Abfall neu und nachhaltig gedacht
Interview mit Andreas Opelt, CEO der Saubermacher Dienstleistungs AG

Wirtschaftsforum: Herr Opelt, der Name ‘Saubermacher’ sagt eigentlich alles. Trotzdem – worum geht es im Kern bei dem Unternehmen?
Andreas Opelt: Seit der Gründung steht für Saubermacher im Vordergrund, einen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt zu leisten. Wir sammeln, verwerten und entsorgen gefährlichen und nicht-gefährlichen Abfall und gehen dabei oft neue Wege, um die Abfallwirtschaft nachhaltiger und zukunftsfähig zu machen.
Wirtschaftsforum: Saubermacher gilt als Pionier der Branche und ist konstant gewachsen. Wie kam es dazu?
Andreas Opelt: Das Unternehmen wurde 1979 von Hans und Margret Roth in Gnas mit drei Mitarbeitern gegründet; die Familie Roth ist heute noch Hauptanteilseigner des Unternehmens. Ein stetiges Wachstum
war nicht geplant, sondern ist vielmehr die Folge eines außergewöhnlichen Pioniergeistes.
Wirtschaftsforum: Können Sie Beispiele geben?
Andreas Opelt: Ein wichtiger Meilenstein war die Einführung der getrennten Sammlung von Abfällen in Österreich. Vor 30 Jahren waren wir die Ersten, die mehrere Tonnen zum Sortieren des Abfalls bereitgestellt haben. Vor rund 20 Jahren waren wir die Ersten, die Ersatzbrennstoffe produziert haben. In den vergangenen zehn Jahren haben wir den Fokus stärker auf digitale Technologien und den Einsatz künstlicher Intelligenz gelegt und nehmen auch in diesem Bereich eine führende Rolle als Pionier ein. Wenn es um die Digitalisierung der Kreislaufwirtschaft geht, gehören wir in Europa zu den führenden Abfallwirtschaftsunternehmen.
Wirtschaftsforum: Wie sieht die Digitalisierung in dem Bereich genau aus?
Andreas Opelt: Vor knapp zehn Jahren haben wir die Wastebox eingeführt, eine digitale Plattform, die wir gern mit dem Flixbus für Abfall vergleichen. Die Plattform bringt Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung zusammen, Bauunternehmen werden mit Entsorgungsbetrieben vernetzt. Für unsere Kunden können wir so Baustellenabfälle regelkonform und in gleicher Qualität zum Beispiel in ganz Deutschland entsorgen. Vom Wiegeschein bis zur Abschlussdokumentation gibt es die gleichen Dokumente. Die Plattform ist inzwischen in Deutschland und Österreich gut etabliert. Beispielhaft ist auch unser Wertstoffscanner; Sensoren, die hinten an den Fahrzeugen angebracht sind, analysieren mithilfe künstlicher Intelligenz die unterschiedlichen Müllqualitäten und erkennen entsprechende Fehlwürfe. Saubermacher hat die Technologie entwickelt und an die Kirchhoff-Gruppe weitergegeben, die sie unter dem Namen Smartscan anbietet. Neue Standards hat Saubermacher auch in der Batterieaufbereitung gesetzt. Schon mit dem Aufkommen der ersten Lithiumbatterien vor etwa 15 Jahren haben wir mit der Montanuniversität Leoben erste Forschungsprojekte zum Thema Recycling gestartet. Die Batterien waren zu der Zeit etwas ganz Neues und mit Recyclingfragen haben sich nur wenige auseinandergesetzt. Mit dem ersten Aufbereitungswerk für Lithiumbatterien haben wir erneut Pionierarbeit geleistet. Derzeit bauen wir Deutschlands modernste Recyclinganlage für Haushaltsbatterien.
Wirtschaftsforum: Konzentriert sich Saubermacher damit ausschließlich auf Deutschland und Österreich?
Andreas Opelt: Österreich ist unser Hauptmarkt, aber wir sind inzwischen in acht Ländern tätig. Zudem richten wir unsere Aufmerksamkeit immer stärker auf Südosteuropa, wo der Markt noch großes Potenzial bietet.
Wirtschaftsforum: Ist dieser Pioniergeist ein wesentliches Charakteristikum der Unternehmensphilosophie?
Andreas Opelt: Dieser Pioniergeist, der sich in diesen verschiedenen Projekten widerspiegelt, ist immer spürbar und das auf verschiedenen Ebenen. Wir leben bei Saubermacher seit 1979 eine werteorientierte Kultur und eine kundenorientierte Philosophie; diese Haltung ist in der Unternehmens-DNA verankert und wurde bereits von der Gründerfamilie vorgelebt und vorangetrieben. Hans Roth prägt diese Kultur noch heute und genau das ist den meisten unserer Mitarbeiter wichtig. Sie denken weiter, über den Tellerrand hinaus, und suchen nach der besten Lösung für unsere Kunden, statt sich mit dem Bestehenden zufriedenzugeben.
Wirtschaftsforum: Saubermacher setzt sich mit Innovationen und Kundenorientierung vom Wettbewerb ab. Wo steht das Unternehmen heute am Markt?
Andreas Opelt: Wir beschäftigen 3.800 Mitarbeitende und sind in acht Ländern tätig. Der Jahresumsatz liegt bei rund 500 Millionen EUR. Insgesamt betreiben wir 77 Anlagen verschiedenster Art und arbeiten mit allen gefährlichen und nicht-gefährlichen Abfällen – ausgenommen Tierkadaver, Sprengstoffe und radioaktive Stoffe. Weil wir Innovationen mit nachhaltigem Mehrwert entwickeln wollen, betreiben wir ein eigenes Forschungs- und Entwicklungslabor; damit sind wir mit unserer Größe die Einzigen.
Wirtschaftsforum: Saubermacher wurde in der Vergangenheit zweimal als das nachhaltigste Abfallunternehmen der Welt ausgezeichnet. Wie drückt sich dieses Nachhaltigkeitsbestreben konkret aus?
Andreas Opelt: Wir leben Nachhaltigkeit auf verschiedenen Ebenen. Schon vor 15 Jahren haben wir uns das Thema Zero Waste auf die Fahnen geschrieben und wurden dafür eher skeptisch beäugt; schließlich verdienen wir mit Abfall unser Geld. Unser Ziel ist, möglichst alles zu verwerten, keinen Abfall zu hinterlassen und Kreisläufe zu schließen. Im Herbst 2025 wurde zum Beispiel in Österreich das erste Gips-zu-Gips-Recyclingwerk gemeinsam mit Saint-Gobain und PORR in Betrieb genommen. Intern setzen wir auf Ökostrom und haben unsere Fahrzeugflotte auf E-Mobilität umgestellt und inzwischen 18 E-Lkw im Einsatz.
Wirtschaftsforum: Saubermacher genießt den Ruf als Qualitäts- und Innovationsführer. Was ist der Grund für diesen Erfolg?
Andreas Opelt: Es gibt verschiedene Gründe. Kundenbefragungen zeigen, dass vor allem unsere Fachexpertise geschätzt wird. Hinzu kommen Qualität und Sicherheit; passiert ein Fehler, wird er direkt behoben. Nicht zuletzt überzeugen wir durch Innovation – auf einem wettbewerbsintensiven Markt wissen Kunden, dass wir auch bei schwierigen Problemen die richtige Lösung finden. Ganz wichtig sind unsere Teams, die diese Lösungen umsetzen. Es ist klar, dass eine solch dynamische Entwicklung nur mit den richtigen Mitarbeitern möglich ist. Meine Vorstandskollegen und ich können lediglich die Richtung vorgeben, die Umsetzung liegt bei den Teams.
Wirtschaftsforum: Wenn Sie nach vorn schauen, wo sehen Sie Saubermacher in zehn Jahren?
Andreas Opelt: Das Wichtigste heute und in zehn Jahren ist mir, dass die Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen; sie machen Saubermacher aus. In zehn Jahren hoffe ich, mit 7.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1 Milliarde EUR zu erzielen und unsere Position im In- und Ausland, vor allem in Südosteuropa, ausgebaut zu haben. Wir wollen weiterhin wegweisende Innovationen und neue geschlossene Stoffkreisläufe auf den Weg bringen und damit unserem Ruf als Neudenker gerecht werden. Ich persönlich sehe mich der großen Verantwortung dem Unternehmen und der Unternehmerfamilie gegenüber, eine klare Strategie zu transportieren. Wir arbeiten mit flachen Hierarchien, pflegen eine offene Kommunikationskultur und stehen für langfristige Strategien. Es gibt ein sehr positives Mindset, sodass ich abends mit mehr Energie aus dem Büro gehe. Ich hoffe, dieses soziale Miteinander wird auch in Zukunft das Unternehmen prägen.










