, sondern nur die Vermittlungsprovision vom Hersteller. Der Umsatz ist daher pro Auto deutlich geringer, dafür bewegen wir aber viel mehr Fahrzeuge.

Wirtschaftsforum: Aus welchem Grund wird das Agenturkonzept gerade im E-FZG-Handel eingesetzt?

Klaus Welling: Schon jetzt werden immer mehr Fahrzeuge nur noch geleast und nicht mehr gekauft. Zudem laufen die Autos mit Verbrennungsmotoren aus. Die Elektrofahrzeuge sind weniger wartungsintensiv, das heißt, unser Werkstattgeschäft wird rückläufig sein. Zudem kommt, dass bei den Elektrofahrzeugen die Entwicklung der Batterien so schnell voranschreitet, dass Fahrzeuge etwa im Hinblick auf die Reichweite nach wenigen Jahren komplett veraltet sein können. Wenn ein E-Auto, das heute mit einer Reichweite von 400 km verkauft wird, in drei Jahren zu uns zurückkommt, tragen wir das Risiko der Vermarktung. All diese Aspekte gilt es zu kompensieren, denn bei dem Agenturkonzept geben wir diese Risiken an den Hersteller weiter.

Wirtschaftsforum: Das bedeutet, Sie werden gar keine gebrauchten E-Autos verkaufen?

Klaus Welling: Doch, wir können sie für den Hersteller verkaufen, tragen aber nicht für alle Leasingrückläufer das wirtschaftliche Risiko. Dieses Vorgehen beschreibt die Unsicherheit, die im Hinblick auf die gebrauchten E-Fahrzeuge herrscht. Dadurch, dass wir an den Hersteller vermitteln, geben wir allerdings ein wichtiges Asset, nämlich unsere Kundenbeziehungen, auf. Hier spielt die digitale Transformation mit hinein. Denn Kundenbeziehungen werden in Zukunft auch nur funktionieren, wenn es uns bei Auslieferung des Fahrzeugs gelingt, den Kunden mit unserem Haus zu vernetzen. Braucht der Kunde einen Service, dann leitet ihn das Fahrzeug direkt in die Werkstatt. Als solche müssen wir dort hinterlegt sein.

Wirtschaftsforum: Welche weiteren Veränderungen stehen an?

Klaus Welling: Die Rittersbacher-Gruppe ist selbstverständlich immer daran interessiert, weiter organisch zu wachsen, wenn Zukäufe zu unserem Unternehmen passen. Da wir weiterhin auch für die Marke Porsche am Markt konkurrenzfähig bleiben möchten, haben wir uns dazu entschlossen, eine Kooperation mit der Händlergruppe Löhr & Becker AG aus Koblenz einzugehen. Unser gemeinsames Projekt ist, der Bau eines neuen Porschezentrums in Kaiserslautern, welches für den wachsenden Herausforderungen gewachsen ist. Diese Zusammenarbeit eröffnet uns natürlich auf die Zukunft bezogen hinsichtlich Transformation in Richtung der E-Mobilität noch viele weitere Möglichkeiten.

Autohandelsgesellschaft mbH Georg Rittersbacher
Pariser Straße 201
67663 Kaiserslautern
Deutschland
+49 631 32020
+49 631 3202101
info(at)rittersbacher.de
www.rittersbacher.de

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