Mit Tradition mutig nach vorn
Interview mit Gunther Stirner-Sinn, Geschäftsführer der StirnerSinn GmbH

Als Gunther Stirner-Sinn 1986 in den elterlichen Betrieb einstieg, begann die Entwicklung vom kleinen Metzgereibetrieb zum modernen Lebensmittelunternehmen. Um auf veränderte Marktanforderungen zu reagieren, wurde 1992 und 2004 in neue Produktionsgebäude und Maschinen sowie zuletzt 2019 in eine neue Metzgerküche investiert. Das Unternehmen erhielt als eine der ersten Metzgereien Baden-Württembergs die EU-Zulassung, welche nicht nur für hohe Qualitäts- und Hygienestandards steht, sondern auch zur Belieferung der eigenen Läden und anderer Metzgerkollegen unverzichtbar ist. Aus dem klassischen Ladengeschäft entwickelte sich zusätzlich der Partyservice als ein weiteres Geschäftsfeld. „Eigentlich sind wir Wurstmacher“, sagt Gunther Stirner-Sinn. Zudem passte sich das Unternehmen flexibel dem Markt an, weil immer mehr Gastronomiebetriebe schließen und die Nachfrage nach hochwertigem Catering steigt.
Das Herzstück bleibt jedoch das traditionelle Metzgerhandwerk. Produziert wird bewusst frisch und in kleineren Chargen. „Weniger ist mehr – Frische vor Quantität“, beschreibt der Geschäftsführer die Philosophie. Ein stabiles Standardsortiment bildet die Grundlage, ergänzt durch neue Ideen im Partyservice, wo sich Kundenwünsche besonders dynamisch entwickeln.
Investieren gegen den Trend
Während viele Unternehmen in den vergangenen Jahren auf Sicht fuhren, entschied sich StirnerSinn bewusst für den umgekehrten Weg. Seit 2018 investierte das Familienunternehmen kontinuierlich in Gebäude, moderne Produktionstechnik, Photovoltaik, Wärmepumpen und Digitalisierung. Auch Buchhaltung, Personalwesen und Marketing wurden digitalisiert; als Nächstes sollen die Filialen folgen. „Der Mittelstand ist für die Gesellschaft so wichtig, denn wir sehen Potenzial und sind bereit Geld zu investieren, welches erst eingenommen werden muss“, beschreibt Gunther Stirner-Sinn seine Haltung. Rückblickend sei diese Entscheidung trotz Pandemie, Energiekrise und Inflation richtig gewesen.
Heute beschäftigt das Unternehmen rund 80 Mitarbeitende und führt an fünf Standorten Fachgeschäfte zwischen Stuttgart und Ludwigsburg. Die Nachfolge ist vorbereitet: Tochter Anna ist Fleischermeisterin und Betriebswirtin, eine zweite Tochter unterstützt den Betrieb in der Buchhaltung. „Je länger die Kinder dabei sind, desto mehr Unternehmer werden sie“, sagt Gunther Stirner-Sinn. Gleichzeitig appelliert er an Politik und Gesellschaft, bessere Rahmenbedingungen für den Mittelstand zu schaffen.











