Autonomes Fahren – Wie weit ist die Automobilindustrie?

Was ist autonomes Fahren?

Damit werden Fahrzeuge oder Transportmittel gemeint, die sich ohne ein Eingreifen des Menschen von Punkt A nach Punkt B bewegen. Dabei wurde das automatisierte Fahren von der Society of Automotive Engineers (SAE International) in fünf Stufen eingeteilt:

Fahrer überwacht den Fahrbereich

Bei den ersten drei Stufen überwacht der Fahrer noch den kompletten Fahrbereich und muss in das Fahrgeschehen eingreifen. In der Stufe 1 und 2 werden alle Fahrerassistenzsysteme zusammengefasst, bei denen der Fahrer von dem Fahrzeug selbst unterstützt wird, der Fahrer aber immer noch in das Fahrgeschehen eingreifen muss und das Auto unter voller Kontrolle hat. Die Assistenzsysteme unterstützen den Fahrer dabei bei Beschleunigung, Lenkung und Verzögerung.

Automatisierung

Ab Stufe 3 wird das Fahrzeug nicht mehr vom Fahrer bedient, er muss aber trotzdem eingreifen können, wenn das Fahrzeug in Gefahrensituationen dazu auffordert. Auf Stufe 4 wird auch nicht mehr der letzte Punkt erwartet und das Fahrzeug reagiert auch in Gefahrensituationen, bei denen der Fahrer in Stufe 3 noch eingreifen musste. Auf der letzten Stufe handelt das vollautonome Fahrzeug allein und handelt in jeder Situation so zuverlässig wie ein menschlicher Fahrer und beherrscht damit das autonome Fahren voll.

Wie weit ist die Industrie?

Als 2015 die Firma Tesla das Model S auf dem Markt gebracht hat und darin das teilautonome System Autopilot vorgestellt hat, ging ein Ruck durch die Automobilindustrie. Damals konnte das Fahrzeug schon autonom Spurwechsel durchführen und zuverlässig den Abstand zu anderen Autos einhalten. Das war der Startschuss, für andere Automobilhersteller, diesen technologischen Vorsprung verkürzen zu wollen. Bisher wurden aber vornehmlich die Stufen 1 bis 2 der SAE International Kriterien bedient, auf dem Plan ist nun der Angriff der nächsten beiden Stufen.

Mercedes nun mit Vorsprung

2021 wurde beim Kraftfahrt-Bundesamt das erste Pilotsystem der Stufe 3 zugelassen und wurde von Mercedes-Benz unter dem Namen Drive Pilot entwickelt. Das System übernimmt dabei alle Aufgaben des Fahrers auf Autobahnen, solange 60 km/h nicht überschritten wird, es ist also vor allem für Stausituationen entwickelt worden. Eingesetzt wird das neue System in der nächsten Version der S-Klasse, die dieses Jahr noch auf den Markt kommen soll. Danach wird das System auch in weiteren Modellen eingebaut werden und auch in weiteren Ländern freigegeben werden. Ziel sind Staaten in den USA und auch in Europa. Die zukünftigen Parksysteme können nach SAE Stufe 4 arbeiten, wenn entsprechende Parkhäuser mit der Technik ausgestattet sind.

VW arbeitet an eigenen Level 4 Systemen

Bei VW kommt im nächsten Jahr ein System auf Level 3, das dann bis 2030 in Kooperation mit Bosch und dem Softwarehersteller Cariad auf ein Level 4 System gebracht werden soll. Ziel ist 2026 das Elektrofahrzeug Trinity mit autonomen Fahrfunktionen auf den Markt zu bringen. Trinity soll dann auf Autobahnen auf Stufe 4 fahren können, der Fahrer muss dann nur noch nach Aufforderung in das Fahrgeschehen eingreifen.

BMW iX

BMW setzt mit dem iX auf eine Fülle von Fahrerassistenzsystemen bis Stufe 3. Auf Basis dieser Plattform wird dann in Zukunft an Systemen der Stufe 4 gearbeitet. Die großen Autobauer kooperieren dabei häufig mit Chip Herstellern, wie Nvidia, Intel und Qualcomm. Sie versorgen die Fahrzeuge mit der Rechenkraft, die zur Einschätzung und Entscheidung in Fahrsituationen benötigt werden.

Volvo, Honda und Co.

Andere Hersteller planen auch Fahrzeuge der Stufen 3 oder 4 und sind sehr aktiv in der Forschung zum Autonomen Fahren. Bei der Herangehensweise wird dabei sehr unterschiedlich gearbeitet. Während Volvo mit LiDAR-Sensoren arbeitet, die vorhandene Sensorik wie Radare, Kamera und Ultraschallsensoren ergänzt, verzichtet Tesla auf Radar und Lidar. Elon Musk setzt vermehrt auf ein Kamerasystem, das auf Basis von Machine Learning die Bilder interpretiert und auf Basis dessen Entscheidungen fällt.

Fazit

Die aktuelle Dekade stellt ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum autonomen Fahren dar. Mit der Zulassung von Mercedes Drive Pilot der Stufe 3, das auf Autobahnen autonom in bestimmten Situation fahren darf und kein Eingreifen außerhalb von Gefahrensituation erfordert, ist ein weiterer Schritt in Richtung autonomes Fahren getan. Erstes richtiges autonomes Fahren ist aber erst mit der Stufe 4 möglich, nach Plänen der Autohersteller, sollen solche Systeme bis 2030 auf deutschen Straßen unterwegs sein. Ob dies am Ende aber wirklich auch so ist und die Fahrer sich beim Autofahren zurücklehnen können, ist Stand jetzt noch Zukunftsmusik.

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