Dinge einfach machen

Interview mit Mitja Hofacker, Geschäftsführer der ME Group Deutschland GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Hofacker, die ME Group entwickelt und vermarktet unterschiedliche Selbstbedienungsautomaten und überzeugt international als Anbieter von Dienstleistungen mit Mehrwert. Wie kam es dazu? 

Mitja Hofacker: Es gab einige bedeutende Zäsuren in der Unternehmensgeschichte. 1954 saß zum ersten Mal ein Mensch in einem Fotoautomaten der ME Group – ein erster Meilenstein. 1962 wurden mit dem Gang an die Börse die Weichen für eine Internationalisierung gestellt. 1994 kam es zur Fusion mit der Firma KIS; dadurch konnten wir unsere Geräte selbst designen, entwickeln und entwerfen. Wir haben die gesamten Fertigungs- und Entwicklungskapazitäten im Haus, kennen sehr genau die Technologie und können auf individuelle Kundenbedürfnisse eingehen – ein wichtiger USP. 2012 wurde die Produktpalette stark erweitert. Die ME Group kommt aus dem Fotobereich, KIS aus dem Sofortdruckbereich; statt sich auf den Fotobereich zu beschränken, wurden weitere automatisierte Lösungen bereitgestellt, die die Attraktivität eines Standortes erhöhen und Menschen Nutzen bringen. 2012 wurde deshalb in Frankreich die erste Waschstation etabliert. Heute gibt es dort mehr als 4.000; in Deutschland sind es 190. 

Wirtschaftsforum: Neben Foto- und Waschstationen bietet das Unternehmen Pizza- und Saftautomaten und andere Vending Machines an. Wie sieht die Struktur hinter diesem sich stetig weiterentwickelnden Angebot aus? 

Mitja Hofacker: Die ME Group ist heute mit über 1.000 Mitarbeitern in 19 Ländern weltweit präsent, wobei Europa den Schwerpunkt bildet. In Deutschland sind mehr als 70 Mitarbeiter in den Bereichen Vertrieb und vor allem Technik tätig. Der starke Fokus auf den Technikbereich ist wichtig, weil wir unseren Partnern deutschlandweit qualitativ gleichbleibend gute Lösungen anbieten wollen. Der Umsatz in Deutschland liegt bei 22 Millionen EUR; mit rund 2.000 Automaten ist der Fotobereich das stärkste Feld. Die Automaten stehen an öffentlichen Orten wie Bahnhöfen oder Einkaufszentren und bei Behörden. Beispielhaft ist unser Partner Kaufland. In Deutschland gibt es 730 Kaufland-Filialen, in über 500 finden Kunden einen Fotoautomaten. Fast jede Filiale bietet damit die unkomplizierte Möglichkeit, einen Einkauf mit der Erstellung eines biometrischen Passbilds zu verbinden. Es ist für alle eine Win-win-Situation, und genau das möchten wir. 

Wirtschaftsforum: Wie beurteilen Sie künftige Marktchancen? 

Mitja Hofacker: Wir wollen wachsen und dabei eine hohe Servicequalität sicherstellen. Mit 1.800 Fotoautomaten haben wir im öffentlichen Bereich bereits eine relativ breite Abdeckung; anders sieht es im behördlichen Bereich aus. Hier gibt es noch viel zu tun. Das gilt auch für den Waschbereich. 80 Millionen Einwohnern in Deutschland stehen 190 Waschstationen gegenüber. Im Vergleich dazu gibt es in Irland bei sechs Millionen Einwohnern 600 Stationen. Mit den Waschstationen richten wir uns an verschiedene Zielgruppen; der Lebensmitteleinzelhandel bildet einen Kernmarkt. Künftig wollen wir den Fokus verstärkt auf Raststätten und Autohöfe richten. Vor diesem Hintergrund lautet ein konkretes Ziel, den Umsatz in den nächsten drei Jahren zu verdoppeln. Es ist ein ambitioniertes Ziel, angesichts des großen Potenzials aber ein realistisches. Dabei geht es uns nicht allein um den Verkauf von Geräten. Für uns ist es wichtiger, dass beide Seiten profitieren. Die Produkte müssen passen, wir müssen mit ihnen Probleme unseres Partners lösen. Ein Fotoautomat macht in Raststätten wenig Sinn, eine Waschstation schon. Umgekehrt wäre eine Waschstation im Rathaus unsinnig. Wir überlegen immer sehr gut, welches Gerät an welchem Standort überzeugt.

Wirtschaftsforum: Sie sind seit dem 01.03.2024 für die ME Group tätig, kommen ursprünglich aus dem Lebensmitteleinzelhandel. Wie sehen Sie Ihre Aufgabe als Geschäftsführer? 

Mitja Hofacker: Ich sehe mich vor allem als transparenten Ansprechpartner, Problemlöser und Coach. Mein Fokus liegt auf der strategischen Unternehmensentwicklung, gleichzeitig auf der Unterstützung des operativen Bereichs und des Vertriebs. Es geht um die Gesamtentwicklung des Unternehmens; dafür sind beide Bereiche gleichermaßen wichtig. Sie zusammenzuführen, ist entscheidend für den Erfolg. 

Wirtschaftsforum: Für welche Unternehmenskultur steht die ME Group? 

Mitja Hofacker: Unsere Kultur ist geprägt von Offenheit, Transparenz und Ehrlichkeit. Um erfolgreich zu sein, muss jeder seine Stärken einbringen können. Dafür schaffen wir die richtigen Rahmenbedingungen. Durch die offene Unternehmenskultur entwickelt sich eine große Dynamik; wir befruchten und inspirieren uns jeden Tag gegenseitig. Das zu sehen, ist sehr motivierend.

Wirtschaftsforum: Gibt es eine konkrete Vision für die Zukunft? 

Mitja Hofacker: Wir wollen mit der Zeit gehen und schauen, was wir zusätzlich anbieten können, auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung, die neue Möglichkeiten eröffnet. Vor allem müssen wir als Unternehmen noch bekannter werden und uns als Anbieter von Dienstleistungen mit Mehrwert an verschiedenen Standorten stärker positionieren. Wir wollen als Team erfolgreich sein, uns verbessern und gemeinsam neue Entwicklungen voranbringen. Mir persönlich macht es besonderen Spaß zu sehen, dass wir gemeinsam Probleme unserer Partner lösen.

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